FlyingColors @ Joey_PippinMit den Flying Colors setzt eine weitere Supergroup zum Spring an. Die Akteure: die Rockveteranen Steve Morse, Dave LaRue, Neal Morse, Mike Portnoy sowie Jungspund Casey Mc- Pherson, der den alten Herren etwas Dampf unterm Hintern machen will. Deep Purple-Gitarrist Steve Morse plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen.

Black Country Communion, Chickenfoot, Them Crooked Vultures, SuperHeavy – die wirtschaftliche Not der Musikindustrie treibt namhafte Künstler in Allstar-Bands zusammen, die sich früher vermutlich nur argwöhnisch beäugt, niemals jedoch gemeinsame Sache gemacht hätten. Neuestes Konglomerat illustrer Rockstars: die Formation Flying Colors mit Deep Purples Steve Morse, seinem Bass spielenden Dixie Dregs-Kumpel Dave LaRue, Keyboarder Neal Morse (Ex-Spock’s Beard) und dem bei Dream Theater ausgemusterten Schlagzeuger Mike Portnoy. Sie alle zusammen frönen einer Musik, die den Prog Rock-Gedanken der letzten 40 Jahre aufgreift.

Das alles klänge vermutlich kreuztraditionell und relativ vorhersehbar, hätte die Band nicht mit dem vergleichsweise unbekannten Casey McPherson (Alpha Rev) einen Sänger verpflichtet, der verkrustete Strukturen aufbricht und den Songs mit seiner moderaten Stimmlage eine angenehme Frische verleiht. „Mike schlug Casey vor, sagte aber gleich, dass er nicht die logischste Option sei“, erklärt Steve Morse, der die knapp bemessene Deep Purple-freie Zeit nutzte, um mit Neal Morse an Songs zu arbeiten. „Beim ersten Mal hatten wir nur eineinhalb Tage Zeit, aber das Resultat dieser Session war so ermutigend und erfolgreich, dass wir gleich ein zweites Treffen arrangierten, um die Sache zu komplettieren. Manche Songs entstanden in verblüffend kurzer Zeit, ständig flogen irgendwelche Ideen und Änderungsvorschläge im Raum herum. Wir hätten sicherlich drei Alben auf einmal schreiben können.“

Doch die beiden hatten die Rechnung zunächst ohne McPherson gemacht. Denn auch der entpuppte sich als patenter Songschreiber mit klaren Vorstellungen. „Casey spricht mit seiner Stimme eher jüngere Zuhörer an, was wir alle natürlich toll finden“, gesteht Steve, „andererseits macht er uns alten Säcken ganz schön Dampf unterm Hintern. Sein häufigster Einwand: ,Mag ja ganz toll klingen, aber findet ihr das nicht ein bisschen zu altmodisch?‘“
Für den Deep Purple-Gitarristen ist dieses – nennen wir es mal demokratische – Procedere ziemlich ungewohnt. Andererseits: „Für mich sind Flying Colors eine echte Herausforderung, denn wir haben gleich mehrere Songschreiber – und jeder kämpft natürlich um seine Ideen. Daraus ergeben sich zwar viele Diskussionen, aber eben auch unzählige Variationsmöglichkeiten. Jeder ist in alles involviert – was die Sache ungemein spannend, wenn auch ein wenig anstrengend macht.“

Aber diese Mühen nimmt der 57-jährige Amerikaner gerne in Kauf, denn Morse ist offen für neue Inspirationen und genießt vor allem auch die Zusammenarbeit mit Drummer Mike Portnoy: „Es macht riesigen Spaß, zumal er sich ziemlich grundlegend von Purples Ian Paice unterscheidet. Ian hat mehr Swing in seinem Spiel, bei ihm mischen sich Jazz-Shuffles mit Rock-Attitüden. Mike dagegen ist ein reiner Rock- und Metal-Schlagzeuger, sehr kraftvoll, sehr aktiv und wirklich erstklassig, wenn’s um komplizierte Passagen geht. Für mich ist es ein wahrer Segen, mit einem weiteren Weltklasse-Drummer spielen zu dürfen.“

Ob diese Band auch auf Tour gehen wird, ist zurzeit noch unklar. Der randvolle Terminkalender aller Beteiligten könnte diesem Vorhaben im Weg stehen, zumal vor allem Steve noch 2012 ein neues Deep Purple-Album in Angriff nehmen wird. Dies widerspricht zwar allen bisherigen Gerüchten, ist jetzt aber offiziell bestätigt: „Ich weiß nicht, wer behauptet hat, dass wir nie wieder ein neues Album produzieren wollen“, wundert sich Morse. „Tatsache ist, dass die Songs bereits geschrieben sind und diesen Sommer aufgenommen werden.“ Das Material gehe back to the roots und soll deutlich simpler klingen als auf den letzten Purple-Scheiben: „Ich will nicht zu viel verraten, aber es geht in Richtung DEEP PURPLE IN ROCK!“ Es bleibt also spannend!