Kid Rock 2010 @ Clay Patrick McBrideDie meisten Menschen kennen ihn nur als den Ex von Pamela Anderson, Musikfans aber wissen, dass Kid Rock alias Robert James Ritchie nicht nur ein cooler Rocker ist, sondern auch ein Händchen dafür hat, unterschiedliche Stilistiken zu vermengen.

Text: Jerry Ewing, Benedikt Mekelburg

Er steht auf Südstaaten-Rock. Er kombiniert ihn mit HipHop. Er hat Geld wie Heu. Zumindest spätestens seit dem Zeitpunkt, als ihm mit ›All Summer Long‹, einem frisch-frechen Mix aus Lynyrd Skynyrds ›Sweet Home Alabama‹ und Warren Zevons ›Werewolves Of London‹, der Sommer-Hit des Jahres 2008 gelungen ist. Auf seinem aktuellen Album BORN FREE frönt Kid Rock (40) nicht nur dem Country-Rock, sondern arbeitet auch mit so berühmten Kollegen wie Bob Seger, Sheryl Crow, Mary J. Blige oder Zac Brown zusammen. Nervös macht ihn das nicht. Im Ge-genteil: Er freut sich darüber – so wie er sich über alle Chancen gefreut hat, die ihm seine bisherige Laufbahn eröffnet hat.

Wann und wie bist du zu deinem Künstlernamen gekommen?
Der stammt noch aus der Zeit, in der ich als Junge in den Clubs entlang der Detroiter East Side aufgelegt habe. Dort wusste niemand, dass ich eigentlich Robert heiße und zu Hause nur „Bobby“ gerufen werde. Die Leute kannten mich nur als diesen kleinen Weißen, der an den Turntables rockt, also „Kid Rock“.

Welches Gerücht über dich ist falsch?
Schwer zu sagen, ich entspreche nämlich vielen Rollenbildern. Wenn ich ein drogensüchtiger, verrückter Rock’n’Roller sein soll, der die ganze Nacht unterwegs ist und Leuten die Fresse poliert, dann bin ich genau das. Aber genauso gut auch ein alleinstehender Vater, der sein Kind großzieht und seiner Familie und auch seinen Freunden sehr nahe steht.

Wo stehst du politisch?
Genau in der Mitte. Scheiß auf die Rechte und scheiß auch auf die Linke!

Was bereust du am meisten?
Nichts. Ich bereue wirklich gar nichts.

Glaubst du an Gott?
Oh ja, das tue ich.

Für was hast du am meisten Geld aus dem Fenster geschmissen?
Hmh, lass mich nachdenken… Wie war doch gleich noch ihr Name? (lacht)

Was ist das Geheimnis deines Erfolges?
Harte Arbeit. Ich habe keine Angst davor, mich da draußen hinzustellen und zu wissen, dass ich vielleicht nicht der Beste bin. Aber dennoch strebe ich weiter danach, der Beste zu werden. Ich bin ehrlich zu mir selbst. Ich nutze meine Chancen und arbeite hart dafür. Ehrlichkeit allgemein. Wenn ich in den Spiegel sehe, mich frage: „Bist du gut genug?“, und die richtige Antwort bereits kenne.

Welches sind die besten und welche die schlimmsten Drogen?
Ich hatte nie ein Problem mit einer bestimmten Droge. Ich habe sie alle genossen. Die Beste? (An dieser Stelle unterbricht Rocks Assistent nervös das Gespräch und erklärt, dass wir doch nicht unbedingt über Drogen sprechen müssen – Anm.d.A.). Ich würde Musik als die beste Droge bezeichnen. (Und fügt flüsternd hinzu:) Wenn man sie mit einem Schluck Whisky und etwas Koks kombiniert.

Was kannst du, was sonst niemand kann?
Scheiße Mann, wo soll ich da anfangen? (lacht) Okay, ich kann z.B. Mundharmonika spielen und gleichzeitig Scratchen. Das sollte ja wohl reichen.

Was ist der Sinn des Lebens?
Glücklich zu sein. Freunde und Familie. Und ich würde mich, wenn die Leute nach meinem Tod sagen: „Oh, ich kannte ihn. Er war ein guter Kerl.“

Worauf bist du besonders stolz?
Auf meinen Sohn. Er hat mich neulich gefragt, ob ich ihm helfen könnte, die Zulassungsformulare fürs College auszufüllen. Ich nur: „Ähem, um Mitternacht bin ich zurück!“ Es scheint, als hätte das Talent in meiner Familie eine Generation ausgelassen. Meine.

Was war der Tiefpunkt deiner Karriere?
Es gab einige, denn ich habe während meiner Laufbahn des Öfteren meinen Plattenvertrag verloren. Doch ich war stur, habe mich einfach wieder aufgerafft, mir den Staub von den Schultern geklopft, an meine Karriere geglaubt und weiter an ihr gearbeitet. Es gibt aber auch Zeiten, in denen dich sogar deine Familie bemitleidet und sagt: „Oh, armer Bobby!“ Davon darf man sich nicht entmutigen lassen.

Und der Höhepunkt deiner Laufbahn?
Jeden Tag aufzuwachen ist ein Höhepunkt. Jeden Tag. Ich will nicht arrogant rüberkommen, aber ich denke, dass viele Leute nicht verstehen, was die Musik für mich bedeutet. Ich habe alles hergegeben, das ich jemals besaß, damit ich jetzt genau hier bin. Es war mir wichtig, jedes noch so kleine bisschen Energie in die Musik zu stecken. Ich habe Leute gesehen, die etwas Ähnliches getan haben – und keinen Erfolg damit hatten. Sie arbeiten immer noch als Musiker, hadern aber mit ihrem Schicksal. Ich danke Gott dafür, dass es nicht auch für mich so gelaufen ist. Denn selbst wenn ich heute einfach so in einem schicken Restaurant anrufen und den besten Tisch reservieren kann, so musste ich doch ein großes Risiko eingehen, um so weit zu kommen.

Was hättest du gerne auf deinem Grabstein eingraviert?
Kein Grabstein. Ich werde eine bronzene Statue von mir als altem Mann im Schaukelstuhl machen lassen. In der einen Hand halte ich ein Glas Whisky, in der anderen eine dicke Zigarre. Wenn jemand auf einen Knopf drückt, dann bewege ich mich. Und wenn meine Enkel draufdrücken und fragen: „Opa, was machst du gerade?“, dann antworte ich: „Ich rocke. Immer noch.“