Aerosmith_28_Photo_Fabian_Schreyer_DSC_7647 fLicht: Ja! Ende des Tunnels: Noch lange nicht!

Sieben Jahre haben Aerosmith seit ihren letzten Auftritten in Deutschland mit Zankereien, Krankheitsfällen und ihrem zu Unrecht relativ missachteten Album MUSIC FROM ANOTHER DIMENSION verbracht. Unter Vorfreude und dem Gefühl eines drohenden Hitzschlags bei 33 Grad mischt sich also auf dem Weg zur O2 noch eine unangenehme Frage: Was kann man 2014 noch von diesem gealterten Chaoshaufen erwarten? Die O2 World ist voll bis unters Dach und zum Glück angenehm klimatisiert. Beste Voraussetzungen also für Aerosmith, sich noch einmal zu beweisen, zumal zur Show-Einleitung die Walking Papers um Duff McKagan eine überzeugend drückende Blues-Hardrock-Show abliefern.

Jetzt ist es Zeit für Aerosmith, „der größten Rockband Amerikas“!? Und tatsächlich: Mit ›Train Kept A-Rollin’‹ dampft eine der größtformatigen Rockshows seit langer Zeit an – zumindest dürfte man dies ungeniert behaupten, befänden wir uns nicht gerade mitten in den Berliner Welt-Rock-Tagen, denn abends zuvor erst haben Black Sabbath mit Soundgarden in der Waldbühne gespielt, wo gerade in diesem Moment die heutige Pause für den Aufbau der morgigen Stones-Show genutzt wird. Aerosmith buschtrommeln sich im Anschluss in ein gewaltiges ›Eat The Rich‹, bei dem lediglich Drummer Joey kurze Orientierungsprobleme hat. Es folgt ein fünfstückiges Mega-Hit-Paket (eigentlich besteht dieser Abend ausschließlich und insgesamt aus 21 Hits) mit Songs wie ›Love In An Elevator‹, ›Cryin’‹, und einem mächtigen ›Livin‘ On The Edge‹, bevor Aerosmith ›Last Child‹ anstimmen. Jetzt bekommt Tyler, der an diesem Abend stimmlich und athletisch fitter als bei seinem letzten Besuch wirkt, eine zusätzliche, eigentlich überflüssige Motivationsspritze. Am Bühnenrand bemerkt er scheinbar unerwarteten Besuch. „Ladies and Gentlemen, Chris Cornell and Toni Iommi!“, platzt es aus ihm heraus. Und so wird Cornell samt Kind und Kegel gleich überschwänglich zum Mitsingen genötigt.

Nach ›Rag Doll‹ und dem verdienten Solo-Auftritt des so herrlich unterkühlten Joe Perry (›Freedom Fighter‹) folgt der nächste fulminante Fünfer-Block, bevor wohl eines der Highlights der „Berlin Rock Convention“ folgt: Aerosmith spielen ›Come Together‹ von den Beatles und Teile von Black Sabbath, Soundgarden und Guns N‘ Roses sehen dabei zu. Einige Song-Schwergewichte wie ›Dude Looks Like A Lady‹, ›Walk This Way‹ und die Zwei-Song-Zugabe aus ›Dream On‹ und ›Sweet Emotion‹ später geht das Licht an.

Doch anstatt sich effekthascherisch von der Bühne zu zaubern, trifft sich die gesamte Band am Ende des 20 Meter langen Bühnenstegs, um sich von Berlin zu verabschieden. Besonders Tyler, sichtlich stolz, ist nicht mehr von der Bühne zu bewegen. Bevor er aufgedreht wie ein Schuljunge am letzten Tag vor den großen Ferien herum hüpft und einen Kameramann mit seinem verschwitzten Shirt drangsalierend im Off verschwindet, gibt der „Demon Of Screamin’“ noch seine Weisheit aus dem ›Amazing‹-Outro zum Besten: „Always remember, the light at the end of the tunnel may be you!“ … Mit einer solchen Show und diesem Satz aus dem Mund einer derart schillernden Person gesegnet, brauchen weder Aerosmith selbst, noch sonst jemand der rund 15.000 sich jemals Sorgen um eine möglicherweise nicht glänzende Zukunft machen.