BeBopDeluxeFuturistManifestoFünf verkannte Geniestreiche des britischen Pop.

Stilistisch zwischen allen nur erdenklichen Stühlen sitzt die 1972 von Sän-ger, Gitarrist und Komponist Bill Nelson gegründete Band schon in ihren Anfangstagen: Innovativ mischt sich komplizierter Prog- mit exaltiertem Glam-Rock, eine kühle Prä-New-Wave-Attitüde trifft auf kauzige Post-Moderne und futuristische Science-Ficti-on-Atmosphäre. Über moderaten Erfolg und einen gewissen Kultstatus kommen die Kritikerlieblinge – die sich als eine der ersten Bands in schnieken Businessanzügen auf die Bühne stellen – selbst im exzentrischen Heimatland nicht hinaus. Eupho-rische Rezensionen erhält trotzdem jedes der fünf Alben, die nun das 5-CD-Box-Set FUTU-RIST MANIFESTO 1974 – 1978 zusammenfasst.

Im orgiastischen Nachhall der Glam-Rock-Ära klingt das Debüt AXE VICTIM mit eigenwilligen Songs wie ›Jet Silver And The Dolls Of Venus‹, ›Night Creatures‹, ›Rocket Cathedrals‹ und ›Adventures In A Yorkshire Landscape‹ wie ein vom hedonistischen Zeitgeist geprägtes Gitarren-Manifest. Als Schaustück jener kurzlebigen Urbesetzung fungiert das fast achtmi-nütige ›Jets At Dawn‹.

Für FUTURAMA umgibt sich Bill Nelson 1975 mit drei neuen Musikern und Queen-Produzent Roy Thomas Baker – ein Quan-tensprung, der Fan-Favoriten wie ›Jean Cocteau‹, ›Sister Seagull‹ und ›Love With A Mad Man‹ hervorbringt. Ein Jahr später ge-lingt der erste Singlehit mit dem gefälligen ›Ships In The Night‹, das als Auskopplung aber nur bedingt den Tenor des dritten Albums SUNBURST FINISH wiedergibt. Stilistisch noch facettenreicher als die beiden Vorgänger, suhlen sich Be Bop De- luxe und Co-Produzent John Leckie hemmungslos in Protopunk (›Blazing Apostles‹), Funk (›Life In The Air Age‹) und Jazz-Rock (›Like An Old Blues‹).

Zum Punk-Urknall hält MO- DERN MUSIC 1977, was der Titel verspricht: ein monströses Werk mit versponnenem Material wie ›Orphans Of Babylon‹, ›Twilight Capers‹ und ›The Bird Charmers Destiny‹, das im Krawall um Sex Pistols und The Clash leider untergeht. Absolut hitverdächtig: ›The Kiss Of Light‹ und ›Bring Back The Spark‹. Ein radikaler Wechsel folgt 1978 mit dem finalen DRASTIC PLASTIC. Im Zuge von David Bowies LOW und HEROES greift Nelson mit unterkühlter Note zwischen knappen R’n’R-Gitarren-Licks zu Rhythmus-Maschine und Ana-log-Synthesizer. ›Electrical Language‹, ›New Precision‹, ›Panic In The World‹ oder ›Love In Flames‹ nehmen bereits die Achtziger vorweg.

Bislang unveröffentlicht geblieben sind jene elf Demos, TV-Mitschnitte und Konzert-Impressionen, die 1979 in der neuen Formation Bill Nelson’s Red Noise kulminierten.