black water risingLang, lang ist es her, da war New York mal die Hauptstadt der amerikanischen Rockwelt. Sehr lang. Black Water Rising aber stemmen sich gegen all den Hipster-Müll, der heute in ihrer Heimat regiert, und bringen den Big Apple mit mächtig wütendem Power-Rock zum Beben.

Text: Matthias Jost

Die Ostküstenmetropole, einst Keimzelle unzähliger Trends und der Inbegriff kantiger Coolness, ist zum Spielplatz der Superreichen verkommen, und wo das ganz große Geld regiert, ist nur noch wenig Platz für Subkultur. Eine solche ist die Rockmusik in den USA nämlich offenbar wieder geworden. „Ja, die Hardrock/Metal-Szene ist leider nicht mehr das, was sie mal war“, bestätigt Black-Water-Rising-Frontmann Rob Traynor. „Ich bin mir nicht ganz sicher, wo alle hin sind, aber viel ist nicht mehr übrig. Wir leben in Brooklyn und hatten mal ein Studio in Williamsburg, der Hipster-Hauptstadt. Da wird einem nur noch übel. Ich würde ja gerne glauben, dass die Szene in den Untergrund abgetaucht ist, aber ich kann sie nirgends finden! Für uns ist das Ziel jedenfalls, aus dieser Stadt rauszukommen.“

Und rein in das große, fiese Haifischbecken des Musikbusiness. „Pop, und das schließt Rap mit ein, bekommt hier die ganze Aufmerksamkeit. Da wird das Geld verdient, also wird es da auch hineingesteckt. Popmusik ist harmlos, sie sagt nichts aus, geht konform mit dem kommerziellen Diktat und ist leicht verpackt für den Konsum einer Bevölkerung von hirnlosen Zombies, die nach leichtverdaulichem Ohrenzucker süchtig sind.“

Ist der Mann wütend? Oh ja, wie auch der Titel des zweiten BWR-Albums verrät. PISSED AND DRIVEN heißt nicht nur so viel wie „angepisst und angetrieben“, sondern ist auch ein Wortspiel auf „piston-driven“, also „kolbengetrieben“. Rob: „Ja, wir sind nicht nur stinksauer, sondern auch auf 180, wie ein Motor, der aufheult, wenn du ordentlich Gas gibst. Ich sehe, was um mich herum passiert, sehe meinen Gehaltsscheck, sehe die Nachrichten im Fernsehen und werde wütend. Wir haben bei uns eine beschissene Regierung, die ganz offensichtlich vor Jahren von raffgierigen Konzernen gekauft wurde, die die ehrlich arbeitende Bevölkerung Tag für Tag ficken. Das System ist ein Scherbenhaufen und der absolut niedrigste Abschaum hält die Fäden in der Hand. Das inspiriert mich dazu, meine Meinung in die Welt hinaus zu schreien und zu schreiben. Musik ist meine Stimme, die Stimme eines einfachen Mannes im täglichen Kampf gegen korrupte Regierungen, gierige Konzerne und kranke Religionen, die unseren Willen brechen und unseren Geist versklaven möchten.“

Da ist es natürlich kein Wunder, dass BWR mit ihrer Musik nicht unbedingt auf Samtpfoten durch die Welt huschen, sondern die schweren Kaliber auffahren. PISSED AND DRIVEN ist ein Dampfhammer von einem Album, schwer, laut, gewaltig, aber auch melodisch, eingängig und gekonnt. Rob beschreibt es so: „Es geht um Substanz. Puren, stolzen, direkt auf die Fresse hauenden, turbogeladenen, Kickass-Power-Rock mit Botschaft. Musik, die dir einen Magenschwinger verpasst, mit Texten, die dein Hirn ansprechen. Da ist nichts codiert. Ich bin stolz darauf, meine Meinung so klar wie möglich zum Ausdruck zu bringen. Auch musikalisch sind meine Einflüsse kein Geheimnis: Sabbath, Priest, Zeppelin, Alice In Chains, Soundgarden, Pantera, Helmet, COC, Clutch etc…“

Bleibt also noch eine entscheidende Frage: Wenn Rob eine Sache ändern könnte auf dieser Welt, was wäre es? „Oh Mann, das könnte den ganzen Tag dauern. Ich denke mal, die größte Veränderung würde man erzielen, wenn man bekämpfen könnte, dass die Welt so voller Ignoranz ist. Dann hätten wir vielleicht eine Chance. Aber das wird natürlich nicht passieren, denn die Massen sind nun mal Idioten.