Birth Of JoyTour de Force, Made in France.

Gibt es ein Instrument, das noch vor zehn, 15 Jahren in der Rockmusik überhaupt keine Rolle mehr zu spielen schien? Ja, das gibt es. Die gute, alte Hammond-Orgel, jenes ursprünglich holzfurnierte Ungetüm, das bei Roadies für 80 Prozent aller Bandscheibenvorfälle verantwortlich war. Dass die Hammond gerade eine Renaissance erlebt, ist dem allgemeinen Retro-Trend zu verdanken, aber kaum jemand setzt sie so geschickt ein wie die niederländische Band Birth Of Joy: Hier wird nicht nur mit fetten Akkorden „Fläche gemacht“, sondern dem leicht psychedelisierten Bluesrock mit Fills und Soli Funkyness und Dynamik eingehaucht. Was man nun auch auf dem Live-Doppelalbum LIVE AT UBU miterleben kann, aufgenommen Anfang des Jahres in gleichnamigem Club im französischen Rennes. Live-Doppelalbum? Genau. Wie in den 70ern, als ausladende Konzertmitschnitte quasi Pflicht waren für jeden Künstler mit ein bisschen Selbstachtung. Werden Birth Of Joy dem Format gerecht? Werden sie. Zumal hier Rock-Powerplay mit originell chromatischen Gesangsmelodien veredelt wird, mit Tempowechseln, elegischen Passagen und Dynamikausbrüchen. Und wir auf ihr nächstes Studioalbum jetzt noch ein bisschen neugieriger sind.