Elysium_Hauptplakat_RZ_A3_30dpi_1400Elysium
USA 2013/Sony

Zwei Erkenntnisse hat das Filmjahr 2013 bereits gebracht. Nummer eins: Science Fiction ist wieder cool. Gerade in jenem Moment, in dem Genregrößen wie Cyberpunk-Meister William Gibson Zukunftsmüdigkeit für ihre Abkehr vom Kerngeschäft SciFi verantwortlich machen, schlägt in dieser Saison kaum ein Blockbuster ein, der nicht die SciFi-Flagge stolz vor sich her trägt: „Oblivion“, „Pacific Rim“, „Ender’s Game“, „World War Z“, „After Earth“, „Riddick“ um nur eine Auswahl zu nennen. Gerade angesichts dessen, dass Science Fiction bis vor zwei Jahren noch als reines Geek-Futter und gleichzeitiges Kassengift galt, verwundert diese plötzliche Kehrtwende der Filmindustrie doch gehörig. Erkenntnis Nummer zwei: Zumindest bis Alfonso Cuaróns „Gravity“ in die Kinos kommt, ist Neill Blomkamps düstere Dystopie „Elysium“ Anwärter auf den besten Genrebeitrag des Jahres. Dort, wo andere Kollegen ihre Zukunftsvision meist nur als Ausrede für den Einsatz zahlreicher High Tech-Gimmicks und Actionorgien missbrauchen, verfolgt Blomkamp weiterhin den Weg, den er mit seinem Debüt und Überraschungserfolg „District 9“ einschlug: Namentlich visuell bestechendes und actionreiches Unterhaltungskino mit einem doppelten Boden in der Form von klug vorgetragener Gesellschaftskritik zu bieten. Matt Damon spielt darin den todkranken Fabrikarbeiter Max, der gemeinsam mit Milliarden anderen Menschen auf der ordentlich abgewrackten Erde haust, während es sich die Elite in einer Luxusraumstation gut gehen lässt. Doch dieser trügerische Frieden wird durch Max bald empfindlich gestört, als dieser versucht, sich auf der Suche nach einem Heilmittel gewaltsam Zutritt zum Paradies zu verschaffen.

8

The World’s End
GB 2013/Universal

Da ist das Ding! Sechs Jahre nachdem sie mit „Hot Fuzz“ den zweiten Teil ihrer Cornetto-Trilogie ablieferten, die 2004 mit „Shaun Of The Dead“ ihren Anfang genommen hatte, bringt das geniale Team aus Simon Pegg, Edgar Wright und Nick Frost die Reihe mit der „The World’s End“ zum Abschluss. Zwischen Parodie, Hommage und ultimativer Liebeserklärung an verschiedenste Genres planten Wright und Pegg ihre Trilogie als augenzwinkerndes Spiel mit Klischees und Konventionen, dem sie mit urbritischem Humor eine unverwechselbare Note verpassen. Nach Zombiereferenzreigen samt Romantik-komödie in „Shaun Of The Dead“ und der wohl absurdesten Buddy-Cop-Actionkomödie „Hot Fuzz“ taucht der letzte Teil der Reihe in die Untiefen der Science Fiction ab: Simon Pegg überzeugt darin eine Gruppe alter Freunde nach Jahren, endlich eine legendäre Kneipentour zu wiederholen, an der sie einst grandios scheiterten. Doch das große Saufgelage wird empfindlich gestört, als die Pläne außerirdischer Invasoren sich mit denen der alkoholisierten Kindsköpfe kreuzen. Prädikat: Besonders großartig!

9

Der Kongress
D/F/ISR 2013/Pandora

Sein halb-dokumentarischer Ani-mationsfilm „Waltz With Bashir“ über die traumatischen Erlebnisse einer Panzerbesatzung im Libanonkrieg von 1982 katapultierte den israelischen Filmemacher Ari Folman mit einem Schlag ins Rampenlicht des arthausigen Weltkinos. Angestachelt von derartigem Erfolg widmete sich Folman im Anschluss einem Projekt, dass man wohl ohne große Übertreibung als „höchst ambitioniert“ beschreiben kann: Die Adaption des Sci-Fi-Romans „Der futurologische Kongress“ von Stanislaw Lem. Zur Hälfte Realfilm, zur Hälfte psychedelisch sprudelndes Animationskino im Stil von „Yellow Submarine“ folgt Folmans Version der Geschichte von Schauspielerin Robin Wright Penn, die als Abgeordnete auf den mit faschistoider Symbolik versehenen Kongress eines Entertainment-Giganten eingeladen wird. Zumindest bis Aufständische die Luxusenklave angreifen und im Anschluss die Trennlinien zwischen Realität und Fiktion zunehmend verschwimmen. Als bitterböse Abrechnung mit der Konsensrealität Hollywoods und trippige Meditation über faserige Identität im Netzzeitalter, ist Folmans Opus ein fraglos einzigartiger Film. Sowohl optisch als auch inhaltlich.

8

Upside Down
KAN/F 2012/Concorde

So geschickt 3D in den letzten Jahren von der Filmindustrie auch genutzt wurde, um Besuch-erzahlenrückgang und der harten Konkurrenz anderer Unter-haltungsangebote zu begegnen, wirklichen Mehrwert fürs Publikum bot die Technik nur in seltenen Fällen. Ein stichhaltiges Argument „Pro 3D“ liefert der argentinische Regisseur Juan Diego Solanas mit seiner Science Fiction-Romanze um zwei Liebende, die nicht zusammen sein dürfen. Adam (Jim Sturgess) und Eden (Kirsten Dunst) sind sich zwar Hals über Kopf verfallen, die Tatsache, dass sie sich auf zwei verschiedenen Planeten befinden, die sich Kopf an Kopf gegenüberstehen, macht ihre Beziehung aber zu einer physikalischen wie gesellschaftlichen Unmöglichkeit: Die Bewohner der Zwillingswelten dürfen sich nicht treffen. Mit fantastischen Bildern, die sich in 3D-Optik zu schwindelerregend schönen Traumwelten entfalten, ist Solanas romantisches Zukunftsmärchen sowohl ein fulminantes Zeugnis des brillanten Einsatzes der 3D-Technik als auch wunderbares Kinoerlebnis in seiner reinsten Form.

7

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