Electric Wizard @ Ester Segarra 1Ein tiefer Zug am Joint, ein waberndes Feedback und der Trip beginnt: Wenn ELECTRIC WIZARD zu ihren doomigen BLACK MASSES bitten, klingt es wie eine spontane Improvisation der Heaviness. Dahinter steckt jedoch nüchterne und ernsthafte Arbeit.

Pro Tools ist der Teufel“, stellt Gitarrist und Sänger Justin Oborn gleich mal klar. „Egal, was man macht – durch die Art der Effekte und das Timing klingt das Ergebnis immer absolut generisch, zumindest in meinen Ohren. Ich liebe das alte, analoge Equipment – selbst wenn das bedeutet, dass wir ein Vermögen für Tonbänder ausgeben müssen.“ Das Auftreiben der Magnetrollen ist nur ein Teil der gewissenhaften Vorbereitung, die in ein Electric Wizard-Album fließen. „Alle unsere Instrumente sind antik“, erläutert Justin weiter. „Wir benutzen alte Laney-Amps, um diesen klassischen Sound von Jimi Hendrix, Deep Purple oder frühen Black Sabbath zu bekommen.“

Klingt nach einer Materialschlacht, ist es letztlich auch: Electric Wizard balancieren auf einem schmalen Grat zwischen einfach guten Riffs und Effektgeräte-Overkill, der letztlich den dröhnenden Retro-Sound von Electric Wizard erst ausmacht. „Wir arbeiten beim Songwriting ganz klassisch, kauen auf Riffs herum, bis uns das Resultat gefällt. Die Effekte kommen erst kurz bevor wir ins Studio gehen ins Spiel. Aber natürlich habe ich schon früh eine Vorstellung, wo man was noch etwas verdrehen und verfremden kann.“ Das, was beim „klassischen Songwriting“ herauskommt, ist dabei eher monton und rhythmisch, mit immer mehr Schichten – und obendrauf dann ein Killer-Lead. „Das ist typisch für die späten Sechziger – eine Periode, die ich sehr schätze. Natürlich klingen Electric Wizard nicht so wie die Bands damals, wir sind viel härter und brutaler, aber meine Art, Songs zu konstruieren, ist sehr durch diese Zeit beeinflusst.“ Bestes Beispiel: ›Night Child‹. Ein simpler Beat, dann Freestyle-Experimentieren. „Oh Mann, an dem Song haben wir uns buchstäblich die Zähne ausgebissen – genau um diesen Eindruck der Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit zu erzeugen. Das Bizarre an dem Teil ist, dass man all die Klangschichten entfernen und einen total abgefahrenen Dance-Track daraus machen könnte.“

Solche überraschenden Erkenntnisse gibt es bei Justin nicht oft, wie er gesteht. Der Mann hat üblicherweise alles unter Kontrolle. „Unsere Musik ist sehr kalkuliert“, gibt er offen zu – das Image auch: Satan, Dope und, äh, noch mehr Dope. Wäre die Band nicht so offensichtlich besessen von den okkulten Frühformen des Classic Rock, könnte man das Ganze auch als Comichaftes Abziehbild ohne künstlerische Tiefe abtun. „Natürlich bedienen wir jede Menge Klischees. Ich habe recht früh beschlossen, mich mental von meinen Kreationen zu distanzieren. Es stecken keine tiefen Wahrheiten in unseren schwarzen Messen – die Texte funktionieren analog zu den Riffs, sie drehen sich meist um ein oder zwei Phrasen, die eine gewisse Eingängigkeit haben und dann ad nauseum wiederholt werden“, lacht Justin. „Das ist pure Notwendigkeit, denn den Rest der Lyrik schreibe ich immer am Abend, bevor ich den Song im Studio einsingen muss. Total stoned natürlich.“ Wenigstens in diesem Punkt werden sie ihrem Klischee gerecht…