ringo starr

 

Ringo Starr
Photograph
Genesis Publications

Interaktives E-Book, das spricht!

The Doors haben es in gewisser Weise vorgemacht. Dieses Jahr veröffentlichte die Band ihr ultimatives App mit Musik, Bildern, Audiokommentaren und vielem mehr. Klar, dass viele Verlage und Künstler jetzt nachziehen. Unter ihnen ist auch Ringo Starr. Der Musiker öffnet in PHOTOGRAPH sein eigenes Fotoalbum, unterlegt mit Kommentaren und Bildern. Während man sich durch das E-Book klickt, hat man immer wieder die Mögichkeit auf einen „listen“- oder „watch“-Button zu klicken. Dann erklingt plötzlich Ringos Stimme und sagt beispielsweise „He’s a great poser, Paul“. Ein netter Zusatz, der zeigt, dass man das Format E-Book durchaus erweiternd nutzen kann. 149 Seiten umfasst das elektronische Buch und zeigt größtenteils bis dato unveröffentlichte Fotos des Beatles-Schlagzeugers, wie etwa Bilder aus der Prä-Beatles-Zeit. Leider hat das Produkt auch seine Schwächen. Die Kommentare sind zwar ein netter Zusatz, die zeigen, was möglich ist, doch die Ausführung ist leider sehr spartanisch, da sich die Sätze Starrs meist auf einen kurzen Satz beschränken. Toll wäre es, wenn er längere Geschichten zu den Fotos erzählen würde. So wirkt es streckenweise etwas enttäuschend.

6

Simone Bösch

Richard Osborne
VINYL – A HISTORY OF THE ANALOGUE RECORD
Ashgate

Alles, was man über Schallplatten wissen sollte.

Im Volksmund heißt sie schlicht und ergreifend Schallplatte und sie erlebt momentan ein kleines Revival. Als die CD Anfang der achtziger Jahre auf den Markt kam, verdrängte sie mit der Zeit nicht nur die gute alte Kassette, sondern auch die Vinyl-LP. Während die Kassette wohl auf immer in Schubladen verstauben und nichts als eine nostalgische Erinnerung bleiben wird, erfährt Vinyl gerade einen zweiten Frühling. Nicht nur alte Alben werden zuhauf wiederveröffentlicht, auch neue Produktionen werden heutzutage sofort auf Vinyl angeboten. Wer sich genauer für die schwarze Rillenscheibe interessiert, dem sei Richard Osbornes Buch VINYL – A HISTORY OF THE ANALOGUE RECORD empfohlen. Osborne ist Dozent an der Middlesex University und betrachtet die Schallplatte aus wissenschaftlicher Sicht. Er behandelt ihre unterschiedlichen Formate, das Material, die Herstellung, das Label, die Verpackung. Wer sich also nicht nur für den musikalischen Inhalt, sondern auch das Produkt selber interessiert, ist hier an der richtigen Adresse.

7

Simone Bösch

Sven Regener
MAGICAL MYSTERY ODER: DIE RÜCKKEHR DES KARL SCHMIDT
Galiani Berlin

Durch die Techno-Clubs Deutschlands.

Moment, MAGICAL MYSTERY, das ist doch von den Beatles! Eh klar, und bereits ein Punkt, der diesem Buch zu seiner Liebenswürdigkeit verhilft. Denn die Nachfrage, ob MAGICAL MYSTERY nicht die Erfindung der Fab Four sei, gehört zu den Running Gags. Erfolgsautor Sven Regener ist ja zunächst als Sänger der Melan-cholie-Popper Element Of Crime berühmt geworden. Nach dem alten Kreuzberg (HERR LEHMANN) und Bremer Unterschicht (NEUE VAHR SÜD) studiert der Schriftsteller erneut ein Milieu. Im neuen Roman geht Hauptfigur Karl Schmidt auf Reise durch die Techno-Clubs des Deutschlands kurz nach dem Mauerfall. So entflieht er einer therapeutischen Wohngemeinschaft in Hamburg: Indem dieser Ex-Drogenfresser nun eine Schar superdruffer Pillenschmeißer durch die Clubs kutschiert. Seine alten Berliner Freunde verdienen am Techno-Boom. Die Tracks auf ihrem Label Bumm Bumm Records tragen Titel wie ›Hallo Hillu‹, und es ist eine Frage der Ehre, nicht schon morgens um acht die Tanzfläche zu verlassen. Karl Schmidt jedoch, den hat vor Jahren der Drogenmischkonsum aus der Bahn geworfen. Er ist clean: Daraus bezieht die Geschichte eine so untergründige wie stets präsente Spannung. Weil Regener Dialoge schreiben kann und weil er rast, spricht sein Text alle an. Nicht nur das eingeweihte Publikum, das vielleicht Anspielungen auf Personen aus den Umfeldern wie Tresor, Love Parade und Westbam erkennen kann. Kriegen sie sich?, so lautet die Frage in Hollywood. Und hier: Kippt Schmidt um?

6

Christoph Braun

Howard Sounes
AMY 27: AMY WINEHOUSE AND THE 27 CLUB
Hodder & Stoughton

Wenig Neues über den Club 27.

Braucht man wirklich noch ein weiteres Buch über den berühmten Club 27? Eigentlich nicht. Geschichten über Hendrix, Morrison, Cobain und Co. wurden in der Vergangenheit schon zur Genüge erzählt. Doch Howard Sounes wagt sich an dieses Projekt. Schließlich ist mit Amy Winehouse vor gut zwei Jahren ein weiteres Mitglied dem unfreiwilligen Club beigetreten. Amy ist somit die einzig neue Figur in Sounes Buch. Anstatt jedoch einen einfühlsamen Blick auf ihr Leben und Leiden zu werfen, werden derlei Aspekte nur angerissen und in einen vorhersehbaren Zusammenhang mit fünf weiteren Club 27-Mitgliedern (Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurz Cobain) gestellt: Alle waren drogen- und alkoholabhängig, kamen mit ihrem Leben und dem Ruhm nicht zurecht und hatten ein geringes Selbstbewusstsein. Mehr wird eigentlich nicht erzählt. Schade, denn das wussten wir alle leider schon.

4

Simone Bösch

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