51F6dOSFahLMit dem Erfolg steigt der Anspruch. Gutes bis hervorragendes Fernsehen zu produzieren reicht den Verant-wortlichen von HBO schon lange nicht mehr. Man will richtig großes Kino in Serie produzieren. Fantasy-Extravaganz „Game Of Thrones“ zeigte das schon eindrücklich und wird mit seiner opulenten Austattung viele Konkurrenten vor Probleme stellen. Weit weniger offensichtlich, vom betriebenen Aufwand aber sogar weit größer konzipiert Martin Scorsese seine ausladende True-Crime-Saga „Boardwalk Empire“. Während der amerikanischen Prohibitionszeit schwingt sich der Bootlegger und wieslige Politiker Enoch „Nucky“ Thompson (Steve Buscemi) dabei im noch beschaulichen Küstenstädtchen Atlantic City an die Macht. Basierend auf der bemerkenswerten kriminellen und politischen Karriere des realen Nucky Thompson entspinnen Scorsese und sein Team ein komplexes Geflecht an Charakteren und Interessen, die zusammen mit exzellentem Produktionsdesign ein umfassendes und schillerndes Zeitporträt schaffen. Angefangen vom Nachbau des berühmten Piers auf einem Gelände in Brooklyn über kleine aber wichtige Details wie Inneneinrichtung und Kleidungs-accessoires bis hin zur Entscheidung die Serie im Super 35 mm-Format zu drehen, zeigt sich „Boardwalk Empire“ als hochambitioniertes Projekt, für das HBO keine Kosten scheute. Gewiss ein Risiko, in Hinblick auf die ersten beiden Staffeln jedoch ein erfolgreich eingegangenes. Denn Season zwei knüpft direkt an die Spannungsfrequenz der vorhergehenden Epsioden an und zeichnet ein vielschichtiges und faszinierendes Bild der eherenwerten Gesell-schaft der Ostküste. Dabei wird deutlich, warum Scorsese seine Liebe für das Fernsehen nur bei HBO wiederentdecken konnte: Die Möglichkeit, ein derart aufwändig umzusetzendes und waghalsiges Projekt in dieser Qualität frei von den Zwängen der Quote umzusetzen, ist ein Geschenk für Scorsese und die Zuschauer.