DeWolff„Er ist wirklich schräg drauf“, lacht Pablo van de Poel, Sänger und Saitenvirtuose des niederländischen Dreiers. „Und er weiß alles über Aufnahmetechniken und Sounds!“, fügt er hinzu. Der Mann, über den er spricht, ist Mark Neill, Grammy-Award-Gewinner und u.a Produzent der Black Keys. Hört man sich das neue Album GRAND SOUTHERN ELECTRIC an, bleibt nur das Fazit: eine phantastische Wahl. Auf ihrem vierten Werk klingen Pablo van de Poel, sein Bruder Luka (Drums) und Tastenmann Robin Piso ungewöhnlich laid back – vielleicht auch, weil die Aufnahmen in Valdosta, Georgia, stattfanden.

„Neill spielte uns stundenlang alte Platten vor, während wir heiß darauf waren, endlich unsere neuen Songs aufzunehmen. Aber er sagte: ‘Entspannt euch! Hört auf, so schrecklich ungeduldig zu sein!’ Und irgendwann um zwei Uhr nachts ging es dann los“, fasst der Niederländer das erste Treffen zusammen. „Jeden Tag holte er uns mit seinem Auto vom Hotel ab und brachte uns anschließend auch wieder zurück. Ohne seinen Shuttle-Service wären wir verloren gewesen. Niemand läuft in Valdosta zu Fuß. Wie auch? Sie haben nicht mal Bürgersteige dort. Als wir es einmal versuchten, merkten wir schnell: Laufen ist dort lebensgefährlich. Man hielt uns drei für verrückt!“ Verrückt oder nicht – DeWolff haben ihren Kosmos überaus gelungen erweitert. Der um viele Nuancen angereicherte Gesang überrascht nicht minder als die filigranen Arrangements des in nur zehn Tagen dingfest gemachten Albums. Das lässige Flair des Südens ist auf GRAND SOUTHERN ELECTRIC unüberhörbar. Unwillkürlich denkt man an das legendäre Debüt MUSIC FROM BIG PINK von The Band und an DIXIE CHICKEN der Southern-Truppe Little Feat – große Worte, die jedoch von Songs wie ›Ride With You‹ und insbesondere ›Ain’t Nothing Wrong (With A Little Bit Of Loving)‹ geschmeidig untermauert werden. Dem Trio ist nichts weniger als eine echte Großtat gelungen. Unaufgeregt und unwiderstehlich catchy schleichen die Wölfe herbei, integrieren Einflüsse von Flamenco, Country-Funk und Westcoast-Psychedelic, klingen erwachsen und bis in die kleinste Note beseelt.

Wird es nun endlich auch eine US-Tournee geben? „In Amerika zu touren, ist schwierig“, entgegnet Pablo van de Poel. „Du kannst zwar überall spielen, aber du wirst für deine Gigs in den Clubs nicht bezahlt. Es rechnet sich nicht.“

Umso besser für hiesige Fans, denn so wird der hoch energetische Dreier in absehbarer Zeit endlich auch wieder in Deutschland auf der Bühne stehen. Live sowieso ein Ereignis, fügen die Niederländer mit GRAND SOUTHERN ELECTRIC der Schatzkammer großartiger Alben unversehens ein Juwel hinzu, das allem Eindruck nach noch glänzen, wenn anderes sich schon als Tand entpuppt haben wird.