Lynyrd_Skynyrd_LS_03Johnny Van Zant durfte und musste seinen Bruder als Sänger von Lynyrd Skynyrd ersetzen, nachdem dieser bei dem tragischen Flugzeugabsturz der Band vor 35 Jahren ums Leben kam. Van Zant weiß von Höhen und Tiefen zu berichten und wie mit diesen richtig umzugehen ist.

Für CLASSIC ROCK nahm sich der unglaublich positive, so gar nicht verbitterte Frontmann der wohl größten und zugleich tragischsten Southern Rock Band die Zeit, um über vergangene Schicksalsschläge und die Zukunft von Lynyrd Skynyrd zu sprechen. Nach beinahe 40 Jahren Bandgeschichte und über 30 Millionen verkauften Tonträgern, bringen die Über-Südstaatler nun ihr neues Studioalbum LAST OF A DYIN‘ BREED auf den Markt.

Johnny, wie liefen die Arbeiten zu LAST OF A DYIN‘ BREED?
Oh, es war sehr cool! Wir produzierten das Album wieder in Nashville gemeinsam mit Bob Marlette. Wir hatten bereits GOD & GUNS dort eingespielt. Damals hatten wir einige Mitglieder der Band verloren. Das war eine harte Zeit und ein schwieriges Album für uns. Diesmal gingen wir ins Studio und sagten: „Hey, lasst uns einfach Spaß haben!“ Also klotzten wir so richtig ran.

Wie würdest du eure musikalische Entwicklung auf diesem Album beschreiben?
Was die Texte betrifft, bleiben wir uns bei diesem Album treu und behandeln die Dinge, die um uns herum passieren. Wir haben immer über das geschrieben, was wir kennen. Vielleicht sind wir diesmal sogar etwas mehr in die Tiefe gegangen. Musikalisch sind wir bei unserem Stil von GOD & GUNS geblieben. Auch John 5 hat wieder mitgewirkt. Insgesamt haben wir nach dem Motto „Repariere nicht, was nicht kaputt ist“ gearbeitet. Natürlich will man immer ein noch besseres Album machen, aber welches das beste ist, entscheiden die Fans.

Hat der Verlust von Billy Powell und Ean Evans vor drei Jahren LAST OF A DYIN‘ BREED beeinflusst?
Oh ja! Weißt du, das war echt hart. Ean war so ein großartiger Kerl. Er wollte leben, wurde gerade wieder Großvater und hatte noch soviel, für das es sich zu leben lohnte. Ich wünschte er wäre heute bei uns. Das mit Billy war noch dazu ein Schock. Das kam aus heiterem Himmel. Er war ja nicht krank. Ich bin mir sicher, dass die beiden – genau wie all die anderen, die schon von uns gehen mussten – bei allem was wir tun und auf allen Alben dabei sind. Ich glaube fest daran, dass ihr Geist uns immer begleitet. Ich bin ein wahrer Gläubiger. Ich trage das Kreuz um meinen Hals nicht als Schmuck.

Laut dem neuen Albumtitel seht ihr euch als die letzten einer aussterbenden Spezies. Denkst du, dass es keine jungen Southern Rocker mehr gibt?
Oh doch! Ich liebe Blackberry Smoke und dann sind da natürlich Black Stone Cherry. Ihr Sänger Chris hat sogar ein Lied für LAST OF A DYIN‘ BREED geschrieben. Es heißt ›Life‘s Twisted‹. Wir spielen das Lied natürlich auf unsere eigene Art, aber diese Nummer war schon davor fantastisch und ich liebe Chris‘ Stimme. Sie sind wundervolle Jungs. Wir waren mit ihnen und Kid Rock auf Tour und jeden einzelnen Abend, egal ob 50 oder 1.000 Leute im Publikum waren, sie spielten als wären es 1.000.000 Menschen. Das ist die neue Brut, die haben echt Feuer unterm Hintern!

Stört es dich, wenn die Leute euch nicht als die echten Lynyrd Skynyrd sehen?
Es ist so. Wir sind eben eine Familie. Als wir uns zehn Jahre nach dem Absturz für sechs Wochen zusammengetan hatten, um unseren Freunden zu gedenken und danach wieder getrennte Wege gingen, fühlte sich das an wie ein neuer Flugzeugabsturz. Wir vermissten einander sehr. Also trafen wir uns wieder und wollten sehen, was passiert, wenn wir wieder Musik machen und jetzt sind wir hier – ganze 25 Jahre später.

Wie eine echte Familie entwickelt sich auch Lynyrd Skynyrd. Die alten müssen irgendwann gehen, aber die nächste Generation kommt nach. Skynyrd war immer eine Überlebensgeschichte und solange wir atmen und der Herr uns Gesundheit schenkt werden wir Musik machen. Was sollten wir auch anderes tun?

Lest hier „Stationen der (Leidens-) Geschichte von Lynyrd Skynyrd“ …