Die Top 50 Alben des Jahres: Platz 20-11

Die 50 besten Alben 2018

Zwölf Monate, hunderte von neuen Alben, tausende von Songs – gute, schlechte, grandiose Stücke. Wer kann da den Überblick bewahren? Gut, dass es die CLASSIC ROCK-Redaktion gibt. Wir sind in der Zeit herumgereist, haben uns für euch angestrengt erinnert, haben gesammelt, recherchiert, diskutiert, bewertet, und auch gekämpft. Das ist dabei herausgekommen: die 50 besten Alben des Jahres 2018, Platz 20-11!

Platz 20: The Sheepdogs: CHANGING COLOUR (DINE ALONE RECORDS)

Optisch erinnern einen die Durchstarter aus Kanada an Gram Parsons, und auch klanglich verweilen die Sheepdogs liebend gerne in dieser Ära: Die 60er und 70er fluten ungebremst durch ihre Kompositionen, die Allman Brothers, CCR und Co. lassen auch auf CHANGING COLOURS ganz deutlich grüßen, wobei sich auch ein paar Melodien á la ABBA, ein Hauch Santana und psychedelische Ergüsse mit viel Orgel eingeschlichen haben und so dem Etikett „Retro“ auf vielschichtige Weise alle Ehre gemacht wird.
Anspieltipp:
›I’ve Got A Hole Where My Heart Should Be‹

Platz 19: Lenny Kravitz: RAISE VIBRATION (BMG/WARNER)

Ein Protestalbum gegen Hass, Krieg, modernen Weltwahnsinn braucht nach Meinung von Lenny Kravitz keinerlei emotionale Ausbrüche Richtung Wut. Ganz im Gegenteil: Mantrische Soul-Grooves, erzeugt mit allen erdenklichen Klangerzeugern, klopfen einen weich, bis sich die Liebesrevolution nicht explosionsartig, sondern als Schwelbrand im Herzen des Hörers entfacht. Das klappt auf RAISE VIBRATION nicht ohne Schmalz, der sich durch Lennys bemerkenswertes Songwriting aber sehr geschmackvoll ergießt.
Anspieltipp: ›It’s Enough‹

Platz 18: Courtney Marie Andrews: MAY YOUR KINDNESS REMAIN (LOOSE MUSIC/ROUGH TRADE)

Anders als auf ihrem Durchbruch bringenden, vorwiegend akustischen Vorgänger wagt die 27 Jahre junge Courtney Marie Andrews aus Arizona für komplexere, elektrischere Arrangements ihre Stimme noch weiter zu dehnen und nimmt mit Soul, Motown und Americana die Hürde in den CLASSIC ROCK-Kosmos. Be­­stimmt nicht unbeteiligt an dem wundervollen Ergebnis: Produzent Mark Howard (Bob Dylan, Neil Young, Marianne Faithfull).
Anspieltipp: ›Border‹

Platz 17: Black Rebel Motorcycle Club: WRONG CREATURES (PIAS/ROUGH TRADE)

Ja, es gibt sie noch, die Bands, die ihr ganz eigenes Ding machen. Black Rebel Motorcycle Club tun das seit bald 20 Jahren so überzeugend, dass sie es zu ihrem achten Album geschafft haben – das einen echten Karrierehöhepunkt darstellt. Mal sphärisch, mal schräg, mal entrückt, mal knackig, aber immer faszinierend, sind die Kalifornier ein Unikum, das in seiner Nische dunkel funkelnd blüht und gedeiht.
Anspieltipps: ›Calling Them All Away‹,
›Ninth Configuration‹

Platz 16: The Damned: EVIL SPIRITS (CAROLINE/SPINEFARM)

Dave Vanian, Captain Sensible & Co. waren schlau genug, sich 41 Jahre nach ihrem Debüt nicht als alternde Radaubrüder zu geben. Auf EVIL SPIRITS huldigen The Damned viel mehr den Einflüssen, die damals zur Londoner Punk-Explosion ihr Alleinstellungsmerkmal waren: Späte Sixties und Glamrock regieren auf ihrem Comeback, das auch Producer-Legende Tony Visconti (David Bowie!) in alter Höchstform zeigt.
Anspieltipp: ›Standing On The Edge Of Tomorrow‹

Platz 15: Mark Knopfler: DOWN THE ROAD WHEREVER (EMI/UNIVERSAL)

Nicht spektakulär, aber gut gemacht. So waren die jüngsten Solowerke des Briten, und so ist auch sein neuestes. Zwischen Songwriter-Rock, Country-Folk und angejazzten Crooner-Stücken denkt Knopfler über das Alter und die Liebe nach – und kehrt in ›One Song At A Time‹ sogar in die Anfangsjahre der Dire Straits zurück. Die Platte eines Mannes, der niemandem mehr etwas beweisen muss, sondern einfach Spaß an der Musik hat.
Anspieltipp: ›Good On You Son‹

