Sie sind die Erfinder des Heavy Metal und nicht zuletzt durch die Skandale von Ozzy Osbourne jedem Musikfreund ein Begriff. Mit PARANOID (1970) läuteten sie eine neue Ära in der Rockmusik ein, mit SABBATH BLOODY SABBATH (1974) machten sie sich unsterblich. Doch die Briten hatten noch viele weitere legendäre Alben.

Tierschützer und Sittenwächter hatten immer schon ihre helle Freude an Ozzy Osbourne: Mal biss er einer lebenden Fledermaus den Kopf ab, mal bewarf er sein Publikum mit rohem Fleisch. Besonders laut heulte die amerikanische Volksseele auf, als Osbourne 1982 ihr Nationalheiligtum Fort Alamo anpinkelte – im Hosenrock seiner Garderobenfrau. Dennoch gelten Black Sabbath als Erfinder des Heavy Metal. Kein Wunder – bei diesem Temperament.
Hervorgegangen waren Black Sabbath im Herbst 1968 aus der Blues- und Jazz-Formation Earth. Im Sommer 1970 gelang Osbourne, Gitarrist Tony Iommi, Bassist Geezer Butler und Schlagzeuger Bill Ward mit dem Album PARANOID ein Klassiker. Bis zum Split 1978 produzierten Black Sabbath in konstanter Besetzung weitere sechs Scheiben, darunter den ultimativen Klassiker SABBATH BLOODY SABBATH (1974).

Anschließend verließ Osbourne die Band und konzentrierte sich auf seine Solokarriere. Für ihn kam der ehemalige Rainbow-Sänger Ronnie James Dio, der mit HEAVEN AND HELL (1980) und MOB RULES (1981) zwei weitere Meilensteine der Sabbath-Historie einsang. Nach Dios Ausstieg versuchten sich unter anderem die ehemaligen Deep Purple-Musiker Glenn Hughes und Ian Gillan sowie der Brite Tony Martin mit unterschiedlichem Erfolg als Sabbath-Sänger.
Erst im Dezember 1997 kam die legendäre Besetzung mit Osbourne erstmals wieder zusammen. Doch geschäftliche Differenzen der unterschiedlichen Managements und die nur schwer zu koordinierenden Pläne Osbournes verhinderten ein konstantes Black-Sabbath-Line-Up, sodass sich Iommi, Butler und Ward mit Dio kurzerhand zu Heaven & Hell zusammentaten. Dios Krebstod im Mai 2010 beendete diese Ära.

Und auch anno 2012 ist es erneut eine schwerwiegende Krankheit, die eine bereits angekündigte Black Sabbath-Tournee auf ein Minimum zusammenkürzte: Gitarrist Tony Iommi gab im Januar 2012 bekannt, an Lymphdrüsenkrebs erkrankt zu sein.

Unverzichtbar

PARANOID
Vertigo, 1970
Paranoid

Im Herbst 1970 erscheint mit PARANOID inklusive der gleichnamigen Single und des Kultsongs ›War Pigs‹ ein Klassiker des frühen Heavy Metal. Dabei entsteht der wichtigste Track der Scheibe – zugleich eines der markantesten Stücke der gesamten Rockgeschichte – mehr oder minder per Zufall: Dem Album fehlt noch ein Song, um die von der Plattenfirma angeordnete Mindestspielzeit zu erreichen, also setzt Produzent Rodger Bain eine spontane Jamsession an. Iommi steuert das berühmte Riff bei, Osbourne hat sofort die berühmte Melodie im Kopf. In Nullkommanix ist ›Paranoid‹ fertig. Es wird der größte Hit der Band.

SABBATH BLOODY SABBATH
Warner, 1974

sabbath bloody sabbath

Für SABBATH BLOODY SABBATH mietete sich die Band ein Schloss in Wales, um in völliger Abgeschiedenheit ihre kruden Botschaften zu kreieren. Das Album durchzieht eine ganz eigene, psychedelische Atmosphäre, klingt im Vergleich zu den Vorgängern aber offener, melodischer und stärker zukunftsorientiert. Ozzy glänzt mit skurrilen Texten, stößt aber – sicherlich nicht ganz ungewollt – auch auf Missverständnisse: Der Track ›Killing Your-self To Live‹ gilt irrtümlich als Aufforderung zum Suizid, handelt in Wahrheit jedoch vom harten Arbeiterleben.

Wunderbar

MASTER OF REALITY
Vertigo, 1971

master of reality

Mit PARANOID haben Sabbath im Jahr zuvor ihre Erfolgsformel gefunden, seither existiert der ultimative Iommi/Ozzy-Sound aus krachenden Riffs und nölendem, immer am Rand des Wahnsinns hangelndem Gesang. Vor allem Hauptsongwriter Iommi ist auf MASTER OF REALITY in Höchstform: Im Sekundentakt zockt er pulverisierende Gitarrenattacken aus dem Ärmel. Die beiden herausragenden Songs der Scheibe, das galoppierende ›Children Of The Grave‹ und das mit einem Raucherhusten-Intro beginnende, wunderbar stoische ›Sweet Leaf‹ zeigen ihn als perfekten Riffmeister.

