Das letzte Wort: Noddy Holder

Noddy Holder InterviewFür Kiss und Twisted Sister, aber auch für die Ramones und Cock Sparrer waren Slade eine ganz wichtige Band und Inspirationsquelle. Auch wenn Noddy Holder seit 1992 nicht mehr aktiv mit der Band unterwegs ist, hat er sein freundliches und sympathisches Charisma behalten. Für CLASSIC ROCK kramte der 71-jährige Sänger noch einmal tief in seinen Erinnerungen.

Ozzy Osbourne sagt, dass du sein absoluter Lieblingssänger bist. Wen favorisiert denn du, Noddy?
Hat Ozzy nicht einen großartigen Geschmack? (lacht herzhaft) Wirklich großartig … aber Spaß beiseite. Das ist schon eine sehr schwierige Frage. Ich mag unterschiedliche Stile aus unterschiedlichen Gründen, ich bin da sehr offen. Nun, unter den Soulsängern schätze ich Stevie Wonder am meisten, außerdem mag ich Typen wie James Brown, Little Richard und John Len­­non. Es sind einfach zu viele, ich kann mich nicht nur auf einen festlegen.

Du hast deinen jüngsten Sohn Django genannt, nach dem berühmten Jazz-Gitarristen Django Reinhardt. Will er vielleicht auch Musiker werden oder hast du ihm geraten, dass er doch besser Zahnarzt werden soll?
Dafür ist es leider zu spät, er ist auch ein Musiker geworden. Er spielt Gitarre, Keyboards und Schlagzeug, eine Band hat er auch – aber die meiste Zeit arbeitet er als Tontechniker. Er arbeitet viel für Film- und Fernsehproduktionen, außerdem für die Werbung. Vielleicht kann er nicht ganz so gut singen wie ich, aber was die instrumentalen Fähigkeiten betrifft, hat er mich meilenweit überholt, denn er spielt ziemlich gut. Das sage ich ihm auch recht häufig. Zudem ist er ein sehr großer Musikfan, er liebt neben Jazz und Country ganz besonders AC/DC und die Arctic Monkeys. Außerdem ist er ein großer Fan von Liam Gallagher und Oasis.

AC/DC ist ein gutes Stichwort, denn nach dem Tod von Bon Scott warst du eine Zeitlang als sein Nachfolger im Ge­­spräch.
So richtig offiziell war das eigentlich nicht, aber ich hatte schon eine Anfrage von ihrem Management auf dem Tisch liegen, bevor es dann Brian Johnson wurde. Aber zu dem Zeitpunkt war ich absolut glücklich mit Slade, es wäre für mich keine Option gewesen zu wechseln. Ich habe dann auch abgesagt. Ich kannte Geordie gut, die Band, in der Brian damals der Sänger war. Wir haben ein paar mal zusammen gespielt. Und im Nachhinein muss ich sagen, dass Brian die perfekte Lösung für AC/DC war.

Slade haben eigentlich in den späten 60er-Jahren als Skinhead-Band angefangen. Wolltet ihr mit diesem ungewöhnlichen Look die größtmögliche Aufmerksamkeit auf euch ziehen?
Wir hatten nicht damit im Sinn, eine Art politische Überzeugung zu transportieren, das war eher so eine Mode-Erscheinung – wir wollten uns einfach nur von den vielen anderen Bands unterscheiden. Die Kleidung bestand ja auch aus Doc-Martens-Boots und Ben-Sherman- Poloshirts. Wir spielten in Clubs und Tanzschuppen – und immer waren viele Skinheads im Publikum, die irgendwann Ärger machten. Das nervte gewaltig und so wurden wir auch von einigen Radiostationen und TV-Sendern als schlimme Rüpel abgestempelt. Dann haben wir uns was anderes überlegt, wie wir uns von den anderen Bands unterscheiden können. So gegen Ende 1970 bis zum Jahresanfang 1971 haben wir beschlossen uns anders in der Öffentlichkeit zu präsentieren. So kamen wir auf die bunt-karierten Phantasieanzüge und die Zylinder-Hüte.

