Uriah Heep (3)Uriah Heep sind eine der großen Konstanten der Rockmusik. Wir haben mit Gitarrist Mick Box (im Bild zweiter v. r.) über seine musikalischen Vorbilder, sein Talent als Fußballer und die Zukunft des Rock’n’Roll gesprochen.

Du bist heute das letzte verbliebene Uriah Heep-Gründungsmitglied. Wie hast du es geschafft, so lange durchzuhalten?
Wir hatten einen guten Start, das hat es leichter gemacht. Und ich bin nicht der Typ, der schnell aufgibt. (lacht) Es ist wie bei einer Ehe. Du heiratest mit den besten Vorsätzen, doch oft funktioniert es nicht. Die Partner entwickeln sich in verschiedene Richtungen. Aber entscheidend war, dass ich stets wusste: Wenn ich Musiker um mich habe, die den Uriah Heep-Spirit in sich tragen, wird es weitergehen. Wir hatten wechselnde Mitglieder in der Band, zugegeben. Aber alle waren echte Kaliber. Das hat unseren Standard hoch gehalten.

Mit welcher Musik bist du aufgewachsen?
Als Gitarrist hat für mich alles mit Jazz angefangen. Tal Farlow, Barney Kessel. Django Reinhardt, Wes Montgomery, Les Paul & Mary Ford. Dann habe ich mich in Buddy Holly, Eddie Cochran und Konsorten verliebt. Jede Generation geht da durch, es wird größer, größer, größer, härter, härter, härter (lacht). Die Shadows, die Art, wie Hank Marvin Gitarre gespielt hat. Natürlich die Beatles und die Stones. Die Einflüsse kamen aus verschiedenen Richtungen. Ich hatte das Glück, in einer Zeit jung zu sein, in der diese New Wave Of Rock ankam. Die Leute hatten genug von Typen in Anzug und Krawatte, die mit kleinen Verstärkern hübsche Songs spielten. Sie wollten mehr. Led Zeppelin starteten durch, Deep Purple, Black Sabbath – und eben Uriah Heep. Das war der Durchbruch, die Geburtsstunde des Rock’n’Roll einer neuen Generation.

Du bist in London daheim, richtig? Was treibst du so in deiner Freizeit?
Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ich habe einen Sohn in Amerika. Wir sprechen oft miteinander und ich versuche, ihn so oft zu sehen, wie ich kann. Dann habe ich einen jüngeren Sohn, er ist 14, und meine Frau natürlich. Wenn ich von einer Tour nach Hause komme, nehme ich den Rock’n’Roll-Hut ab und setze den Familie-Hut auf. (lacht) Wir genießen die gemeinsame Zeit. Wir haben einen Hund, einen English Setter namens Iggy, und eine Katze, sie heißt Biscuit. Wir sind ein liebenswerter, bunter Haufen. Mein kleiner Sohn spielt Rugby, ich fahre ihn immer zu seinen Partien und stehe am Spielfeld wie all die anderen Väter. Wann immer wir können, gehen wir als Familie aus, haben Dinner. Wenn ich Zeit habe, gehe ich ins Fitnessstudio, es ist wichtig, sich fit zu halten, wenn man älter wird. Außerdem bin ich ein großer Tottenham Hotspur-Fan, mein Sohn und ich sind oft bei den Matches. Es ist also immer was los.

Welche Musik hörst du zurzeit?
Sehr wenig neue Sachen, muss ich zugeben. Und wenn ich eine Band finde, die mir gefällt, sind da meist ältere Mitglieder dabei. Wie die Winery Dogs mit Mike Portnoy, Richie Kotzen und Billy Sheehan. Eine großartige Truppe, aber die Musiker sind nicht neu. (lacht) Etwas wirklich Neues hat mich schon länger nicht mehr angesprochen.