HEAVEN AND HELL
Vertigo, 1980

heaven & hell

Nach dem Ausstieg von Ozzy scheint das Ende der Band besiegelt, doch der junge Ronnie James Dio erweist sich für Black Sabbath als reine Frischzellenkur. Gleich bei der ersten Session gelingt Dio und Iommi das grandiose ›Children Of The Sea‹. Unvergessen auch die markante Textzeile des Titelsongs: „They say that life’s a carousel, spinning fast, you’ve got to ride it well, the world is full of Kings and Queens who blind your eyes and steal your dreams, it’s Heaven and Hell!!” Dio erklärt kurz vor seinem Tod HEAVEN AND HELL zur „stärksten Scheibe, die ich jemals eingesungen habe.”

MOB RULES
Warner, 1981

mob rules

Schlagzeuger Bill Ward verlässt die Band. Auch sonst läuft die Produktionsphase zum dennoch erstaunlich gelungenen MOB RULES alles andere als stressfrei: „Am Anfang machte Ronnie alles, was wir ihm sagten, weil er unbedingt in die Band wollte. Aber bei der zweiten Scheibe akzeptierte er viele Dinge nicht mehr und versuchte dem Toningenieur seine Vorstellungen eines Sabbath-Sounds aufzuzwingen“, beklagt sich Iommi. „Wir mussten Ronnie des Studios verweisen.“ Dio wiederum ärgert es in zunehmendem Maße, von Iommi als austauschbarer Gastsänger angesehen zu werden und räumt das Feld.

HEADLESS CROSS
Intercord, 1989

headless cross

Tony Martin ist einer der wenigen Sabbath-Sänger ohne Suchtproblematik. Er rettet die Produktion zu THE ETERNAL IDOL (1987) – für die ursprünglich Ray Gillen vorgesehen war – und singt mit HEADLESS CROSS eines der besten Sabbath-Werke überhaupt ein. Der Mann besitzt vor allem drei Qualitäten: Er ist weder schrullig noch mit Egoproblemen behaftet, außerdem schafft er das Kunststück, drei seiner insgesamt fünf Al- ben für Black Sabbath in direkter Folge einzusingen. Das ist außer ihm nur Ozzy gelungen, und dies auch nur in der Anfangsphase.

Anhörbar

NEVER SAY DIE
Vertigo, 1978

never say die

Die Scheibe entsteht zunächst ohne Ozzy, der nach fortgesetzten Streitigkeiten – und um private Probleme in den Griff zu bekommen – nicht zur Verfügung steht. Also komponieren Black Sabbath die Songs mit dem Briten Dave Walker, der auch bereits einige Shows mit der Band bestritten hat. Als sich Ozzy im Januar 1978 doch noch zur Rückkehr entscheidet, die bisherigen Stücke aber nicht singen will, muss die Band wieder von vorne anfangen. Für Iommi ein hartes Stück Arbeit, denn nun müssen Songwriting und Produktion parallel laufen. Dennoch ein hörenswertes Werk, gleichzeitig auch das letzte Album in der Originalbesetzung.

BORN AGAIN
Vertigo, 1983

born again

Erst enttäuscht das Album die Fans, doch in der Retrospektive erweist sich die Zusammenarbeit mit Ian Gillan als durchaus erfrischend. Dabei beginnt alles mit Peinlichkeiten: Gillan soll sich laut Iommi sturzbetrunken in einem britischen Pub zu einem Vertrag über ein Album und eine Tour überreden lassen haben, um anschließend den Abend in Frauenkleidern tanzend zu beenden: „Ich dachte nur: Oh mein Gott, dies ist meine Stammkneipe.“ Bereits auf der ersten Tour gibt es Spannungen: Gillan will ›Smoke On The Water‹ im Programm, Black Sabbath wiederum fordern von Gillan vergeblich die einheitlich schwarze Bühnengarderobe.

SEVENTH STAR
Vertigo, 1986

seventh star

Noch ein interessantes Experiment: Ursprünglich als Iommis Soloalbum geplant, strickt das Label das Konzept der Scheibe kurzerhand zur Black Sabbath-Veröffentlichung um. Glenn Hughes singt, am Schlagzeug sitzt Eric Singer, der später erfolgreich bei Kiss wieder auftaucht. SEVENTH STAR ist eine Mixtur aus schweren Gitarrenriffs und ungewöhnlich melodischen Gesängen. Die Fans reagieren auf Hughes eher verhalten, doch dieses Sabbath-Kapitel hat sich ohnehin schnell erledigt: Nach nur einer Scheibe muss der exzentrische Sänger aufgrund seiner Drogenabhängigkeit den Dienst wieder quittieren.

Sonderbar

FORBIDDEN
intercord, 1995

forbidden

Mitte der 90er Jahre erinnern sich Iommi & Co noch einmal an Tony Martin. Das erste Resultat heißt CROSS PURPOSES und kann die Fans überzeugen, das anschließende Experimentalwerk Forbidden indes spaltet die Anhängerschaft. Als Iommi sich anschließend wieder von Martin trennt, um dem lukrativeren Werben einer Ozzy-Reunion nachzugeben, hat der ewige Lückenbüßer endgültig die Schnauze voll: „Ehrlich gesagt fühlte ich mich nie richtig wohl in den Schuhen, die man mir hinstellte, aber eine Zeitlang trug ich sie einfach“, erklärt er. „Doch FORBIDDEN ist einfach grässlich, das Album stürzte mich in eine tiefe Krise.“