david bowie pressDer Schock über David Bowies Tod sitzt nach wie vor tief. Wir ehren den vielleicht einflussreichsten Musiker seiner – und jeder anderen – Generation.

Auf dem Titelstück seines 1977er- Albums HEROES sang er: „I, I will be king“. Zu seinen Lebzeiten regierte er den Rock, doch seit seinem Krebstod am 10. Januar im Alter von 69 Jahren ist seine Dominanz noch deutlicher, falls das überhaupt möglich war. Wie sein früherer Gitarrist John „Hutch“ Hutchinson sagte: „Die Reaktion auf seinen Tod war für mich größer als bei Elvis oder Lennon“.

Bowies letztes Album BLACKSTAR erschien zwei Tage vor seinem Ableben und enthielt textliche Anspielungen darauf, was sein Verständnis von der Musik als transgressive und populäre Kunst zu unterstreichen schien. Fast fünf Jahrzehnte hatte er in der einen oder anderen Gestalt Songs aufgenommen – und „Gestalt“ ist das treffende Wort für diesen Musiker, Mode-Innovator und Provokateur, dessen formwandlerische Natur ihn zu einem der größten Stars der 70er und dem legitimen Erben der Beatles machte.

David Robert Jones wurde am 8. Januar 1947 im Süd-Londoner Stadtteil Brixton ge­­boren, exakt zwölf Jahre nach Elvis Presley. Und wie dieser war er mit seiner fließenden Sexualität, seinem außerirdischen Charisma und der Fähigkeit, verschiedene Genres zu etwas Radikalem und Neuem zu verbinden, ein Revolutionär. Nachdem er in den 60ern zunächst mit Mod, Varieté, Psychedelic und Folk geflirtet hatte, schien er Anfang des folgenden Jahrzehnts zum Leben zu erwachen und wurde mit seinem bizarren Glam-Image und seinem so aufsehenerregenden wie kom­­merziellen Hybrid aus Detroit-Rock und britischem Pop zum Vorreiter. Seine Darbietung der Single ›Starman‹ bei „Top Of The Pops“, bei der er den Arm um die Schulter von Gitarrist und Kumpel Mick Ronson legte, bleibt einer der aufregendsten Schlüsselmomente der Rockgeschichte.

Zudem stellen seine zwölf Alben von THE MAN WHO SOLD THE WORLD (1970) bis SCARY MONSTERS (AND SUPER CREEPS) das großartigste Beispiel für anhaltende Kreativität und ungebrochenen Fortschritts- und Wandlungswillen im gesamten Rock’n’Roll dar. Von Neo-Metal und Proto-Goth über Glam, weißen Soul, Funk und Ambient bis zu elektronischer Musik und allem dazwischen deckte Bowies goldene Ära alle Genres ab. Und er erfand gleich noch ein paar neue dazu. Seine verschiedenen Inkarnationen – Ziggy Stardust, Aladdin Sane, Thin White Duke, seine „Berlin-Phase“ – gaben zahllosen Nachahmern ganze Karrieren.

Er verkörperte die 70er, griff den 80ern vor, wurde in den 90ern zum Vorbild und technologischen Innovator und verbrachte fast sein gesamtes letztes Jahrzehnt als zurückgezogener, obgleich stets präsenter Beobachter. Er war Schauspieler, Produzent, ein echter mo­­derner Renaissancemensch, der selbst auf seinen letzten beiden Alben THE NEXT DAY (2013) und BLACKSTAR noch zu überraschen vermochte. Vor allem aber war David Bowie der ultimative Rockstar: mutig, genial und ein Wegbereiter, dem alle anderen folgten. Es wird niemals wieder einen wie ihn geben.