JORN LANDE (cristel brower) cRUSSELL ALLEN cUnglaublich, aber dennoch wahr und praktikabel: Obwohl sie schon auf drei Platten gemeinsam zu hören sind, haben sich Russell Allen und Jørn Lande noch kein einziges Mal in natura getroffen. Warum die Zusammenarbeit dennoch klappt, lest ihr hier.

Schöne, neue Welt: Das Zeitalter allgegenwärtiger Computertechnik, der globalen Internet-Präsenz und ihren vielfältigen Kommunikationsformen ermöglicht es nahezu mühelos, dass ein Album entsteht, dessen Komponisten sich noch nie getroffen haben. Im Falle von Allen/Lande, des Projekts der beiden Melodic Metal-Sänger Russell Allen (Symphony X) und Jørn Lande (Masterplan), sind es mittlerweile sogar drei Platten – und dabei ist es bislang noch zu keinem persönlichen Kontakt gekommen. „Nein, ich habe Jørn noch nie in meinem Leben die Hand geschüttelt“, bestätigt der US-Amerikaner Allen sein – rein geografisch bedingtes – distanziertes Verhältnis zum norwegischen Kollegen. „Aber ich finde: Wir sind das lebende Beispiel, welche grandiosen Möglichkeiten das Internet für talentierte Künstler bietet.“

Ihre aktuelle Scheibe trägt den Titel THE SHOWDOWN und setzt stilistisch am Schnittpunkt zwischen Hard Rock, Melodic Metal und progressiven Anteilen an. Dazu passen die Stimmen der beiden Galionsfiguren perfekt, da sie zwar im Härtegrad leicht variieren, sich in Sachen Ausdruck und Anspruch jedoch perfekt ergänzen. Ein cleverer Schachzug des schwedischen Gitarristen/Komponisten Magnus Karlsson, der federführend hinter diesem Projekt steht und außer Gesang und Schlagzeug (dafür verantwortlich: Jaime Salazar, The Flower Kings) sämtliche Instrumente eingespielt hat. Karlsson ist der eigentliche Chef im Ring, seine Kompositionen sind Gesetz, sein Wort gilt, wenn es um künstlerische Fragen geht.

Zwei hörenswerte Scheiben hat dieses Triumvirat bereits gemeinschaftlich auf den Weg gebracht: 2005 erschien das Debüt THE BATTLE, zwei Jahre später der Nachfolger THE REVENGE. Der jetzige dritte Anlauf nahm mehr als drei Jahre in Anspruch, was dem prallvollen Terminkalender der Beteiligten geschuldet ist. „Es ist nicht immer ganz einfach, den passenden Zeitrahmen zu finden, denn Jørn und ich stecken ständig in irgendwelchen Plattenproduktionen oder sind bei Tour-Vorbereitungen oder auf Konzertreisen eingespannt. Zum Glück stand jetzt ein kleines Zeitfenster offen, sodass wir THE SHOWDOWN fertigstellen konnten.“

Das Album knüpft musikalisch direkt an die beiden Vorgänger an. Russell Allen sieht in den aktuellen Songs eine „Rückkehr der melodischen Seite vom Debütalbum in Verbindung mit der größeren Härte von THE REVENGE. Ich finde, es ist die perfekte Kombination der beiden bisherigen Scheiben.“

Alles im Lot also bei zwei der renommiertesten Metal-Sänger der Gegenwart, die – obwohl sie sich noch nie gesehen haben – dennoch (oder gerade deswegen?) ein entspanntes Verhältnis pflegen. Konkurrenzkampf oder gar zähes Ringen um künstlerische Vormachtstellungen kennen die beiden ganz offenkundig nicht. „Die Zusammenarbeit verläuft total unkompliziert”, freut sich Allen, „jeder wählt die Songs aus, die er singen möchte. Zum Glück komponiert Magnus seine Stücke so, dass wir beide unsere jeweiligen Stärken zum Ausdruck bringen können. Es ist eine tolle Sache, so arbeiten zu können.“