Bruce Dickinson im Interview: No Wasted Years

Bruce Dickinson Iron MaidenProfessioneller Pilot, Fechter, Krebs-Überlebender, Autor … Wie man in seiner neuen Autobiografie erfährt, ist Bruce Dickinson weitaus mehr als nur der Frontmann einer der größten Heavy-Metal-Bands des Planeten.

Bruce Dickinson will, dass man eines weiß: Als es ans Schreiben seiner Autobiografie „What Does This Button Do?“ ging, be­­nötigte er keine Hilfe von außen. „Die Leute fragen mich: ‚Wer war denn dein Ghostwriter?‘ Und ich antworte: ‚Ich habe das alles selbst geschrieben‘“, sagt er stolz. „Ich habe 180.000 Wörter geschrieben, und zwar alles per Hand auf Blöcken aus dem Schreibwarenladen. So richtig oldschool.“

Ein komplettes Buch handschriftlich zu verfassen, ist etwas sehr Typisches für Bruce Dickinson. Der Sänger von Iron Maiden ist je­­mand, der anscheinend alles, was er anpackt, zu einem Erfolg macht: Flugzeuge fliegen, Fechten, eine der erfolgreichsten Bands der letzten 40 Jahre leiten. Die große Ausnahme ist das Schwimmen: „Ich bin von Natur aus eher jemand, der sinkt“, sagt er.
„What Does This Button Do?“ ist ein wirklich faszinierender und auch lustiger Blick zurück auf Dickinsons Leben. Von seiner frühesten Kindheit in der Kohlestadt Worksop in Nottinghamshire (wo er bis zum Alter von sechs Jahren von seinen Großeltern großgezogen wurde) bis zur Achterbahnfahrt seiner 40-jährigen Musikkarriere ist es eine ehrliche Nacherzählung eines Lebens, das gut gelebt wurde.

Heute ist er in typisch redseliger Laune und gibt Auskunft zu allem, von den schweren Zeiten, die er im britischen Bildungssystem er­lebte, bis zu einem erfolgreichen Kampf gegen den Krebs. „Ein Buch zu schreiben, zwingt dich, dich selbst und das, was tu getan hast, zu analysieren. Man lernt viel dabei.“

Deine Eltern waren in deinen ersten Jahren oft abwesend, da sie mit einer Hundeshow tourten. Warst du immer dazu be­­stimmt, ihnen ins Showbiz zu folgen?
Schon bevor ich richtig wusste, wer meine Eltern überhaupt waren, hatte ich es auf ein Paar Engelsflügel für das Krippenspiel der Schule abgesehen. Ich wollte derjenige sein, der sie tragen würde. In meinen Zeugnissen stand immer derselbe deprimierende Mist. „Er hat sein gutes Potenzial nicht ausgeschöpft und würde mehr leisten, wenn er nicht 24 Stunden am Tag den Klassenkasper geben würde.“

Du erzählst ziemlich lebhaft von deiner Schulzeit: Mobbing, regelmäßige Prügelstrafen von den Lehrern. Das klingt übel, aber hat es dich auch zu dem Mann ge­­macht, der du heute bist?
Das ist so, wie es am Anfang des Buchs be­­schrieben wird: Alles passiert aus unerfindlichen Gründen. Man hat keine Ahnung, wohin es einen mal verschlagen wird. Du musst die Dinge nehmen, wie sie kommen. Eines bin ich auf jeden Fall, und zwar stur. Ich falle nicht um. Und wenn doch, stehe ich wieder auf.

Einige der Lehrer, die du erwähnst, waren ganz schön verachtenswert. Du be­­schreibst einige der Prügelstrafen, als hätten sie auch einen sexuellen S&M-Aspekt.
Diese ganze Zeit war sehr seltsam. Das waren unheimliche, schmutzige alte Männer, aber es galt als normal und akzeptiert. Die ganze Affäre um Jimmy Savile und ähnliche Fälle hat da etwas ins Rollen gebracht, denn das war damals wirklich gesellschaftlich akzeptabel. Die Art von Dingen, für die man heute ins Gefängnis gehen würde, und aus gutem Grund. Man muss sich manchmal zwicken und sagen: Ich lebe wirklich nicht mehr in den 70ern.

Gab es auch irgendetwas Gutes an dieser Zeit?
Vieles an den 70ern war genial, denn es waren ziemlich chaotische, anarchische Jahre. Aber die Kehrseite davon ist eben auch, dass viele ungeschoren mit Dingen davon kamen, die wirklich nicht sehr angenehm waren.

Es gibt einen Lehrer, John Worsley, den du sehr lobst. Er brachte dich zum Fechten. Bist du mit ihm in Kontakt geblieben?
Nein, aber lustigerweise traf ich Jahre später seinen Bruder. Maiden waren Mitte der 80er in Florida. In Fort Myers fand dieser Fechtwettbewerb statt und ich fuhr hin. Ich lernte diesen Typen namens Worsley kennen und fragte: Worsley? John Worsley? Und er antwortete: „Ja, das ist mein Bruder.“ Die Welt des Fechtens ist sehr, sehr klein.

Fichtst du immer noch?
Ja, aber ich habe kaum noch Zeit dafür. Ich laufe immer wieder rum, sehe mir meine Ausrüstung an und sage: „Das wird ein bisschen rostig.“ (lacht) Genau wie ich.

Du hast es aber immer noch drauf?
Absolut. Wenn ich richtig üben könnte, wenn ich mal nichts anderes zu tun hätte, wäre ich gut. Ich liebe es. Es macht unglaublich Spaß. Das ist kathartisch, du gehst da raus, schreist ein bisschen rum, aber niemand stirbt.

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