Aerosmith Live in Mexico
Aerosmith lassen sich endlich mal wieder in Deutschland blicken. Joe Perry macht sich angesichts der Sommertour Gedanken über die Zukunft der Band.

Der 9. und 18. Juni sind Termine, die sich Rockfans ganz dick im Kalender anstreichen sollten, denn Boston’s Finest werden sich an diesen Tagen zum ersten Mal seit sieben Jahren auf deutschen Bühnen blicken lassen! Berlin und Dortmund sind die auserwählten Städte, in denen Steven Tyler, Joe Perry und Co. die Erde beben lassen werden. Mit Letzterem unterhielten wir uns über die Zukunftspläne der Band, die nächstes Jahr 45. Jubiläum feiert, und ob wieder alles im Lot ist zwischen ihm und Tyler, nachdem sie sich mal wieder sehr öffentlichkeitswirksam gezofft hatten…

Was können wir von den Shows diesen Sommer erwarten?

Wir wollen die Leute umhauen. Wir werden ein paar Lieder im Gepäck haben, die wir schon oft gespielt haben, hoffentlich auch Sachen, die wir nicht so oft bringen, plus ein paar Stücke vom neuen Album [MUSIC FROM ANOTHER DIMENSION!]. Es wird etwas aus jedem Jahrzehnt geben.

Habt ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt, ein komplettes Album von Anfang bis Ende aufzuführen, und wenn ja, welches?

Vor ein paar Jahren versuchten wir das mal mit PUMP, ohne es an die große Glocke zu hängen. Das Problem war aber, dass die Leute bei den weniger bekannten Stücken einfach nur so dagesessen sind.

PUMP wird dieses Jahr 25, aber es klingt, als würdet ihr das nicht noch mal in Erwägung ziehen.
Ist das so? Das war mir gar nicht bewusst. Es gibt da ziemlich viele Jubiläen in letzter Zeit. Ich achte nicht wirklich auf sowas, also wahrscheinlich eher nicht.

Letzten Sommer wurden du und Steven Tyler in die Songwriters Hall Of Fame aufgenommen. Wie war das?
Als wir den Anruf erhielten, habe ich erst mal eine Minute gebraucht, um zu verdauen, dass wir da mit ein paar dieser großen Namen in einer Reihe stehen würden.

Welches Stück würdest du als Songwriter sagen, fasst Aerosmith am besten zusammen?

›Let The Music Do The Talking‹. Das ist eines meiner Lieblingstempi. Wenn ich neue Songs schreibe, benutze ich es sowohl als Maßstab als auch als Inspiration. „Du hast es einmal getan, jetzt tu es wieder.“

Arbeitest du gerade an neuer Musik?

Ich schreibe immer, aber ich mache da keinen Unterschied, ob es für mich oder Aerosmith ist. Es gibt heute so viele Kanäle, inklusive Fernsehen und Filme. Es ist eine aufregende Zeit für Musik – nur leider eine wirklich schlechte Zeit, um mit Musik Geld zu verdienen.

Wie blickst du auf das gemischte Echo auf MUSIC FROM ANOTHER DIMENSION! zurück? Es war nicht ganz das „rohe, fiese, harte Rockalbum“, das du vorhergesagt hattest, oder?
Man hat immer diese Geschichten gehört, wie Mick und Keith ein Stones-Album gemacht haben, ohne zusammen im Studio gewesen zu sein, und ich kann jetzt verstehen, wie das läuft. Steven und ich haben unsere Ansichten und manchmal treffen wir uns auf halbem Weg, manchmal nicht. Da ist echt ass-kicking Zeug auf der Platte, aber da sind auch andere Sachen, die ich ehrlich gesagt lieber weggelassen hätte.
Es gab auch zwei große Rückschläge außerhalb unserer Kontrolle. Der Präsident unseres Labels verließ die Firma drei Wochen, bevor die Platte erschien, und sie wurde in den Mülleimer geworfen. Man hatte uns auch gesagt, dass die Leadsingle ›Legendary Child‹ im Film „G.I. Joe“ untergebracht und Paramount Millionen in die Promotion des Albums stecken würde. Wir saßen schon in der Limousine auf dem Weg zum Fernsehstudio, um das Stück bei „American Idol“ zu spielen, als wir erfuhren, dass der Film nun doch um sechs Monate verschoben wurde. Ich finde immer noch, dass das Album nicht die verdiente Anerkennung erfahren hat.

Verderben dir diese Probleme und illegale Downloads die Lust darauf, ein neues Aerosmith-Album zu machen?
Nein. Ich muss weiter Songs schreiben und ich liebe es zu sehr, im Studio zu sein. Ich bin mir sicher, dass wir noch ein Album machen werden. Aber angesichts der Zeit, die uns noch bleibt, wäre es vielleicht besser, diese damit zu verbringen, um die Welt zu fahren und live zu spielen.

Wie ist dein Verhältnis zu Steven Tyler jetzt? Ist alles in Ordnung zwischen euch?

Yeah. Einiges von dem, was in der Presse stand, war richtig, anderes wurde aufgeblasen. Steven und ich haben gelernt, diesen Scheiß nicht persönlich zu nehmen. Wir können uns wie Hund und Katz über Musik streiten und am nächsten Tag zusammen Motorradfahren gehen. Wir werden nie gleich denken, aber das macht uns aus. Es gibt immer eine unterschwellige Spannung. Wir sind nun einmal beide sehr launisch. Diese Feindschaft ist wie Arbeiten mit Dynamit, und bei Aerosmith ist immer ein glimmender Zigarettenstummel in der Nähe.