david gilmourSouverän und grundsolide.

Auf Nummer sicher geht David Gilmour beim vierten Solowerk in 37 Jahren: Zaghaftes Vogelgezwitscher, klassische Mantovani-Streicher und ein seiner E- und Akustikgitarren im Stile von ›Shine On You Crazy Diamond‹ entlockter Melodienreigen bevölkern gemächlich den instrumentalen Einstieg ›5 A.M.‹. Insgesamt sind zehn Tracks enthalten, darunter drei Instrumentals. Im Titelsong eilt der 69-Jährige in die Disco, und die spielt jene Musik, wie sie dem Mitglied einer britischen Art-Rock-Formation mit Konzept-Anspruch in der zweiten Hälfte der 70er Jahre entsprach. Mit dezenten Funk-Einlagen und eingängigem Refrain hopst Gilmour über die Tanzfläche, setzt seine typischen Soli wie Duftmarken. Im Hintergrund schallt dazu ein Chor die Titelzeile wie einst die Kinder in ›The Wall‹, bevor Maschinengeräusche den Tanzausflug beenden. In gedeckten Molltönen fließt ruhig wie ein Fluß ›Faces Of Stone‹ dahin, manchmal unterbrochen von einem neckischen Dreivierteltakt. Und einmal mehr greift der von Phil Manzanera (Roxy Music) als Co-Produzent assistierte Gilmour in die Saiten, um eines seiner typischen Soli zu kredenzen. Zum Chillen begibt er sich aufs Wasser: ›A Boat Lies Waiting‹ entschleunigt den Zuhörer nachhaltig mittels spartanischer Klavier-Etüde samt ätherischer Chöre von David Crosby und Graham Nash. Dann wird schon wieder getanzt – zumindest kündigt das der Titel an. Doch ›Dancing Right In Front Of Me‹ mit integriertem Jazz-Flair eignet sich im WISH-YOU-WERE-HERE-Modus eher zum gemächlichen Schunkeln. Gleiches gilt auch für das etwas wuchtigere ›In Any Tongue‹, das zaghafte ›Beauty‹ und das empathische Schlusslicht ›And Then…‹. Als cooler Fifties-Bar-Jazz im lässigen Early-Morning-Hour-Takt empfiehlt sich ›The Girl In The Yellow Dress‹ – Pianist Jools Holland liefert Blue Notes, Langzeitwegbegleiter Robert Wyatt bläst Kornett und Chris Laurence zupft einen eleganten Standbass. ›Today‹ wiederum passt in die gleiche Disco wie der Titelsong.