Platz 14: Marianne Faithfull: NEGATIVE CAPABILITY (BMG/WARNER)

Irgendwie gibt es kaum eine Bezeichnung, die dieser Frau wirklich gerecht wird. 60s-Ikone? Viel zu limitierend. Grande Dame? Viel zu oberflächlich, und wovon eigentlich? Überlebens­künstlerin? Fast schon herablassend, als sei das einzig Bemerkenswerte an ihr, noch nicht zerbrochen zu sein an all dem Mist, den sie durchgemacht hat. Dass man Marianne Faithfull bis heute automatisch mit den Rolling Stones in Verbindung bringt, die sie vor Urzeiten schlagartig so bekannt machten, hilft auch nicht unbedingt, denn seien wir mal ehrlich – sie hat mindestens in den letzten 30 Jahren viel mehr relevante Musik hervorgebracht als Mick Jagger und seine Kollegen. Und dass sie nun in ihren 70ern noch mal so ein Meisterwerk wie NEGATIVE CAPABILITY hervorzaubert, ist umso beeindruckender. Was hat die Dame nicht alles ertragen müssen – und dementsprechend schwermütig sind auch die Themen hier. Verlust, Krankheit, Einsamkeit, Sterblichkeit, alles wird hier angepackt, ohne Samthandschuhe, ohne Ver­klärung, ohne Filter, ohne mildernde Umstände, dafür mit dieser wahnsinnigen Stimme, die objektiv so gar nicht gut ist und doch so tief bewegt wie wenige andere. Faithfull fühlt jede Silbe, jeden Ton, doch erstaunlicherweise ist das Ergebnis kein depressives Wundenlecken, keine resignierte Abrechnung, sondern von einer entrückten Schönheit, die in all der Finsternis immer noch trotzig die Stirn bietet und sogar noch Raum für Lebensfreude findet. Und so wird man mit jedem Durchlauf weiter hineingezogen in diesen mal folkigen, mal dezent rockigen Reigen aus Offenbarungen, die in ihrer getragenen, zurückhaltenden, aber dennoch oder vielleicht gerade deswegen unglaublich mächtigen Emotionalität Betroffenheit und Euphorie zu verbinden verstehen, wie man das nur äußerst selten erlebt. Also bezeichnen wir die Britin doch einfach mal so: als große, erhabene, einzigartige Künstlerin, die ihre Seele stets maximal authentisch offenlegt. Und dafür sollten wir alle verdammt dankbar sein.
Anspieltipps: ›Born To Live‹,
›They Come At Night‹, ›No Moon In Paris‹
Matthias Jost

Platz 13: Alejandro Escovedo: THE CROSSING (YEP ROC/H’ART)

Der US-Sänger mit mexikanischer Abstammung gräbt sich ganz tief hinein in die Seele Amerikas. Aus der Perspektive zweier Immigranten erzählt er von einem verwundeten Land, das eigentlich wie kein anderes für Freiheit steht, in dem aktuell aber Mauern gebaut werden und Rassismus und Hartherzigkeit herrschen. Musikalisch ist er dabei zwischen Wüstenrock, 70s-Punk, Americana und auch Jazz unterwegs.
Anspieltipp: ›Silver City‹

Platz 12: Doyle Bramhall II: SHADES (MASCOT/ROUGH TRADE)

Mit den Vaughan-Brüdern aufgewachsen, mit Eric Clapton und Roger Waters auf Tour gewesen. Doyle Bramhall II hat jede Menge Erfahrungen gesammelt. Die kanalisiert der Meistergitarrist auf seinem fünften Solowerk. Wobei er so ganz allein auch hier nicht ist: Clapton und Norah Jones treten – neben anderen – als Gäste auf. Gemeinsam grooven sie sich zwischen Soul, Funk und Blues ein.
Anspieltipp: ›Everything You Need‹

Platz 11: Blackberry Smoke: FIND A LIGHT (EARACHE/ADA/WARNER)

Ihr sechstes Studioalbum macht Hoffnung, dass der Welt auch weiterhin Southern-Country-Folk-Hardrock, auf hohem Niveau be­­wahrt bleiben wird. Denn die sympathischen Herren aus Atlanta schrieben erneut eines der besten Südstaaten-Alben des Jahres. Blackberry Smoke zeigen einfach jedes Mal wieder, wie musikalische Leichtigkeit nach altem Prinzip aber mit stets neuer Frische auszusehen hat.
Anspieltipp: ›Run Away From It All‹

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