bon jovi04 live o2 - CMS SourceZwölf Abende à 20.000 Zuschauer à 85 Pfund: London wird zu Las Vegas.

Wie ist das wohl, ein Dutzend Abende lang in derselben Arena zu spielen und – welch Graus – womöglich sogar noch im selben Hotel, in derselben (Präsidenten-)Suite zu nächtigen und den ganzen Tag zur freien Verfügung zu haben? Klare Sache: Ein bisschen wie in Vegas, nur nicht so heiß und mit einem Hauch mehr Kultur. Insofern hat dieser UK-Abstecher während der laufenden Welttournee, den sie zwischen amerikanischen Footballstadien und asiatischen Giga-Hallen einschieben, etwas von einem Testlauf für die Glücksspielmetropole, wo sie in ein paar Jahren Barry Manilow und Engelbert ablösen könnten. Aber: Bis es soweit ist – und das muss man ihnen zu Gute halten – versuchen Jon Bon und seine Jungs das Beste aus der ungewohnten „inhouse band“-Situation zu machen. Mit einer Show, die bis ins letzte Detail durchkonzipiert ist, auf starke visuelle Effekte, eine grandiose Lichtshow, eine weite, offene Bühne sowie viel Kommunikation mit dem Publikum setzt. Zudem gibt es Masse zur Klasse:

Erschlagende 150 Minuten lang zelebrieren der Berufsjugendliche mit den schneeweißen Beißerchen, die selbst im Dunkeln glänzen, sein doppelbekinnter Co-Showmaster an der Gitarre sowie die übrigen Statisten (Keyboards, Drums, Backing-Vocals, Bass) die sitzende Masse mit den Highlights aus 24 Jahren Jersey-Power. Darunter Gassenhauer wie ›You Give Love A Bad Name‹, ›Blaze Of Glory‹, ›Bed Of Roses‹, ›Keep The Faith‹ und natürlich – zum großen Finale – ›Livin‘ On A Prayer‹. Songs, die wirklich jede Frisöse mitsingen kann, und das leider auch tut.

Wobei wir bei den drei elementaren Problemen des Abends wären: ein Publikum, das zwischen Fa-milienausflug und Fregattenball pendelt und somit perfekt in die Wüste von Nevada passen würde. Aber eben auch eine Band, die sich diesem Niveau ganz ungeniert anpasst. Die viel weichspült, sich zu filmreifen Posen und peinlichen Ansprachen hinreißen lässt und einfach viel zu viel Material von den letzten Alben THE CIRCLE, LOST HIGHWAY, CRUSH & Co. serviert. Das lässt sich dann wirklich nur mit Bier und Hot Dogs ertragen – aber wahrscheinlich sind Bon Jovi auch daran finanziell beteiligt. Klarer Sieger des Abends ist indessen Kid Rock, der eine tolle, fast einstündige Support-Show hinlegt, sich an sämtlichen Instrumenten vom Schlagzeug bis zum DJ-Pult versucht und so agil ist, dass ihm glatt die Jeans reißt – am Allerwertesten. Dass er keine Unterwäsche trägt, kriegt Jon Bon beim späteren Duett ›Bad Medicine‹ zwar nicht mit, aber Tico Torres dürfte seinen Spaß gehabt haben. Wie immer.