black rebel motorcycle clubAls Black Rebel Motorcycle Club 2001 ihr Debütalbum veröffentlichten, brach Hysterie aus: Diese Band war zu gut, zu echt, zu talentiert, hatte zu viel Style, um wahr zu sein. Heute, zwölf Jahre und sechs Studioalben später, haben die Kalifornier vor allem eines bewiesen: Durchhaltevermögen.

Oft standen sie am Scheideweg, war der Fortbestand der Band gefährdet. Als sie nach ihrem vielversprechenden Start bereits nach Album Nummer Zwei plötzlich ohne Plattenvertrag dastanden. Oder nachdem die lange schwelenden Probleme mit Drummer Nick Jago, der bei den 2003er NME Awards während der Entgegennahme eines Preises geschlagene neun Minuten schweigend auf der Bühne verharrte, schließlich zum Split führten. Doch aus allen Krisen sind Peter Hayes und Robert Levon Been stets als gestärkte Künstler hervorgegangen, veröffentlichten mit HOWL ein semiakustisches Meisterwerk, mit BABY 81 ein gestandenes Indierockalbum und mit dem enigmatischen BEAT THE DEVIL‘S TATTOO ein atmosphärisch dichtes Amalgam aus den beiden Vorgängern.

Doch nichts erschütterte den Black Rebel Motorcycle Club so sehr wie der plötzliche Tod von Roberts Vater Michael Been, der am 19. August 2010 den Folgen eines Herzinfarktes erlag während er mit der Band seines Sohnes, für die er als Sound Engineer fungierte, auf Tour in Belgien unterwegs war. Wie sollte man weitermachen wenn plötzlich der einzige Zufluchtsort, der einen vor der Unerträglichkeit des Seins beschützt, jene Insel namens Musik, unausweichlich verknüpft ist mit der größtmöglichen persönlichen Katastrophe? Robert Levon Been über Schreibblockaden, Selbstfindung und Rock‘n‘Roll.

Für das Songwriting zu SPECTER AT THE FEAST habt ihr euch in deinen Heimatort zurückgezogen, ein kleines, abgelegenes Städtchen in den Bergen um Santa Cruz. Wie hat es sich für dich angefühlt, dorthin zurückzukehren?
In L.A. sind wir schier verrückt geworden, wir mussten fliehen, uns neu sortieren. Peter und ich hatten zunächst eine totale Schreibblockade, wir kamen einfach nicht voran. SPECTER AT THE FEAST ist wahrscheinlich das Album in unserer Karriere, das uns am schwersten gefallen ist. Mir hat dieser Ort dabei geholfen, wieder fühlen zu lernen. Gefühle zuzulassen, das hab ich mir seit dem Tod meines Vaters selbst verboten. Worunter wir alle sehr zu leiden hatten. Nach Hause zurückzukehren gab mir den inneren Frieden, nach dem ich mich so sehr gesehnt hatte.

Stand die Existenz der Band auf der Kippe?
Die stellen wir eigentlich andauernd in Frage, wir sind eine Rock’n’Roll-Band (lacht)! Besonders nach der letzten Tour brauchten wir sehr lange, um für uns die Frage zu beantworten, wie es weitergehen sollte. Ob wir überhaupt noch Musik machen wollten. Aber völlig ohne Plan und Termindruck zusammenzukommen, um einfach nur zu drauflos zu spielen, das hat sich für uns als Band als sehr heilsam erwiesen.

SPECTER AT THE FEAST ist enorm vielschichtig, komplex, intensiv. Habt ihr zu irgendeinem Zeitpunkt ein Konzept festgelegt?
Wenn du anfängst, Musik zu machen, bist du voller Ideen und Vorstellungen, wer du sein willst, wie du klingen willst, was du darstellen möchtest. Aber 90 Prozent davon ist totaler Bullshit. Wie deine Musik sich auf lange Sicht entwickeln wird, das kannst du weder planen, noch erzwingen. Was rauskommt, kommt raus. Auch Dinge, die du gar nicht rauslassen willst, Dinge, die dir vielleicht weh tun. Auf diesem Album wollten wir so aufrichtig wie möglich sein, nicht nur als Musiker, sondern auch als Menschen. Während des Entstehungsprozesses von SPECTER AT THE FEAST sind wir permanent zwischen den Extremen hin- und hergependelt. Da gibt es Songs wie ›Rival‹ oder ›Teenage Desease‹, die einfach nur wütend sind, roh, anarchisch. Gleichzeitig haben wir aber auch ruhige Sachen geschrieben wie ›Returning‹ und ›Lullaby‹. Weil wir das so fühlten. Nichts davon ist aufgesetzt. Das Problem war nur: Wie sollten wir all das auf ein Album packen? Zuerst dachten wir daran, ein Doppelalbum zu machen mit zwei völlig unterschiedlichen Stimmungen. Doch dann haben wir uns der Herausforderung gestellt, die Hörer auf ein und der selben Platte mit auf eine Reise an all diese unterschiedlichen Orte zu nehmen.