Die wahren 100 besten Alben der 80er: Platz 42-32

Die wahren besten Alben der 80eIhr glaubt, die besten Alben dieser oft belächelten Dekade zu kennen? Dann lasst euch eines Besseren belehren. Wir präsentieren die Platten, die wirklich wichtig waren.

Willkommen zu unserem monumentalen Countdown der WAHREN 100 besten Alben der 80er – der Auswahl für echte Kenner. Bitte hereinspaziert zu Platz 42-32:

42
THE UPLIFT MOFO PARTY PLAN
Red Hot Chili Peppers
EMI, 1987

RHCP
Auf ihrem dritten Al­­bum zündete ihr Mix aus Punk und Funk endlich so richtig – mit umwerfendem Ergebnis. Die Energie auf Songs wie ›Fight Like A Brave‹, ›Backwoods‹ und ›Skinny Sweaty Man‹ ist auch heute noch grandios überdreht, während der berückend schöne Psychedelic-Pop von ›Behind The Sun‹ bewies, dass die Band mehr drauf hatte (und andeutete, welche Vielfalt an melodischeren Stilrichtungen sie später noch einschlagen würde). Wer wissen will, wo die Funk-Metal-Acts, die in ihrem Fahrwasser so groß wurden, ihren Zündfunken fanden, sollte sich diese Platte und ihren Nachfolger MOTHER’S MILK anhören. GP
Zeitzeugen: „Wird ziemlich schnell ziemlich ermüdend … Diese Band hat auf der Bühne alles unter Kontrolle, ist im Studio aber eher hilflos.“ Los Angeles Times

41
MURMUR
R.E.M.
I.R.S., 1983

REM
Als es danach aussah, als werde der Synthiepop die 80er dominieren, waren R.E.M. Teil einer Gitarren-Résistance in den USA, die wie Dream Syndicate und Hüsker Dü die melodischen Qualitäten der 60er mit der Mentalität des Punk verbanden. Doch Gitarrist Peter Buck erinnerte sich, dass es seine Band war, die bald zum Aushängeschild wurde. Der Titel dieses Debüts be­­schrieb ziemlich passend Michael Stipes geheimnisvollen Gesang, die flimmernde Atmosphäre der ländlichen Südstaaten und den Sound im Stil der Byrds. Dass diese Platte in den USA die Top 30 erreichte, schuf für Alternative überhaupt erst einen Platz im amerikanischen Radio, den Nirvana später explosionsartig übernehmen würden. NH

Zeitzeugen:
„R.E.M. haben sich gründlich verändert … Das Ergebnis klingt sowohl bekannt als auch komplett eigenständig.“ Creem

40
DISCIPLINE
King Crimson
E.G., 1981

KING CRIMSON
Nach einer siebenjährigen Pause hätte man befürchten können, dass King Crimson (mit Ro­­bert Fripp als einzigem verbleibenden Mitglied früherer Inkarnationen) hoffnungslos dem Zeitgeist hinterher hecheln würden. Stattdessen war DISCIPLINE genau am Puls der Zeit, vor allem mit dem technoiden Funk und dem Mutanten-Discosound der Talking Heads und dem Nebenprojekt von David Byrne und Brian Eno. Adrian Belews Gesang erinnert ebenfalls stark an Byrne, während der Opener ›Elephant Talk‹ genauso gut auf REMAIN IN LIGHT hätte sein können. Der Rest wechselte zwischen harten und richtig harten Rhythmen, komplexen Gitarren und fesselnden Ethno-Experimenten. PL

Zeitzeugen: „Musikalisch gar nicht übel – die Heads treffen auf ‚The League Of Gentlemen‘.“ Christgau‘s Consumer Guide

39
FRONTIERS
Journey
COLUMBIA, 1983

Journey_Frontiers
Wie zum Teufel sollten Journey nur den gigantischen Erfolg von ESCAPE (1981) toppen? Ganz einfach – indem sie demselben Prinzip aus melodischem Rock und sanften Balladen des Vorgängers folgten. Und genau das taten sie mit FRONTIERS. Während zudem andere etablierte Rockbands sich noch schwer damit taten, auf den Videoclip-Trend aufzuspringen und die wachsende Bedeutung von MTV zu erkennen, nutzten es Journey zu ihrem Vorteil mit dem beliebten (aber heute natürlich unfreiwillig komischen und veralteten) Clip zu ›Separate Ways (Worlds Apart)‹. Dazu gab es noch ›Faithfully‹, einen Song, der auf zahllosen Schulbällen von Küste zu Küste für Tränen und innige Umarmungen sorgte. NH

