EverlastEin Rapper im CLASSIC ROCK ist schon mehr als eine Seltenheit. Genauso außergewöhnlich ist aber auch Everlasts musikalischer Werdegang. Begann er vor über 20 Jahren als Mitglied der Hardcore Rap-Gruppe House Of Pain und landete damit den kommerziellen Hit ›Jump Around‹, ist Whitey Ford heute den meisten durch seine Solowerke bekannt. Stücke wie ›What It‘s Like‹ und das mit einem Rock-Grammy ausgezeichnete ›Put Your Lights On‹, das ihn mit Gitarren-Latino Carlos Santana an der Seite auf den Höhepunkt seiner Karriere geschossen hat, sind es, die ihn auch als Country-, Blues- und Rockmusiker etabliert haben. Nun setzt Everlast noch einen drauf und veröffentlicht mit THE LIFE ACOUSTIC eine Platte mit reinen Unplugged-Versionen einiger seiner früheren Songs und folgt damit zahlreichen Rockern und Bluesern.

Nach einer Akustik-Tour kommt jetzt auch noch ein ganzes Unplugged-Album von Everlast heraus. Wie kam es zu diesem doch recht radikalen Stilwechsel?
Angefangen hat das mit dem Podcast meines Kumpels Joe Rogan. Dort habe ich einige Akustik-Nummern gespielt. Die Reaktionen darauf waren sehr positiv und die Leute fragten, ob ich nicht mal auf eine rein akustische Tour gehen wollte. Das tat ich und so kam die Frage nach einem Album auf. Um ehrlich zu sein, diese Platte zu machen war wirklich leicht. Es gab nur mich, meine Gitarre und ein Mikrofon. Genauso klingen alle meine Songs bevor ich damit ins Studio gehe, denn so schreibe ich sie. Das ist die pure Essenz meiner Stücke.

Das klingt beinahe so, als hätte sich dieses Album von selbst aufgenommen.
Klar habe ich hart daran gearbeitet, aber die Songs waren ja schon geschrieben und ich musste nur noch die Lieder auswählen, die ich aufnehmen wollte. Wir gingen ins Studio und dann habe ich die Stücke komplett in ein, zwei Wochen eingespielt. Ich hatte das Gefühl, dass die Stücke hie und da noch ein Piano vertragen könnten. Deshalb ist ein Keyboard das einzige zusätzliche Instrument auf diesem Album. Nur auf einer Nummer haben wir Drums eingespielt. Das ist meine neue Version von ›Jump Around‹.

Wie ernst meinst du diese Neufassung eigentlich? Es scheint ein wenig, als würdest du dich über die Nummer lustig machen.
Weißt du, auf jedem meiner Akustik-Konzerte gab es einen im Publikum, der schrie: „Wir wollen ›Jump Around‹!“ Also fragte ich mich eher aus einem Scherz heraus, wie das wohl klingen würde und so ist es jetzt auf THE LIFE ACOUSTIC zu hören. Es ist wirklich nur ein Witz.

Du hast einmal gesagt, dass für dich kein großer Unterschied zwischen HipHop und Blues bestehe. Diese Ansicht könnte einige Fans des jeweiligen Lagers verärgern.
Oh, eigentlich haben diese Stile viel gemein. Beide entstanden aus einem unterdrückten und verarmten Umfeld. In beiden Fällen war die Musik der einzige Weg für die Menschen sich auszudrücken. HipHop wurde von Leuten erfunden, die sich keine Instrumente leisten konnten. Sie benutzten, was sie hatten. Plattenspieler, Platten und Lautsprecher. Genau wie der Blues zählt HipHop zu den amerikanischsten aller Musikrichtungen. Gleichzeitig werden beide Genres auf der ganzen Welt geliebt.

Wirst du jetzt für immer auf der akustischen Seite der Musik bleiben?
Schon nächste Woche stehen für mich Shows mit meiner Band auf dem Programm. Trotzdem werde ich wohl auch mit den Akustiksachen nicht mehr aufhören. Ich liebe beides. Und werde ich wieder so ein Abum machen? Keine Ahnung, vielleicht! Das ist das Schöne an THE LIFE ACOUSTIC. Es wäre jederzeit möglich! Sicher kann es noch einen zweiten und sogar dritten Teil geben! Immerhin ist auf der aktuellen Platte kein einziger Song von meinem letzten Album SONGS OF THE UNGRATEFUL LIVING. Da ist also noch Stoff für Fortsetzungen.

Paul Schmitz