Was sind deine Hörgewohnheiten? Bevorzugst du Vinyl, CDs, digitale Formate?
Alles. Ich höre Vinyl, wenn ich kann. Aber es hängt von den Umständen ab. Als vielbeschäftigter Mann nimmt man das, was eben verfügbar ist. Ob iPad, iPod, Handy oder die heimische Stereoanlage.

Du hast also keine generelle Aversion gegen digitale Formate?
Nein, das bringt ja nichts. Du kannst sie mögen oder nicht, aber sie sind da, um zu bleiben. Es ist das, was die Öffentlichkeit will. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, wir wollen dies haben und dann gleich wieder jenes, es hat alles nicht mehr diese Romantik wie damals, als ich aufgewachsen bin. Du hast dir ein Album geholt, das Cover rahmen lassen, weil das Artwork so schön war. Es war eine ganzheitliche Erfahrung. Du hast darauf hin gefiebert, dass eine Platte in den Laden kommt, hast es kaum erwarten können, bist ins Geschäft gelaufen und hast sie gekauft. Du hast sie aufgelegt und geliebt, jedes Fitzelchen der Schrift im Booklet gelesen, all die Storys und Texte. Es war wunderbar. Heute bestellen die Leute einfach, und am nächsten Tag wird geliefert, wenn nicht in der nächsten Minute. Aber dagegen anzukämpfen, hilft nicht, das ist der Lauf der Welt.

Hat Rock’n’Roll eine Zukunft?
Ganz sicher, denn er ist die Musik des Volkes. Er spricht zu den Leuten. Ich denke allerdings, dass es allgemein schwieriger wird, den Durchbruch zu schaffen. Das liegt eben auch an den neuen Formaten, du bist für eine Minute der letzte Schrei, und buchstäblich eine Minute später bist du weg. Der Markt ist sehr schnelllebig. Am Ende wird alles auf eine Sache hinauslaufen: die Live-Qualitäten. Das ist das einzige, das du nicht faken kannst.

Du bist seit bald 50 Jahren aktiv mit Uriah Heep, ihr habt mehr als 20 Alben veröffentlicht, wart unglaublich erfolgreich. Welche Ziele bleiben noch?
Es gibt immer Ziele. Wenn du denkst, dass du das beste Material, das du jemals schreiben wirst, schon geschrieben hast, kannst du gleich aufgeben. (lacht) Und was die Live-Qualitäten betrifft, bist du immer nur so gut wie dein letzter Gig. In einigen Ländern waren wir noch gar nicht, China zum Beispiel, und da wollen wir noch hin. Wir planen außerdem, ein neues Album aufzunehmen. Es stimmt, wir haben schon viel erreicht, aber es gibt immer noch genug, auf das man sich freuen kann. Ich werde oft gefragt, woran sich Erfolg messen lässt. Jedenfalls nicht an goldenen Schallplatten, Platin-CDs und solchem Krempel. Der eigentliche Triumph ist, dass es uns immer noch gibt, nach 45 Jahren.

Wenn du kein Musiker geworden wärst, was wäre dein Plan B gewesen?
Nun, ich war ein ausgezeichneter Fußballer. Ich habe in London gespielt, es ist wirklich sehr gut gelaufen. Nur ist mir irgendwann aufgefallen, dass die anderen Jungs immer größer und stärker wurden. Ich war auch sehr sehr stark, aber ich war ziemlich kurz. (lacht) Mir ist in den Sinn gekommen: Wenn ich mir ein Bein breche, beim Spielen – denn es ging damals härter zu als heute, jetzt liegen alle immer gleich am Boden, halten sich den Kopf, simulieren. Jedenfalls: Ich habe gedacht, wenn ich mir das Bein breche, ist meine Fußballkarriere zu Ende. Wenn ich mir mein Bein breche und Gitarrist bin, kann ich immer noch auf dem Stuhl sitzen und spielen. (lacht) Gitarrist kann ich mein ganzes Leben lang sein.

  • Martin Böhmer

    Hoffen wir, dass Heep noch lange Musik machen ! Sehr schönes ehrliches Interview… Looking forward: A New Album!!! In 2016…