Hynde, ChrissieReif & sexy.

Alle Achtung, Mrs Hynde! Mit über sechzig liefern Sie Ihr Debüt als Solokünstlerin ab: Elf elegante und überaus eingängige Songs, die mir, dem Rezensenten als Stream zugespielt wurden und allesamt recht lieblos als „Unknown Title“ angeführt werden. Informationen zu dem von Ihnen so wundervoll kreierten Album: Fehlanzeige! Ich weiß also nicht, wer Ihre Mitstreiter sind, wo die Songs entstanden und ob alle Nummern Ihrer eigenen Kreativität entspringen. Weil ich sie aber seit 1979 verehre und schätze – jenem Jahr, in dem sie erstmals mit Ihrer Band The Pretenders in Erscheinung traten – und ich Ihnen auch Ihre Ehen mit Ray Davies (The Kinks) und Jim Kerr (Simple Minds) verziehen habe, war ich so frei, mich selbst ein wenig schlau zu machen. ›Dark Sunglasses‹ lautet demnach der ganz und gar fabelhafte Popdiamant, der sich augenblicklich in meine Gehörgänge grub. Ihrem Ansehen nicht weniger würdig: ›Down The Wrong Way‹ und ›Sweet Nuthin’‹. Überhaupt ist auf STOCKHOLM alles elegant und wohltemperiert. Insbesondere ›You’re The One‹ hat es mir angetan, das ich als persönliche Liebeserklärung an mich zu deuten gewillt bin – weshalb ich mich nun endlich auch ins ›Du‹ zu wechseln traue, liebe, herrliche Chrissie. Damals, in meiner Sturm- und Drangzeit, warst Du ungestüm, selbstbewusst und sexy und hast als eine der ersten bewiesen, dass auch Frauen famose Bandleader sein können. Auf STOCKHOLM zeigst Du Dich fast drei Dekaden später reif, stilvoll und immer noch sexy. Wenn ich Dir ein Lied von Deinem eigenen Album widmen darf, dann ›You Or No One‹. Gar keine Frage: Unsere gemeinsame Beziehung funktioniert nach wie vor prächtig. Auf zur Goldenen Hochzeit, Angebetete! (P.S.: Zeig diesen Brief bitte nicht meiner Frau.)