Dave DaviesKreativer Rundumschlag eines Altgedienten.

Zwar scheinen die zwei Geschwister, die den Nukleus der Kinks bildeten, noch immer nicht die allerbesten Freunde zu sein, doch ab und zu, so Ray Davies jüngst im Interview, telefonieren er und sein Bruder Dave miteinander. Und während Ray im United Kingdom derzeit noch an Songs für sein nächstes Solo-Album werkelt, ist Brüderchen Dave, inzwischen auf der anderen Seite des Atlantiks zu Hause, bereits fertig mit der Arbeit. Und die dürfte auch dem großen Bruder gefallen. Wie bei Dave Davies nicht anders zu erwarten, ist RIPPIN’ UP TIME rau ausgefallen. Schon der Titeltrack lässt daran keinen Zweifel – und klingt verteufelt wie die Kinks höchst selbst. ›Johnny Adams‹ ist ein wilder Bluesrock-Stampfer voller Mark und Saft. ›In The Old Days‹ erweckt gekonnt Erinnerungen, ›King Of Karaoke‹ zeigt den Erschaffer des legendären Riffs von ›You Really Got Me‹ als aufmerksamen Beobachter und ambitionierten Texter, der eine romanfüllende Geschichte in nur wenigen Minuten erzählt. Und Dave Davies mag es schnell. Sein zweites Album innerhalb von achtzehn Monaten, in nur sechs Wochen und zwar hauptsächlich in Los Angeles eingespielt, wirkt vielleicht gerade deshalb so kraftvoll und frisch. Dabei sah es 2004 nach einem Schlaganfall alles andere als gut für den Gitarristen aus. Rechtsseitig gelähmt, musste er mühsam nicht nur das Gehen und Sprechen, sondern auch das Spielen der Gitarre wieder lernen. Mit Hilfe eines Sprachtherapeuten schaffte er es schließlich sogar wieder singen zu können. „Eine echte Herausforderung“, so der Genesene. Dave Davies darf in jeder Hinsicht stolz auf seine Leistung sein.