Avantasia2010eEdguy-Frontmann Tobias Sammet wandelt nicht nur kompositorisch auf den Spuren seiner Jugendidole, er holt sie für sein Rockoper-Projekt AVANTASIA sogar vereinzelt ins Studio.

Es scheint, als ob es Tobias Sammet diesmal richtig wissen will: Die neueste Veröffentlichung seines Erfolgsprojektes Avantasia, eine Art Rockoper-­Starensemble mit wechselnden Gästen, erscheint gleich im Doppelpack. Die insgesamt 22 Songs des Werks verteilen sich nahezu gleichmäßig auf THE WICKED SYMPHONY und ANGEL OF BABYLON, verpackt zur Doppel-CD, aber auch kundenfreundlich als Einzelscheiben erhältlich. Und obwohl Sammet im eigentlichen Leben Sänger und Kopf der Melodic Metal-Band Edguy ist, deren Terminkalender durch weltweite Tourneen fast das ganze Jahr über randvoll ist, bereitet ihm sein Paralleluniversum Avantasia offenbar keinen zusätzlichen Stress: „Ich arbeite mittlerweile ökonomischer und bin gleichzeitig robuster geworden“, erklärt er. „Wenn ich das Gefühl habe, ich kann nicht mehr, dann lege ich auch schon mal eine zweiwöchige Pause ein. Ich hetze jetzt nicht mehr panisch gegen jeden Termindruck an, sondern teile mir meine Arbeit sorgfältig ein. Man wird zum Glück automatisch ent­spannter, je mehr Alben man veröffentlicht hat.“

Kann er auch sein, denn die bisherigen Avantasia-Veröffentlichungen ­landeten allesamt hoch in den Charts. Das liegt vor allem an Sammets profundem Songwriting: Geschickt mischt er klassischen Hard Rock und Melodic Metal und wagt sich dabei streckenweise sogar bis in bombastische Regionen à la BAT OUT OF HELL von Meat Loaf vor. Ein wichtiger Faktor im Erfolgskosmos von Avantasia ist aber natürlich auch die illustre Liste namhafter Gäste: Auf THE WICKED SYMPHONY/ANGEL OF BABYLON findet man neben den Sängern Tim Owens (ehemals Judas Priest), Michael Kiske (ehemals Helloween, Place Vendome), Jon Oliva (Savatage), Russell Allen (Symphony X), Jørn Lande (Masterplan) oder Bob Catley (Magnum) sowie den Instrumentalisten Eric Singer, Bruce Kulick (beide Kiss) oder Alex Holzwarth (Rhapsody Of Fire) auch den Scorpions-Fronter Klaus Meine.

Der bedankt sich bei seinem deutlich jüngeren Kollegen jetzt sogar auf gleich zwei Weisen: In Interviews lobpreist er Sammet als „riesiges Talent“ und prophezeit ihm eine ähnlich lange Karriere, wie er sie selbst erleben durfte. Außerdem wurden Sammet und seine Band Edguy von den Scor­pions kurzerhand ins Vorprogramm der aktuellen Europatournee gehievt. Man könnte bei diesen Konzerten also möglicherweise Zeuge einer Wach­ablösung werden, denn während Meine, Schenker & Co. im Frühjahr auf Abschiedstournee gehen, schickt sich Sammet mit Edguy und Avantasia an, Deutschlands Rock-Exportartikel Nummer eins zu werden. Und mit genau dieser Auszeichnung würde er dann ja die Scorpions beerben.