Das letzte Wort: Lemmy Kilmister über Schmerz, Dinosaurier und Milchshakes

Er wurde am Heiligabend des Jahres 1945 als Ian Fraser Kilmister geboren. Doch man kennt ihn besser unter seinem Spitznamen, der zum Synonym für Lautstärke, Exzess und meterlange Kneipenrechnungen wurde. Es gibt nur einen Lemmy. Wenn man auf Glücksspiel steht, dann ist man bei ihm an der richtigen Adresse: Er hat es entgegen allen Erwartungen zu etwas gebracht, den Tod ausgetrickst, sich nie von Trends beeinflussen lassen, damit Motörhead durch 36 wilde Jahre geführt und mit ihrer Musik Generationen beeinflusst. 

Klassische Beerdigung oder Feuerbestattung?
Feuerbestattung. Eine klassische Beerdigung spricht mich nicht an. Der Gedanke daran, aufgefressen zu werden, kommt mir ein wenig wie eine Verpflichtung vor. Außerdem kannst du, nachdem du verbrannt worden bist, nicht plötzlich in einem Sarg aufwachen, weil man dich irrtümlicherweise lebendig begraben hat. Mit ist es scheißegal, wo meine Asche später verstreut wird. Nach ein paar Stunden ist sie sowieso weg.

Was ist deine größte Angst?
Mich hält nachts nichts wach – abgesehen von Zahnschmerzen. Ich kenne keine Angst, außer vielleicht die Angst vor extremem, lang anhaltendem Schmerz. Ich habe keine Angst vor Haien oder etwas in der Art. Ich kann nicht schwimmen, also kann ich das gleich abhaken. Wahrscheinlich hätte ich Angst vor dem Tyrannosaurus Rex, wenn man ihn auf die Erde zurückholen würde.

Du lebst in L.A. Hast du dir jemals überlegt, eine Therapie zu beginnen oder dich einer Schönheitsoperation zu unterziehen?
Nein. Für eine Therapie bin ich einfach zu sehr Engländer. Und Schönheitsoperationen … ich hasse Krankenhäuser wie die Pest. Dort haben sie immer nur schlechte Nachrichten für dich. Freiwillig bekommen mich da keine zehn Pferde rein. Aber ich werde auch nicht nach England zurückgehen. Ich bin stolz, Engländer zu sein, doch das England, auf das ich stolz bin, ist schon lange Geschichte. Die Unruhen zeigen dies ganz deutlich. Okay, es gab schon immer Unruhen. Wenn du der Jugend einen triftigen Grund lieferst, dann werden sie auf die Straße gehen und Sachen herumwerfen.

„Ich bekomme nie einen Kater. Man muss mit dem Trinken aufhören, um einen Kater zu bekommen.“

Ist es frustrierend für dich, wenn andere Leute deine Sammlung von Nazi-Gegenständen missverstehen?
Wenn diese Leute wirklich denken, dass ich ein verdammter Nazi bin, dann sehe ich sowieso keine Hoffnung für sie. Nur weil du etwas sammelst, heißt das noch lange nicht, dass du auch so bist. Wenn jemand Baseball-Sachen sammelt, glauben die Leute doch auch nicht gleich, dass du Babe Ruth bist. Das ist Schwachsinn. Es ist eine Sammlung. Punkt.

Hast du dich jemals selbst gegoogelt?
Das brauche ich nicht. Ich weiß ja, was alles wirklich passiert ist. Man kann dem Internet nicht aus dem Weg gehen. Ich wünschte nur, die Plattenfirmen hätten sich früher damit beschäftigt, anstatt sich als komplette Idioten zu präsentieren. Wenn sie es früher ernst genommen hätten, dann hätte es für jeden positive Resultate bringen können. Aber nein. Stattdessen haben sie wie immer ihre dummen Köpfe gegen die Wand gedonnert, bis es zu spät war.

Du sagtest, dass du mit denselben Frauen ins Bett gehst wie dein Sohn Paul. Ist das nicht ein bisschen schräg?
Nun ja, es gibt eine Menge Mädels, die das mögen – man könnte sagen, es bleibt in der Familie. Wir haben das jedoch nur zweimal getan. Das ist keine Gewohnheit. Du wärst erstaunt darüber, was manche Frauen heutzutage anmacht.

Hast du schlimme Kater?
Ich bekomme nie einen Kater. Man muss mit dem Trinken aufhören, um einen Kater zu bekommen. Ich trinke immer noch Jack Daniel’s, manchmal ein bisschen Wodka oder billiges Bier. Früher habe ich regelmäßig Wodka mit Baileys getrunken. Das ist wie ein riesiger alkoholischer Milchshake. Ist doch logisch, dass einem so etwas schmeckt. Du denkst jetzt sicher, dass Baileys doch eher ein Frauengetränk ist, oder? Dann hör mir mal zu: Alles, was aus Alkohol besteht und nach Schokolade schmeckt, ist verdammt noch mal ein Drink für jeden.

Bist du ein guter Vater?
Ich tue mein Bestes. Das ist nicht immer wirklich gut, da ich Paul erst kennen gelernt habe, als er sechs Jahre alt war. Diese Zeit haben wir verloren. Seine Mutter hat mir jahrelang verboten, mit ihm zu sprechen. Doch dann ist er hierher gezogen, und seitdem funktioniert es sehr gut. Ich glaube nicht, dass ich ein schlechtes Vorbild bin. Ich bin genauso gut wie jeder Fußballspieler.

Müsste deine Wohnung mal aufgeräumt werden?
Meine Wohnung ist nicht unordentlich, nur sehr vollgestopft. Momentan ist es sogar noch schlimmer, weil mir neulich jemand einen verdammten ausgestopften Wasserbüffelkopf geschenkt hat.

Ist es nicht unfair, dass du noch am Leben bist, während viele Menschen jung sterben, die ihr ganzen Leben clean waren?
Nein, ich glaube nicht, dass es unfair ist. Ich finde, das ist völlig okay so. Ich sehe es als zähe Ausdauer an. Ich weigere mich einfach, mich davon kaputtmachen zu lassen. Ich war ein Teufelskerl … aber irgendwann muss man ein bisschen kürzertreten. Ich wurde an Weihnachten verdammte 66 Jahre alt. Es gibt für mich auch nichts mehr, gegen das ich rebellieren muss. Ich habe schon gegen alles rebelliert – sogar zweimal.

Wie hast du die Nachricht von Wurzels Tod im letzten Jahr aufgenommen?
Was denkst du? Das ist etwas, das mich an den Journalisten heutzutage echt nervt: „Wie fühlst du dich, wenn einer deiner Freunde stirbt?“ Wie würdest du dich verdammt noch mal fühlen? Das kann man nicht in Worte fassen. Natürlich habe ich mich schrecklich gefühlt. Schließlich ging es um Wurzel. Er war mein bester Freund in der Band für mehr als elf Jahre. Das ist eine wirklich dumme Frage.

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