Die wahren 100 besten Alben der 80er: Platz 14-6

Die wahren besten Alben der 80e

Ihr glaubt, die besten Alben dieser oft belächelten Dekade zu kennen? Dann lasst euch eines Besseren belehren. Wir präsentieren die Platten, die wirklich wichtig waren.

Willkommen zu unserem monumentalen Countdown der WAHREN 100 besten Alben der 80er – der Auswahl für echte Kenner. Bitte hereinspaziert zu Platz 15-6:

14
AC/DC: FOR THOSE ABOUT TO ROCK
ATLANTIC, 1981

Es erreichte zwar Platz 1 in den USA, doch nur 16 Monate nach BACK IN BLACK war es un­­vermeidlich, dass AC/DCs achtes Studioalbum von seinem Vorgänger überschattet würde. Trotzdem ist es ein mehr als würdiger Nachfolger dieses Klassikers. „Mutt“ Lange streute wieder seinen Zauberstaub über die erdigen Grooves der Band und das donnernde Intro des Titelstücks ist nach wie vor spektakulär. PR
Zeitzeugen:
„Unter all den riesigen Gitarrenriffs und den magenschwingenden Rhythmen sind AC/DC eine außergewöhnlich kompetente Songwriter-Band.“
Rolling Stone

13
Nine Inch Nails: PRETTY HATE MACHINE
TVT, 1989

Electro-Dance trifft auf Heavy Metal? Das war ein absolutes Tabu, bis Bands wie Ministry und Nine Inch Nails – genauer gesagt ihre 1989er-Alben THE MIND IS A TERRIBLE THING respektive PRETTY HATE MACHINE – erschienen. Das NIN-Debüt sollte beileibe nicht das härteste Werk in der Diskografie bleiben, doch Songs wie ›Head Like A Hole‹ schafften mit großem Mut – und Erfolg – den Brückenschlag zwischen diesen Genres. Und auch wenn diese Platte 1991 schon zwei Jahre alt war, war es die Teilnahme an der ersten Lollapalooza-Tour in jenem Jahr, die allen anderen die Schau stahl, Nine Inch Nails einem Massenpublikum vorstellte und sie in die höchsten Chartregionen katapultierte. GP
Zeitzeugen:
„Die Darbietungen und die Produktion bekommen Bonuspunkte dafür, ein bisschen Abwechslung in den Industrial zu bringen, doch durch den teils weinerlichen Gesang verlieren sie sie wieder.“ Chicago Tribune

12
Peter Gabriel: PETER GABRIEL
Virgin, 1980

Sein sich auflösendes Gesicht auf dem Cover seines dritten Albums (daher auch als MELT bekannt) ist vielleicht eine Metapher dafür, dass er das Image des blumigen Ex-Frontmanns von Genesis ab- und sich für die 80er ein neues, künstlerischeres zulegte. Der geniale Pop darauf war ebenfalls neu und „arty“ und verband Gabriels menschliche Wärme mit mechanischem Piepsen und schwerer Percussion. Doch der Kinderlied-Text und das Pfeifen auf dem großen Hit ›Games Without Frontiers‹ zeigten, dass sein Sinn für Humor und das Absurde immer noch intakt war. MB
Zeitzeugen:
„Gabriels drittes Solowerk bleibt im Kopf hängen wie die tragischen Helden der besten Noir-Filme“
Rolling Stone

11
The Clash: COMBAT ROCK
CBS, 1982

Nach ein paar experimentellen Mehrfach-Alben, die sich in allen möglichen Genres austobten, klang das relativ kompakte COMBAT ROCK fast wie die Konsolidierung nach einer langen Karriere. Doch wer erwartete, die Globetrotter würden ihre Klamottenkiste komplett ausmustern, unterschätzte ihre Vision gewaltig. 1982 absorbierten The Clash neue Klänge genauso mühelos, wie sie ihren Look änderten. Die Dunkelheit von „Apocalypse Now“ infizierte die Texte, Beat-Poesie stand Seite an Seite mit Kaftan-Chic und ein erweiterter Horizont verlieh jedem Song einen Breitwand-Sound. Die knalleng verpackte Intensität von COMBAT ROCK erreichte in den zwar USA Doppelplatin, doch letztendlich bedeutete sie auch das Ende der Band. IF
Zeitzeugen:
„Es beweist, dass The Clash auf einer einzelnen Platte genauso weit ausholen können wie auf einem Dreifach-Album.“
Record Mirror

