Alejandro Escovedo: Tex-Mex mit Punk im Blut

Alejandro Escovedo InterviewEine musikalische Familie: Er ist der Onkel von Sheila E., sein Bruder Pete spielte bei Santana Percussion. Auch wenn er kommerziell kleinere Brötchen backt – Alejandro ist vielleicht der musikalisch Interessanteste des Escovedo-Clans, wie sein neues Album THE CROSSING beweist. Wir gingen auf Tuchfühlung.

Du hast dein neues Album in Italien aufgenommen. Wegen des guten Essens und des guten Weins?
Das hätte ein Grund sein können, wichtiger war für mich aber, dass ich in Italien mit Don Antonio und seiner Band zusammenarbeiten konnte. Ich lernte ihn und seine Truppe vor etwa eineinhalb Jahren kennen, als ich ein An­­gebot bekam, durch Europa zu touren. Ich hatte die Wahl zwischen zwei englischen und der italienischen Backing-Band. Ich entschied mich für die Italiener.

Was haben Texas und Italien gemeinsam?
Man muss eher sagen: Was haben Mexiko und Italien gemeinsam, schließlich ist Texas besetztes Mexiko. Und da gibt es tatsächlich eine ganze Reihe an Ähnlichkeiten: die Liebe zum Essen und Trinken, die Suche nach Melodie und die Liebe zur Romantik – in der Literatur, der Musik und in Liebesdingen. Keine Frage, ein Ort an dem ich mich sehr wohl fühle.

Im Song ›The Crossing‹ thematisierst du das Thema Einwanderung am Beispiel eines jungen Italieners und eines jungen Mexikaners. Was hat dich zu diesem Song inspiriert?
Mein ganzes künstlerisches Schaffen war schon immer geprägt von der Reise meines Vaters. Als er zwölf Jahre alt war, ging er auf die Suche nach seinen Eltern, die Mexiko verlassen hatten, um in Texas Arbeit zu finden. Basierend auf diesen Erlebnissen haben Don Antonio und ich beschlossen, dass wir daraus eine Geschichte machen – eine Story von zwei kleinen Jungen, die das Amerika suchen, das sie aus Büchern, Filmen und Platten kennen. Was sie finden ist jedoch ein gänzlich anderes Amerika.

„Sie sollten eine Mauer um Trump herum bauen…“

Mit „Einwanderung“ sprichst du gerade das meistdiskutierte Thema in Europa an.
Dessen bin ich mir bewusst. Ich verfolge das Problem in Europa und den USA.

Wo Trump eine Mauer an der mexikanischen Grenze errichten will.
Trumps Mauer ist ein leeres Versprechen an seine Anhänger. Er sagte ja, dass die Mexikaner für die Mauer bezahlen würden, doch die werden einen Teufel tun. Ein leidiges Thema. Sie sollten eine Mauer um Trump herum bauen…

Was kann ein Musiker, ein Künstler gegen die Politik ausrichten?
Das ist eine individuelle Entscheidung. Wenn ein Künstler eine starke Meinung zu politischen oder sozialen Themen hat, hat er auch das Recht, sie zu äußern. Das sehen natürlich nicht alle so. Ich habe oft gehört, dass ich gefälligst singen und mich nicht in politische Dinge einmischen soll. Ich kontere dann meist damit, dass ich sage: Okay, hör dir nur weiter deine Ted-Nugent-Platten an.

Du kommst aus einer musikalischen Familie: Dein Bruder spielte bei Santana Percussion, deine Nichte ist Sheila E.
Stimmt! Aber: Sie spielen ihre Musik, ich meine. Wir unterstützen uns natürlich gegenseitig. Aber ich hatte nie ein großes Interesse an Santana, außer dass eben mein Bruder mitgespielt hat. Ansonsten? Null.

Auf deinem Album tauchen einige illustre Namen auf: James Williamson von den Stooges und Wayne Kramer von MC5. Wie kam es dazu?
Das sind gute, alte Freunde von mir, die cool genug waren mitzumachen.

Text: Gunther Matejka
Foto: Nancy Escovedo

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