Alter_Bridge_Pressefoto_1_-_CMS_SourceEin einfaches Konzert wird zur 160 Minuten Doppel-Headliner-Show.

Lange vor Einlass erstreckt sich vor dem Münchner Kesselhaus eine ellenlange Schlange. Die Menschen, die eine Eintrittskarte für das restlos ausverkaufte Konzert von Black Stone Cherry und Alter Bridge ergattern konnten, stehen sich erwartungsvoll in der Kälte ihre Füße platt. Hier wird klar, dass die beiden Acts keine Geheimtipps mehr sind. Dennoch oder eben deshalb ist die Stimmung gleich darauf im Club unter dem gemischten Rock-Publikum ein wenig angespannt, was auch daran liegen mag, dass nur kaum hörbar Musik aus der Anlage schallt, um die knapp 2000 Fans für die Show aufzulockern.

Pünktlich wie die Südstaaten-Maurer betreten Black Stone Cherry um Punkt 20 Uhr die Bühne und müssen früh am Abend einen Kaltstart hinlegen. Mit dem stampfenden ›Change‹ geben sie die Marschrichtung vor. Bereits nach wenigen Takten wird klar, dass man hier nicht einfach Alter Bridge und Special Guest zu sehen bekommt. Die vier Southern Rocker aus Kentucky haben Bock und die Leute sind auch wegen ihnen gekommen. Dennoch kostet es das Quartett knapp die Hälfte ihres Sets, das Publikum bis in die hinteren Reihen in Stimmung zu bringen. Mit ›White Trash Millionaire‹ ist der Bann in der alten Industriehalle endlich gebrochen, und das textsichere, mitsingende Münchner Publikum bringt Sänger Chris Robertson bei ›Peace Is Free‹ beinahe in Verlegenheit. Selbstbewusst jamen sich Black Stone Cherry durch den Muddy Waters-Song ›Hoochie Coochie Man‹, covern ›Sweet Home Alabama‹ und geben mit ›Lonely Train‹ an Alter Bridge ab. Nach genau einer Stunde, wie es sich für eine gewöhnliche Vorband gehören würde, räumen sie anstandslos das Feld.

Alter Bridge übernehmen eine perfekt eingespielte Bühne. Mit ›Slip To The Void‹ eröffnen die Ex-Creed-Männer gemeinsam mit Myles Kennedy ihre 19 Songs starke Show. Mit erstaunlichen musikalischen Fähigkeiten und einer mächtigen Soundwand haben sie vom ersten Lied an das Publikum im Griff. Neben dem unglaublich fingerflinken Marc Tremonti ist eindeutig Kennedy der Star der Band. Er ist bei Leibe keine Rampensau, singt aber einfach so gut, dass er einem unsympathisch wäre, wenn er nicht auf so charmante Art schüchtern wirken würde. Wie zuvor bei Black Stone Cherry gehört auch hier der Balladen-Teil (bestehend aus Kennedys Solo-Akustik-Versionen von ›Wonderful Life‹ und ›Watch Over You‹) zu den Höhepunkten. Alter Bridge geben drei Zugaben. Nach ›Open Your Eyes‹ duellieren sich Kennedy und Tremonti in einem fünf minütigen Bombast-Gitarren-Solo, bevor sie mit ›Rise Today‹ eine erstklassige Live-Darbietung und einen gelungenen Konzertabend beenden.