cryptex madeleine effectAbsolute Hinhörmusik.

An Cryptex aus Salzgitter werden sich vermutlich die Geister scheiden. Denn ihr farbenfroh orchestrierter Progressive-Folk-Rock bedient auf den ersten Zugriff keinerlei Konventionen. Inspiriert durch das Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ des französischen Schriftstellers Marcel Proust, der über die subjektive Wahrnehmung von Gegenwart und Vergangenheit philosophiert, ist MADELEINE EFFECT alles andere als pures Rock-Klischee. Stilistisch erinnert auf dieser fabelhaften Scheibe vieles an frühe Jethro Tull, manches auch an die Musik von Marillion zu Zeiten ihres charismatischen Frontmannes Fish. Andererseits: Vergleiche verbieten sich angesichts der hohen Eigenständigkeit dieser Band. Ihr kreativer Kopf Simon Moskon komponiert kompromisslos bunt und abwechslungsreich, um gleichzeitig den Härtegrad und die Stilistik seiner Stücke geschickt zu variieren. Das mag mitunter ein wenig zu verspielt klingen, türmt sich aber in den besten Tracks ›When The Flood Begins‹, ›Stroking Leather‹ und ›Release My Body‹ zu wahrer Hymnenqualität auf. Fazit: MADELEINE EFFECT eignet sich nicht zur profanen Hintergrundberieselung, sondern erfordert Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zur Empathie. Ein echter Pluspunkt in Zeiten, in denen Kultur an uns häufig achtlos vorbei zu rauschen scheint.