10
Jane’s Addiction: NOTHING’S SHOCKING
Warner, 1988

„Nirvana werden oft als die erste Alternative-Band genannt, die den Durchbruch schaffte, die Musik veränderte und den Rock aus der Hair-Metal-Wildnis der 80er führte“, sagte Tom Morello von Rage Against The Machine 2011. „Aber das ist einfach nicht wahr. Es waren Jane‘s Addiction: inspirierend, intelligent, hart rockend und mit künstlerischem Tiefgang.“
Man kann nicht leugnen, dass die Alternative-Rocker aus L.A. für ihr Major-Label-Debüt viel Kritikerlob einheimsten. Oder dass die feurigen, wilden, alle Genres (und Geschlechter) ignorierenden Momente wie ›Mountain Song‹ und ›Pigs In Zen‹ eine ganze Legion wichtiger Bands mobilisierten. In einer Welt aus plumpem Pudel-Rock waren ›Had A Dad‹ und ›Standing In The Shower…Thinking‹ raue, harte Gossenhymnen, die mit aufregender Weitsicht die Szene der 90er vorwegnahmen.
1988 war die alles durchdringende Sexualität des Albums auch sein Fallstrick: Das Cover mit den in Flammen stehenden, nackten siamesischen Zwillingen führte dazu, dass es im US-Einzelhandel nur in einer Papierhülle verkauft wurde, während das Video zu ›Mountain Song‹ aufgrund zu viel nackter Haut von MTV boykottiert wurde. NOTHING‘S SHOCKING gab den Startschuss für den Alternative Rock, doch erreichte in den US-Albumcharts gerade mal Platz 103. Manchmal reicht es nicht, ein Pionier zu sein, um die Kassen klingeln zu lassen. HY
Zeitzeugen:
„Wenn sie den Camp-Faktor hochfahren oder Nylon über Leder ziehen, wenn Farrell seine schräge Degenerierten-Poesie vom Stapel lässt, können sie bitterböse glänzen.“
Melody Maker

09
U2: WAR
ISLAND, 1983

Mit ihrem Drittwerk setzten sich U2 das Ziel, das ab­­­zustreifen, was Bono als das „nette Image“ der Dubliner wahrnahm – und sie ließen nichts anbrennen. Der engelsgleiche Junge auf dem Cover von BOY (1980) hatte nun eine gespaltene Lippe und starrte ins Leere. Der Hörer wurde damit in eine Welt entführt, in der der gnadenlose Beat von ›Sunday Bloody Sunday‹ den Ton angab. Wenn, wie Bono sagte, „Krieg das Thema für 1982“ war, hatten U2 hiermit den perfekten Soundtrack dazu abgeliefert. Es entstand im Schatten des Falkland-Konflikts und der Turbulenzen in Nahost und führte zu Songs wie ›Seconds‹ und dem drahtigen ›Like A Song…‹, die deutlich härter waren als die Stadionhymnen ihrer späteren Platten. Am kraftvollsten waren jedoch Bonos Texte. Politisch, aber noch nicht mit erhobenem Zeigefinger, fand er nie wieder so starke Worte wie auf ›Sunday Bloody Sunday‹ über das Massaker von 1972 („Broken bottles under childrens feet, bodies strewn across the dead-end street“). Mit WAR vertrieben U2 Michael Jacksons THRILLER von der Spitzenposition in Großbritannien und schafften den Durchbruch in den USA – und doch wurde es von den meisten Kritikern verrissen. Ganz zu schweigen davon, dass es auf ewig im Schatten von THE JOSHUA TREE von 1987 stehen sollte. Was schade ist, denn die Themen dieses Albums sind leider bis heute relevant. In ›Sunday Bloody Sunday‹ wurde die treffende Frage gestellt: How long must we sing these songs? HY
Zeitzeugen:
„Es will genau das Gegenteil beweisen, doch WAR ist ein weiteres Beispiel für die Hilflosigkeit und den Verfall der Rockmusik.“
NME