„Ich bin ein stinknormaler Typ aus der Arbeiterklasse, das entspricht auch meinem Selbstverständnis. Ich habe das ja auch in einigen meiner Songtexte thematisiert.“

Dein Elternhaus war eine typische Familie aus der Arbeiterklasse. Dein Vater war Fensterputzer, deine Mutter Hausfrau. Wie sehr hat dich dieses Umfeld geprägt?
Ja, ich bin ein stinknormaler Typ aus der Arbeiterklasse, das entspricht auch meinem Selbstverständnis. Ich habe das ja auch in einigen meiner Songtexte thematisiert. Mein Vater hatte so einen Grundsatz, der klingelt mir noch heute in den Ohren. Er sagte immer: „Alles was du brauchst ist ein Paar Schuhe, eine warme Mahlzeit pro Tag und ein Dach über dem Kopf …“

Das klingt sehr bescheiden …
Ja. Zudem ist mein Dad an Wochenenden häufig auf die Bühnen von Arbeiterkneipen geklettert und hat dort, nur von einem Piano be­­gleitet, für die Leute im Pub gesungen – und das waren ausschließlich ganz normale Werktätige. Überhaupt war mein Dad ein absolut fantastischer Sänger, er hätte sich aber nie an eine professionelle Karriere herangewagt. Als ich etwa acht Jahre alt war hat er mich mit auf die Bühne genommen, das war die Initialzündung für mich und mein Selbstverständnis als Sänger. Mit 17 habe ich dann die Schule hingeschmissen und fokussierte mich fortan komplett auf die Musik. Als sich dann nach und nach der Erfolg mit meiner Band Slade einstellte, waren meine Eltern natürlich ganz besonders stolz auf mich.

Ein paar Mal hast du dir auch den Van von deinem Vater ausgeliehen, um Musiker damit herumzufahren, oder?
Ganz genau, so habe ich zum Beispiel Robert Plant kennen gelernt. Gegen Mitte der 60er-Jahre hatte Robert noch zwei Bands, zum einen die Tennessee Teens und dann noch eine Combo namens Listen – mit Led Zeppelin ging es ja erst ab 1968 richtig los. Einen ausreichend großen und vor allem bezahlbaren Transporter zu finden war damals nicht ganz leicht. So war ich meinem Vater wirklich dankbar, dass ich an den Wochenenden seine Karre nutzen konnte – die hatte immerhin eine große Ladefläche mit viel Stauraum für das Equipment. Wenn wir nicht selbst spielten, habe ich mich also als Fahrer für andere Bands angeboten. So einfach war das damals alles …

2 KOMMENTARE

  1. Saenger der nach Beatles und Stones erfolgreichsten britischen Band. Und bescheiden wie ein Parkplatzwaechter. Gibts leider nicht haeufig.

  2. Hallo Team von Classic Rock,

    ich habe vor kurzem euer Bericht mit Noddy Holder gelesen. Dieser Bericht veranlasste mich, einen Brief an Noddy Holder zu verfassen. In dem Brief bringe ich zum Ausdruck, dass ich seit über 40 Jahre ein sehr großer Fan von Noddy Holder bin, was ich ihm mitteilen wollte. Leider ist es unmöglich Kontaktdaten zu Herrn Noddy Holder zu finden. Selbst auf seiner Facebook Seite, hat man keinen Kontakt zu Noddy Holder. So wurde mir das per Antwort auf mein Schreiben mitgeteilt. Ich würde Herrn Holder gerne mein Schreiben zukommen lassen und weiß mir nun absolut keinen Rat mehr. Ihr seid nun meine letzte Hoffnung, dass mein Schreiben Herrn Holder doch noch erreichen könnte. Mir ist schon bewusst, dass sie keine Kontaktdaten des Herrn Noddy Holder herausgeben werden. Aber vielleicht besteht ja die Möglichkeit, das ich ihnen mein Schreiben zukommen lasse, welches sie dann freundlicher Weise an Herrn Noddy Holder weiterleiten könnten. Ich wäre ihnen über alles sehr dankbar, wenn sie mir in dieser Sache behilflich sein könnten.
    Mit freundlichen Grüßen, Roland.

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