DeepPurple_band_7 photocredit Jim RaketeHardrock-Maßarbeit.

Heute trägt Ian Gillan mal ein anderes Shirt. „Too old to die young“ war in letzter Zeit oft auf seiner Brust zu lesen, und natürlich traf das auf die graue Eminenz des Hardrock zu. Nach seinem 70. Geburtstag vor einigen Monaten dachte er sich wohl, dass dieser Scherz so langsam albern und überflüssig sei, also steht er heute mit einem schlichten schwarzen Shirt auf der Bühne. Schlicht, bodenständig und un­­aufgeregt sind sie ohnehin, die fleißigen Qualitätsarbeiter des Hardrock. Noch immer gehen sie regelmäßig auf Tournee, noch immer kommen die Menschen in Scharen. Ganz voll ist die Stuttgarter Schleyer-Halle zwar auch bei diesem Gastspiel nicht, rund 7000 Menschen anzulocken gelingt allerdings bis heute nur den Wenigsten. Diese 7000 bekommen natürlich genau das, was sie erwarten: Eine schnörkellose Rock-Show aus einer Zeit, in der lange Soli noch unverzichtbar waren. Im Verlauf der gut zweistündigen Sause dürfen sie fast alle mal ran. Ian Paice verdrischt liebevoll sein Schlagzeug, Don Airey lässt Orgel und Keyboard heulen, mengt bei seinem Alleingang die deutsche Nationalhymne hinein. Muss nicht sein. Klar, dass auch Steve Morse mal ohne den Rest der Band zeigen kann, was er draufhat. Braucht es das? Nicht unbedingt, am meisten Spaß machen Deep Purple ohnehin als Band. Gemessen an manchem Zeitgenossen ist die agil, fit, spielt auf den Punkt und mit reichlich Gusto. 40 Jahre Hardrock-Geschichte kommen auf den Teller, bei gutem Sound steigen die Engländer mit dem stürmischen ›Highway Star‹ ins Geschehen ein. Ian Gillan ist nach Startschwierigkeiten gut bei Stimme, meistert die hohen Lagen vielleicht nicht mehr so perfekt wie früher, hat aber sichtlich Spaß auf der Bühne. Kein Song erschallt so wie sie sich auf den Platten aneinanderreihen, gegen Ende steigt die Hitdichte mit Klassikern wie ›Space Truckin’‹ merklich an. Klar, vor der Zugabe darf auch ›Smoke On The Water‹ nicht fehlen – auch wenn einer der ikonischsten Rock-Songs aller Zeiten nun mal längst nicht Deep Purples bester ist. Sei’s drum: Die Stimmung ist am Siedepunkt. Natürlich. Da stören selbst die erschreckend stümperhaften und antiquierten Bilder und Animationen auf der Leinwand nicht. Die Musik zählt. Sie braucht keinen megalomanischen Überbau. Früher war das auch nicht vonnöten. Letztlich beweist das auch die Zugabe: Eine Show, die mit den Stücken ›Hush‹ und ›Black Night‹ beschlossen wird, ist mehr, als man als Gast einer Rock-Show erwarten kann. Vor allem dann, wenn die Musiker dahinter noch immer offensichtliche Freude daran und an sich selbst haben.