08
Robert Plant: NOW AND ZEN
ES PARANZA, 1988

Robert Plant verbrachte die erste Hälfte der 80er damit, vor Robert Plant wegzurennen – dem stolzierenden, enge Ho­­sen tragenden Robert Plant der Led-Zeppelin-Ära. Doch auf seinem vierten Soloalbum NOW AND ZEN versöhnte er sich endlich wieder mit dem Mann, der er mal war. Moderne Technologie und die imaginäre computerisierte Zukunft des Pop standen hier zwar im Mittelpunkt, doch er hatte auch keine Angst, die Vergangenheit anzuerkennen. Zum ersten Mal seit sieben Jahren fand Plant wieder den goldenen Gott in sich, sang sogar „since I‘ve been loving you“ und ließ Jimmy Page auf ›Heaven Knows‹ sowie ›Tall Cool One‹ (mit frechen Samples alter Zep-Riffs à la Beastie Boys) gastieren. Noch besser war, dass ›The Way I Feel‹ und ›Ship Of Fools‹ bewiesen, dass Plant die melodramatischen Halbballaden besser draufhatte als all die jungen Hardrock-Acts, die damals MTV dominierten. Die programmierten Drums und die fiependen Synthies schreien zwar ebenso laut „1988“ wie ein Paar Stonewashed-Jeans, doch der Brite sollte nie wieder so lebendig und gleichzeitig so wie sein altes Ich klingen wie hier. MB
Zeitzeugen:
„Konzeptuell sehr einfallsreich.
In vielerlei Hinsicht ist Plant
besser denn je.“
Rolling Stone

07
Metallica: RIDE THE LIGHTNING
MUSIC FOR NATIONS, 1984

Von eintönig zu bunt, von Jungen zu Erwachsenen, von Amateuren zu Profis. Wie auch immer man es ausdrücken will, war ihr Zweitling die Platte, auf der Metallica die entscheidende Verwandlung vollzogen. Eine, die Ohren und Augen für das öffnete, was sie – und ihr Genre – werden könnten.
Ein Großteil davon ist den Interessen und Besessenheiten von Bassist Cliff Burton geschuldet, für den es leider zu einem sehr kurzen Vermächtnis werden sollte. Seine Liebe für alle möglichen Dinge, vom kultig-blutigen Horror des HP Lovecraft bis zu den Eigenheiten und der schieren Power, die wechselnde Tempi, Gitarrenharmonien und musikalische Dynamik in die unwiderstehlichen Riffs der Band brachten, ist auf der ganzen Platte offensichtlich. Die hohe, verzerrte Bassmelodie im Intro von ›For Whom The Bell Tolls‹ und das ausgedehnte Solo auf dem Instrumental ›The Call Of Ktulu‹ am Ende stammten von ihm.
Ehrgeiz und eine angeborene An­­griffslust waren hier essenzielle Grundsteine, und diese Kampfeslust war nicht nur nützlich für beißende Thrasher wie ›Creeping Death‹ und ›Fight Fire With Fire›, sondern auch, um all jenen einen Stinkefinger entgegenzustrecken, die an ›Fade To Black‹ zweifelten, dem Vorläufer all ihrer Powerballaden.
RIDE THE LIGHTNING war ein Quantensprung für die Kalifornier und sicherte dem Heavy Metal eine glänzende Zukunft. JH
Zeitzeugen:
„Eines der besten, originellsten Heavy-Metal-Alben aller Zeiten.“
Kerrang!

06
Whitesnake: LIVE… IN THE HEART OF THE CITY
EMI, 1980

Mit ihrem Bestseller 1987 wurden Whitesnake zu einer der größten Rockbands der Welt. Der löwenhafte David Coverdale, unterstützt von ähnlich haarigen Typen, eroberte mit den Hits ›Here I Go Again‹ und ›Is This Love‹ MTV und den Planeten. Doch 1980 sah die Sache noch anders aus. Dies war eine völlig andere Truppe.
Als Coverdale sie 1978 gründete, nachdem er sich als Frontmann von Deep Purple einen Namen gemacht hatte, lag sein Fokus noch auf beseeltem, bluesbasiertem Hardrock. Und der klang nie besser als auf LIVE…IN THE HEART OF THE CITY, einem Doppelalbum, das 1978 und 1980 im Londoner Hammersmith Odeon mitgeschnitten worden war. Bei der ersten Show saß noch der erste Drummer Dave Dowle am Schlagzeug. Bei der zweiten jedoch war schon das klassische Line-up zu hören: Coverdale, die Gitarristen Bernie Marsden und Micky Moody, Bassist Neil Murray und die beiden Purple-Kollegen Ian Paice und Jon Lord an Drums respektive Keyboards. Klassiker wie ›Fool For Your Loving‹ und ›Love Hunter‹ fingen die Selbstsicherheit der Band perfekt ein, während auf einer wunderbaren Interpretation des Soul-Standards ›Ain‘t No Love In The Heart Of The City‹ die magische Verbindung zwischen Coverdale und seinem Publikum – dem „Whitesnake-Chor“ – spürbar wurde. PE
Zeitzeugen:
„Coverdale und seine Jungs zeigen den Zynikern die kalte Schulter.“
New Music News

1 KOMMENTAR

  1. So ein Schwachsinn. Musik ist immer noch Geschmackssache! Die „wahren“ besten Alben bestimmt jeder für sich selbst. Und nicht irgendwelche „Experten“!

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