Zeitzeugen: „Große musikalische Begabung, aber es gibt hier nicht viel zu lernen, außer wie smarte Typen Heavy Metal spielen.“ Rolling Stone

38
THE FINAL CUT
Pink Floyd
HARVEST, 1983


Als Pink-Floyd-Al­­bum war THE FI­­NAL CUT eher enttäuschend. Doch wenn man es aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet, ist es ein großartiger Anfang für Roger Waters‘ Solokarriere und sollte als solcher auch neu bewertet werden.
Der Rest der Band war hier kaum noch anwesend. Rick Wright fehlt ganz, nachdem er drei Jahre zuvor ausgestiegen war, doch den meisten Fans war das nicht mal bewusst, bis sie die Credits lasen. David Gilmour und Nick Mason waren unterdessen zu Sessionmusikern degradiert worden. Mason sagte: „Das war eine furchtbare Zeit mit Roger, der uns immer mehr wie nutzloses Equipment behandelte, das Ganze komplett unter seine Kontrolle bringen wollte und drohte: ‚Wenn wir noch eine Platte machen wollen, wird es nach dieser hier anders sein‘.“

Waters war auf jeden Fall kein sehr zufriedener Mensch, immer noch verletzt nach kreativen Streitigkeiten mit dem Filmproduzenten Alan Parker über den Film zu „The Wall“. Er war vor allem wütend und verbittert, hasste seine Bandkollegen, und der Konflikt zwischen Großbritannien und Argentinien um die Falkland-Inseln machte es nicht besser.

Doch als es daran ging, all diese Negativität in A REQUIEM FOR THE POST WAR DREAM (so der Untertitel zu A FINAL CUT) zu gießen, lieferte Waters eine beißende Kritik an unseren Anführern und den Spielen, mit denen sie ihre Macht er­­halten, ab. Widerworte duldete er dabei nicht. „Die Tatsache war nun mal, dass ich diese Platte machte. Dave mochte sie nicht und sagte das auch. Da war kein Platz für irgendjemand sonst, um Songs zu schreiben. Ich spielte keine Gitarrensoli, Dave schrieb keine Texte.“

THE FINAL CUT schließt an THE WALL an, doch diesmal ist es persönlich. Waters fokussiert sich auf den Tod seines Vaters, den er nie kannte, weil er in der Schlacht von Anzio 1944 gefallen war, dann auf seinen Zorn über den Falkland-Krieg.

Unablässig fließt hier die Galle, vom Opener ›Post War Dream‹ mit seiner bitteren Attacke auf die Natur des Krieges zum finsteren Humor von ›The Fletcher Memorial Home‹, wo Waters seine Verachtung für die „unheilbaren Tyrannen“ der Welt ausspuckt, darunter Thatcher, Galtieri, Reagan und Breschnew.
Die bittere Pille wird von keinerlei radiofreundlichen Melodien versüßt, dafür gibt es jede Menge Dramatik – Waters‘ Paradedisziplin –, verstärkt durch eine neue holofonische Klangtechnik, die einen dazu bringt, sich instinktiv zu ducken, wenn man eine Rakete über seinen Kopf zischen hört. HF

Zeitzeugen: „Dies könnte das krönende Meisterwerk des Artrock sein.“ Rolling Stone

37
STATE OF CONFUSION
The Kinks
ARISTA, 1983


Nachdem ihnen Ende der 60er das Touren in den USA verboten worden war, verbrachten die Kinks die 70er damit, verlorenen Boden gutzumachen. Der Gipfel war STATE OF CONFUSION. Das sehr englische ›Come Dancing‹ war ihr größter Hit seit ›Lola‹, während das Album die Sensibilität, den Witz, die Paranoia und rohe Kraft ihrer 60s-Hochphase für Reagans USA neu konfigurierte. Ein höchst persönlicher Stadionrock-Klassiker. NH

Zeitzeugen: „Niemand außer den Kinks hätte 1983 so eine Platte machen können, und keine Band verdient es mehr, an der Spitze zu stehen.“Rolling Stone

