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Vier Alben in zehn Jahren sprechen nicht gerade für übertriebenen Arbeitseifer. Doch Chrome Division waren stets nur als Nebenprojekt von Schwergewichten wie Dimmu Borgirs Shagrath und Susperias Shady Blue gedacht. Jetzt gibt‘s neues Material.

Sänger Shady Blue redet Klartext: „Für Shagrath waren Chrome Division ein Ventil, um seiner Leidenschaft für erdige Rockmusik nachzukommen, die er mit Dimmu Borgir nicht ausleben konnte, ein Platz zum Relaxen, eine Art Zufluchtsort ohne Erfüllungsdruck. Dass die Band aber nie die Priorität haben wird wie Dimmu Borgir, war von Beginn an klar. Alle Mitglieder der frühen Chrome Division hatten auch andere Verpflichtungen, was dazu führte, dass nur alle paar Jahre ein Album aufgenommen werden konnte. Als ich 2009 zur Band stieß, war das Gefüge sehr fragil und ein neues Line-up musste sich erst wieder etablieren. Dass wir es nun doch noch bis zum Zehnjährigen geschafft haben, finde ich gut, denn das Bandgefüge war niemals besser.“

Dass das neue Line-up von Beginn an bestens funktionierte, zeigte alleine schon der Umstand, dass man selbst übelste Herausforderungen sanitärer Art souverän meisterte. Shady Blue: „Zweifellos war das Überlaufen der Toiletten im Studio die größte Herausforderung bei den Aufnahmen zum neuen Album. Wir mussten in einen anderen Teil des Studios umziehen und dort weiterarbeiten, ansonsten ging das alles sehr easy von der Hand. Jeder war super vorbereitet, ich selbst war nie besser in meiner Karriere als zu diesem Album. Mit Endre Kirkesola in den „Dub“-Studios haben wir zum ersten Mal zusammengearbeitet. Ein totaler Freak mit einer unglaublichen Leidenschaft für analoge Aufnahmetechniken, was uns natürlich sehr zugute kam.“

INFERNAL ROCK ETERNAL liefert einmal mehr den eigenwilligen, unverwechselbaren, groovigen Rock‘n‘Roll, den man nur den Norwegern zuordnen kann. „Auch die neuen Mitglieder hatten erheblichen Einfluss auf die Songs. Gitarrist Damage Karlsen hat ja einen sehr metallischen Background, und wir waren uns nicht so sicher, ob das in unserem Kontext funktionieren würde, aber mit seinen coolen Ideen fegte er jede Skepsis beiseite. Kurz bevor er bei Chrome Division einstieg, hatte er seine alte Band Breed aufgelöst, es war also ein perfektes Timing. Er kam mit der einen Hälfte der Riffs an und Shagrath mit der anderen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Stücke sich mehr voneinander unterscheiden als jemals zuvor. Mein persönliches Highlight des Album ist ›Lady Of Perpetual Sorrow‹, denn damit verbinde ich diese großartige Session die Damage, Shagrath und ich eine ganze Nacht lang durchgezogen haben. Wir hatten eine Unmenge Wein mit ins Studio gebracht, die Handys ausgeschaltet und die ganze Nacht an diesem Song gearbeitet. Das war eine unglaubliche Erfahrung und Atmosphäre. Textlich einer meiner bisher persönlichsten Tracks, eine sehr emotionale Session und deshalb mein persönlicher Favorit. Überhaupt waren die Aufnahmen ganz anders als beim Vorgänger 3RD ROUND KNOCKOUT, denn wir hatten uns dazu entschieden, in Blöcken immer nur zwei oder drei Songs einzuspielen. Dadurch konnten die Stücke sozusagen ruhen und Wochen später beim nächsten Studiotermin neu auf uns wirken. Sicher ist das deutlich teurer und zeitintensiver als normale Aufnahmen, aber dieser Ablauf war uns sehr wichtig, da wir der Meinung sind, dass wir diesmal besonders starke Songs geschrieben hatten. So kam es auch zum Stück ›Øl‹, was nichts anderes als Bier bedeutet. Wir haben ihn in norwegischer Sprache eingesungen. Die Idee dazu schleppten wir schon einige Zeit mit uns herum. So ein schneller, punkiger Song passte einfach perfekt zu diesem Thema.“

Jürgen Tschamler