Steve Winwood 2010_2 - CMS SourceSie gilt als Mutter aller Supergroups: Blind Faith. Sänger und Keyboarder Steve WinWord erinnert sich daran, wie es zur Gründung der Band kam.

Im Frühjahr 1969 wollte ich etwas Abstand von meiner Band Traffic gewinnen und traf mich des Öfteren mit Eric Clapton zum Jam in Aston Tirrold, wo unser Proberaum war. Ab und zu besuchte ich ihn auch zu Hause in Surrey. Eines Abends, als ich gerade dort war, klopfte es an der Tür. Ginger Baker war vorbeigekommen, denn er hatte Wind davon bekommen, dass wir gemeinsam ein neues Projekt starten wollten. Ich war sofort Feuer und Flamme, mit ihm zusammen eine Band zu starten. Erst Jahre später, nach Eric sein Buch veröffentlicht hatte, wurde mir bewusst, dass er da gänzlich anderer Meinung war… Ein deutliches Zeichen dafür, dass wir nicht gerade eng befreundet waren und uns auch nicht viel ausgetauscht haben in der Zeit – zumindest nicht über wichtige, ernsthafte Dinge.

Nun ja, das Projekt Blind Faith kam jedenfalls ins Rollen. Und natürlich tauchten sofort eine Menge Probleme auf: mit den Egos der Musiker, den verschiedenen Managements, der Organisation der Proben etc. Das sind unerfreuliche Dinge, mit denen sich bis heute jede Supergroup herumschlagen muss.

Wenn ein Musiker seine erste richtige Band gründet, ist das im Grunde eine recht einfache Angelegenheit. Schließlich hatte er sein ganzen Leben Zeit, sich alles genau zurechtzulegen. Wie die Musik klingen soll, welches Image er gerne hätte, wie viel Zeit er investieren kann usw. Doch dann, wenn das Ganze ein Erfolg geworden ist, stellt sich rasch die Frage, wie es weitergehen soll. Also muss etwas Neues her. Und zwar schnell. Außerdem darf das zweite Album auf gar keinen Fall so klingen wie das Debüt, denn das wäre nur ein Abklatsch mit schalem Nachgeschmack. Es geht also darum, sich rasch zu entwickeln – es ist alles eine Frage des Timings.

Als Supergroup hat man es noch schwerer wie eine normale Band. Denn die Erwartungen sind viel höher, vor allem von den Leuten bei den Plattenfirmen. Sie üben einen enormen Druck auf uns Musiker aus, denn sie wollen schnell viel Geld machen. Und das hat fatale Folgen. Wen man nämlich unter Druck steht, macht man Fehler. Und kein Komponist kann sich einfach so unzählige Hits aus dem Ärmel schütteln.

Im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass Blind Faith nicht lange existiert haben. Denn dadurch konnte ich jede Sekunde genießen, da keine Zeit für Abnutzungserscheinungen war. Und wir haben mit BLIND FAITH ein Album auf den Markt gebracht, das die Jahrzehnte überdauert hat und heute noch ähnlich gut angenommen wird von den Fans wie damals. Obwohl ich der Meinung bin, dass wir vielleicht noch ein bisschen mehr Wert auf Details hätten legen sollen. Doch das sagt sich jetzt natürlich leicht. Aber auf „Presence Of The Lord“ und „Can‘t Find My Way Home“ bin ich noch immer sehr stolz.

Zumindest haben wir kein zweites Album gemacht, das schlechter ausgefallen wäre als das erste. Stattdessen sind wir auf Tour gegangen. Aber das war auch mit etlichen Problemen verbunden. Da wir uns als Musiker bereits einen gewissen Status erarbeitet hatte, Ginger und Eric mit Cream, ich mit Traffic, beschlossen die Verantwortlichen, große Hallen zu buchen. Das passte überhaupt nicht zu unserer Musik, denn wir klangen schließlich nicht wie eine dieser Heavy Rock-Acts, die dort sonst gewöhnlich auftraten. Am 7. Juni spielten wir ein Gratis-Konzert im Hyde Park. 100.000 Leute waren gekommen, aber niemand hatte einen blassen Schimmer von unserem Sound. Der Auftritt war dennoch gigantisch, obwohl wir selbst während der Show noch gar nicht recht wussten, wie wir uns eigentlich den Leuten präsentieren wollten.

Das Schlimmste an Blind Faith war allerdings die Tatsache, dass jeder von uns bei einer anderen Managementfirma unter Vertrag stand. Erst viel später habe ich gecheckt, dass da in unserem Namen einige echt beschissene Entscheidungen getroffen worden sind. Doch ich versuchte, mich da weitgehend rauszuhalten. Der ganze Vertragskram ist nichts für Musiker – er tötet nämlich jegliche Kreativität.

Als wir schließlich in Amerika unterwegs waren, spitzten sich die Dinge zu. Eric hatte schon andere, neue Projekte am Start. Er wollte mit Delaney und Bonnie gemeinsame Sache machen. Also lösten wir Blind Faith auf. Ich stand dann erst einmal mit leeren Händen da, denn obwohl die Band nur wenige Monate existiert hatte, wusste ich plötzlich nicht mehr, welche Richtung ich nach ihrem Ende einschlagen sollte.