36
SURFING WITH THE ALIEN
Joe Satriani
RELATIVITY, 1987


Fast zehn Jahre nach Van Halen war es an einem ab­­­gebrannten ehemaligen Gitarrenlehrer, diesem Instrument zu seinem nächsten Quantensprung zu verhelfen. Joe Satriani konnte es technisch mit jedem in der Shred-Szene aufnehmen, aber ein Song wie ›Always With Me‹ platzierte die Melodie im Mittelpunkt, während ›Satch Boogie‹ den Groove über technische Fertigkeiten stellte. Das Fehlen eines menschlichen Kehlkopfes bedeutete, das ALIEN nie ganz den Mainstream erobern konnte, doch Platz 29 in den USA bewies immerhin, dass dieser Meilenstein des Instrumental-Rock nicht nur von Gitarren-Nerds gekauft wurde. HY

35
THE PROS AND CONS OF HITCH HIKING
Roger Waters
HARVEST, 1984


Waters präsentierte diese Idee 1977 seinen Bandkollegen von Pink Floyd, sie basierte auf einem seltsamen Konzept – irgendwas mit Midlife-Crisis. Die Band lehnte ab und machte stattdessen THE WALL. Als sein erstes Soloalbum wiederauferstanden, bot THE PROS einem frisch erstarkten Eric Clapton an der Gitarre eine Bühne. Bei der Veröffentlichung erntete die Platte viel Häme, u.a. für das Softporno-Cover, doch sie klingt ebenso bedrohlich imposant wie Waters‘ beste Arbeiten mit Floyd. PR

Zeitzeugen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand mehr als einmal diese ziemlich hässliche Platte anhört.“Rolling Stone

34
DUKE
Genesis
CHARISMA, 1980


Ausgerechnet der traurige Anlass des Scheiterns von Phil Collins‘ erster Ehe war das Katalysator dafür, dass Genesis die Charts eroberten. Nachdem sie jahrelang ihre Gefühle unter einem Tsunami aus Arpeggi und Paradiddles begraben hatten, schrieben Collins & Co. auf DUKE über Liebe und Herzschmerz. ›Turn It On Again‹, ›Man Of Our Times‹ und ›Misunderstanding‹ sind Paradebeispiele für Prog-Pop, mit cleveren Passagen für die „Luft“-Keyboarder und richtigen Melodien für die „Top Of The Pops“-Zuschauer, die noch nie ›The Return Of The Giant Hogweed‹ gehört hatten – und nie hören würden. MB
Zeitzeugen: „Peter Gabriels Witz geht ihnen schmerzlich ab … doch Genesis sind noch nicht reif für den Abschied.“ Rolling Stone

33
FREEDOM
Neil Young
REPRISE, 1989

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Er gab selbst zu, dass die 80er Jahre schwierig für ihn waren. Mit einer Reihe äußerst durchwachsener Al­­­­ben hatte er die Geduld selbst der eingefleischtesten Fans auf die Probe gestellt, bevor er einen Tiefpunkt erreichte, als ihn sein Label Geffen verklagte, weil er „unrepräsentative“ Musik mache. FREEDOM, je zur Hälfte elektrischer Rock und akustisch, riss das Ruder herum. ›Crime In The City‹ und ›Eldorado‹ bewiesen, dass seine Muse ihn noch nicht verlassen hatte, doch im Mittelpunkt stand natürlich ›Rockin‘ In The Free World‹ – so gut, dass es gleich zweimal drauf war. RH

Zeitzeugen: „Ein klassisches Neil-Young-Album, das die Folkstücke und den stampfenden Rock enthält, die ihn berühmt gemacht haben.“ Village Voice

32
DRAMA
Yes
ATLANTIC, 1980

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Das zehnte Werk der Prog-Titanen war eines ihrer kontroversesten, nachdem Jon Anderson und Rick Wakeman ausgestiegen waren. Zuvor gebuchte Konzerte mussten ab­­solviert, ein neues Line-up gefunden und ein neues Album abgeliefert werden – und zwar schnell. Die Lösung kam in Form von Trevor Horn und Geoff Downes, des Duos also, das gerade als Buggles den Nr.-1-Hit ›Video Killed The Radio Star‹ gelandet hatten und das beim selben Management wie Yes war. Statt des affigen Synthiepops, den man nun be­­fürchten konnte, war DRAMA aber voller mächtiger, metallischer Riffs und überwältigender technischer Virtuosität. Der donnerhallende 10-Minuten-Opener ›Machine Messiah‹ allein war schon den Kaufpreis wert, während ›Into The Lens‹ klassisches Yes war, vielteilig und mit reichlich Tempowechseln. PL

Zeitzeugen: „Yes klingen hier mehr nach Yes, als sie es zuletzt mit ihren Originalmitgliedern taten.“ Sputnik Music

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