11631743Nach 25 Jahren Black Crowes hat Chris Robinson mit seiner Band Brotherhood seine wahre Berufung gefunden. Entspannt und freigeistig geben sich die Amerikaner auch auf ihrem neuen Album PHOSPHORESCENT HARVEST.

Wenn man mit Chris Robinson spricht, hat man nie das Gefühl, es mit einem waschechten Rockstar zu tun zu haben, der rund 30 Millionen verkaufte Platten, eine Ehe mit einer Oscar-nominierten Hollywood-Schönheit und ein Eigenheim im sonnigen Santa Monica vorzuweisen hat. „Ich kann nicht Timothy Leary spielen und die ganze Zeit auf Acid sein. Ich muss morgens Haferbrei machen und meine Vierjährige zum Kindergarten bringen“, umreißt der 47-Jährige im CLASSIC ROCK-Interview knapp, aber grundsympathisch sein derzeitiges Leben. Dankbar und auch ein bisschen überrascht ist er nach eigener Aussage, dass er fast ein Vierteljahrhundert nach dem großen Durchbruch mit den Southern-Rockern Black Crowes immer noch erfolgreich auf der Bühne steht und mit dem betont relaxten Album PHOSPHORESCENT HARVEST nun das bereits dritte Werk seiner Chris Robinson Brotherhood veröffentlicht. Schließlich hat sich das musikalische Klima inzwischen ziemlich gewandelt. „Die Kids von heute finden Justin Timberlake cool“, sagt er kopfschüttelnd und muss lachen. „Früher hätte man nach so einem Steine geworfen!“
Dennoch kann sich die CRB nicht beschweren. Bei den kommenden Konzerten wird die Band allabendlich vor zehnmal mehr Menschen auftreten als bei den kleinen Clubshows, die vor drei Jahren den Grundstein für die 2012 in schneller Folge veröffentlichten Alben BIG MOON RITUAL und THE MAGIC DOOR legten. Dass sich das Quintett dabei einmal mehr auf die USA konzentriert, hat seine Gründe: „Bei euch in Europa würde sich einfach niemand an einem Dienstagabend psychedelische Drogen einwerfen und eine Vier-Stunden-Show von uns reinziehen wollen“, sagt Chris mit einem Schulterzucken. Geradezu unerwartet psychedelisch fällt auch PHOSPHORESCENT HARVEST aus, gleichzeitig ist ein dezenter Jazz-Funk-Fusion-Anstrich nicht zu übersehen. Der Bogen, den Chris und die Seinen dieses Mal spannen, reicht von Grateful Dead bis zu Herbie Hancocks Mwandishi und Gábor Szabó. „Wir sind inzwischen mehr an elektronischer und progressiver Musik interessiert und ich denke, das kann man der Platte auch anhören“, glaubt Chris. Ein weiterer wichtiger Impuls war, dass er erstmals den Löwenanteil der Lieder nicht allein, sondern gemeinsam mit seinem Gitarristen Neal Casal schrieb. „Wir beide mögen es sehr, wenn bestimmte Dinge nur einmal in einem Song auftauchen“, verrät Chris. „Letztlich wollten wir ein Stück weit weg von diesem Strophe-Refrain-Strophe-Ding, wenngleich wir uns natürlich nicht völlig davon trennen.“ Das führte zu Songs, die ausufernd, aber nicht ziellos, ungezwungen, aber nicht unverbindlich, freigeistig, aber dennoch nicht ohne Hooks sind. Zudem ist der CRB ein unwiderstehlicher Groove auch dieses Mal wieder wichtiger als unbändige Rockpower.
Das Ergebnis ist Cosmic American Music für das neue Jahrtausend, bei der Chris das Erfolgsrezept seiner ersten Band praktisch komplett außer Acht lässt. „Im Gegensatz zu den Black Crowes haben wir nicht den Blues“, bringt er den Hauptunterschied auf den Punkt. „Die CRB hat sehr positive Vibes. Uns geht es weniger um Riffs, sondern mehr um Melodien. Man könnte auch sagen, wir suchen nach Ausdrucksmöglichkeiten auf einem tiefgründigeren Level.“

  • SoccerSucks

    Kann man die nicht doch mal dazu überreden, mal hier vorbeizuschaun? Ich wette, da würden sich schon ein paar Leute fidnen, die sich das reinziehn würden. Ich auf jeden fall!