alcatrazAb in den Knast: kultiges Erstlingswerk aus der Kraut-Rock-Ära.

Obskures, Pittoreskes und Groteskes produziert die noch junge Kraut-Rock-Szene zu Anfang der siebziger Jahre zuhauf – Dekaden später gelten die Ladenhüter von einst auf Plattenbörsen als hochdotierte Sammlerstücke, auf die vor allem das angloamerikanische Ausland gerne ein Auge wirft. Auch das Debütwerk der Hamburger Formation Alcatraz, 1972 auf Philips aufgelegt, geht diesen Weg: VAMPIRE STATE BUILDING, produziert von Jimmy Boyks in Fausts legendärem Studio in Wümme, ziert ein ironisch provokantes Cover, das die mehr oder minder gewollte künstlerische Kompromisslosigkeit von Rüdiger Berghan (Sänger, Pianist), Klaus Holst (Gitarre), Klaus Nagurski (Flöte, Tenorsaxofon), Ronald Wilson (Bass) und Jan Rieck (Schlagzeug) unterstreicht. Alcatraz, eine ehemalige Schülerband, entdecken für sich die Welt der British Jazz Rock Avantgarde und innovative Ensembles wie Soft Machine, Colosseum und Centipede. Sie mischen aber auch schon mal Fragmente von Cannonball Adderly mit Santana, Traffic und Deep Purple, etwa im zehnminütigen instrumentalen Auftakt ›Simple Headphone Mind‹. ›Where The Wild Things Are‹ und der 13 Minuten lange suitenhafte Titelsong setzen einmal mehr auf Freistil. ›Piss Off‹ zum Finale erweist sich in seiner atonalen Ruppigkeit für Free-Jazz-Ungeübte als wahre Folter.