dr. johnAus den Sümpfen Louisianas: ein Doktor mit der Lizenz zum Musizieren.

Auf Rap-Alben dient der selbsternannte Hohepriester fast genauso oft als Sampling-Quelle wie seine Kollegen James Brown und George Clinton. Malcolm John „Mac“ Rebennack Jr. alias Dr. John alias Dr. John Creaux alias Dr. John The Night Tripper rührt seit einer halben Ewigkeit Bourbon Street Jazz, Boogie Woogie, R & B, Soul, Funk und noch so einige weitere exotische Köstlichkeiten zum deftigen Gebräu, klangveredelt mit des Doktors kauzig-rauen Vokalbeiträgen. DR. JOHN’S GUMBO, fünftes Elaborat in vier Jahren seit dem fulminanten Solodebüt GRIS-GRIS von 1968, verschafft dem umtriebigen Rebennack, aufgewachsen im Sündenbabel New Orleans, wo er schon als Teen-ager eine Heroinsucht entwickelte, ein Hurenhaus leitete, allerlei illegale Geschäfte betrieb und mehr als einmal auf die schiefe Bahn geriet, eine künstlerische Verschnaufpause: Stapeln sich doch statt selbstgezimmerter Voodoo-Epen auf der feinen Produktion von Harold Battiste und Jerry Wexler (fast) ausschließlich Coverversionen. Regelrecht uncharmant wäre es, die 13 Songs von 1972 als Eintopf mit Mehlschwitze zu bezeichnen, obwohl genau das GUMBO in der Südstaatenküche bezeichnet. Von James „Sugar Boy“ Crawfords fast schon totgespieltem Gassenhauer ›Iko Iko‹ bis hin zu Huey „Piano“ Smiths ›Blow Wind Blow‹ und ›Little Liza Jane‹ reiht sich Perle an Perle. Überraschungen gibt es keine, nur richtig gute, handgemachte Mucke versierter Virtuosen. Zwischen ›Let The Good Times Roll‹, ›Big Chief‹ und ›Those Lonely Lonely Nights‹ von Earl King platziert der Night Tripper clever die passende Eigenkomposition ›Somebody Changed The Lock‹ sowie ›Mess Around‹, ein Werk Ahmet Erteguns, damals Miteigentümer von Dr. Johns Plattenlabel Atlantic Records.