andrew-stockdale-keep-moving-4569„Wer ist denn Andrew Stockdale? Ach richtig, der Sänger von Wolfmother! Der ist jetzt also solo unterwegs?“ So dürfte es einigen Rockfans gegangen sein. Schließlich gab sich der ehemalige Leitwolf auch allerhand Mühe, um Verwirrung zu stiften.

Noch unter dem alten Namen Wolfmother wurde in den letzten Jahren an KEEP MOVING gearbeitet. Da sich die Bandbesetzung während der Aufnahmen änderte, nahm Stockdale das bereits fertige Material noch ein zweites Mal auf. Erst danach entschied er sich, immerhin das einzige verbliebene Gründungsmitglied, die 17 Stücke unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichen. „Nun, ich wollte schon immer ein Album, das ich gemacht habe, auch unter meinem Namen veröffentlichen. Es haben zwar einige Leute daran mitgewirkt, Wolfmother aber klingt, als sei es eine Band. Das hier war wirklich wie ein Soloprojekt mit der Unterstützung anderer Künstler. Ich fand, ich musste einfach mal Farbe bekennen und es als mein Soloalbum bezeichnen. Das kam mir ehrlicher vor“, erklärt der langsam und ruhig sprechende Lockenkopf.

Nun, da er endlich alle Lorbeeren für sich einheimsen kann, verkündet Stockdale stolz, zum ersten Mal ein Album gemacht zu haben, das ihm wirklich gefalle. Was doch reichlich despektierlich gegenüber seinen alten Kollegen klingt, weiß der australische Hippie aber zu relativieren: „Ich mag die anderen Alben schon auch. Aber früher fand man sich mit Entscheidungen ab, um die anderen in der Gruppe zufrieden zu stellen und war unter Zeitdruck, um die Studiotermine einzuhalten. Diesmal konnte ich alles so weit verbessern, bis ich zufrieden mit meiner Arbeit war.“ Trotz der veränderten äußeren Umstände werden sich die Wolfmother-Liebhaber aber nicht vollends von KEEP MOVING vor den Kopf gestoßen fühlen. „Dieses Album ist trotzdem kein großer Richtungswandel. Ich habe stets alles, was ich zu geben hatte, in die früheren Alben gesteckt. Und ich bin ja noch immer dieser Typ, der singt und Gitarre spielt. Insofern wird schon eine gewissen Kontinuität erkennbar sein“, beruhigt der Rudelführer seine Anhänger.

Einige neue Wege habe der Solomann aber doch eingeschlagen: „Die Platte hat diesen abgefahrenen Groove, der dich anspringt und packt. Außerdem liebe ich seinen Banjo-Boogie-Rock-Vibe! Weil ich es selbst aufgenommen habe, hielt ich es so roh und unbearbeitet wie möglich. Ich hoffe, dass das auch für die Leute etwas Erfrischendes hat.“ Thematisch befindet sich der nachdenklicher gewordene Rock‘n‘Roller mit KEEP MOVING auf einer Art Walkabout: „Eines der zentralen Motive auf dieser Platte beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass es einem hilft, einfach mal wegzugehen. Danach geht es einem besser. Oft kann man richtig Ballast loswerden, indem man sich einfach ins Auto setzt und losfährt, in eine andere Stadt kommt und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen kann. So kann man sich neu definieren und selbst wieder mögen.“ Stockdale führte diese Reise raus aus der Stadt und in den beschaulichen Bade- ort Byron Bay, wo er seit einiger Zeit lebt. Das idyllische Auffangbecken für alternative Künstler habe dann auch erheblichen Einfluss auf seine Arbeit ausgeübt. „Dadurch fiel eine Menge Druck von mir ab. Ich muss mich jetzt nicht mehr so ernst nehmen und kann dadurch auch bessere Songs schrei- ben. Jetzt fahre ich durch unser Städtchen und denke mir: ‚Wow, das ist wunderschön!‘ Diese Energie will ich in den Rest der Welt tragen“, so Stockdale über die musikalische Suche nach seinem wahren Selbst – die für ihn mit KEEP MOVING gerade erst begonnen hat.

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