ROC187.qanda.press1Der einstige Danzig- und Misfits-Mann über Punk, Ruhm, Religion – und darüber, wie er Marilyn Manson den Arsch gerettet hat.

Text: Ken McIntyre

Glenn Danzig ist der letzte der „Antichrist Superstars“. Er ist der König des Abgrunds, der Schwärzeste von allen, der Lieblingssohn der Hölle. Seit er 1977 die Spuk-Punk-Legenden The Misfits gründete, sorgt er dafür, dass Rock böse bleibt. Und er zeigt keinerlei Absichten, kürzer zu treten oder der Finsternis zu entsagen. Zum Zeitpunkt unseres Interviews reist er auf seiner Legacy-Tour um den Globus, auf der er Stücke all seiner bahnbrechenden Bands spielt und 35 Jahre auf dem Weg der Dunkelheit feiert.

Du spielst in letzter Zeit diese Legacy-Shows mit Misfits-, Samhain- und Danzig-Material. Gute Zeiten?
Es ist eine Feier all der verschiedenen Phasen meiner Karriere. Ich weiß aber nicht, ob wir das je wiederholen werden, denn das sind echt anstrengende, zweieinhalbstündige Shows. Das ist echt hart.

Doyle von den Misfits ist bei diesen Shows dabei. Macht es Spaß, wieder Zeit mit ihm zu verbringen?
Er ist ein echt netter Typ. Ich weiß, dass er wirklich furchteinflößend und unheimlich aussieht – und das kann er auch sein –, aber wir verstehen uns blendend.

Du feierst auch das 25-jährige Jubiläum von Danzig.
Yeah. Die meisten Plattenfirmen und Industrie-Arschlöcher sagten voraus, dass wir keine zwei Jahre existieren würden, und all die „großen“ Bands, die sie damals hypten, gibt es seit 20 Jahren nicht mehr. Es ist schon schön, wenn einem die Geschichte Recht gibt.

Was ist das Geheimnis von Langlebigkeit im Rock?
Man muss ehrlich zu sich selbst sein. Wenn du ein beschissenes Lied schreibst, wirf es in den Müll.

Über all die Jahre bist du eine mysteriöse Figur geblieben.
Ich gebe nicht sehr viele Interviews. Es gibt Leute, die dafür leben, in Zeitschriften zu sein. Mich interessiert das nicht wirklich.

Liest du jemals, was über dich geschrieben wird?
Nein, es interessiert mich einen Scheißdreck, was Leute schreiben. Mich interessiert, eine gute Platte zu machen und dann los zu ziehen und ein tolles Konzert zu spielen. Mich interessieren die Leute, die kommen, um mich zu sehen. Ich will, dass sie nach Hause gehen und denken: „Wow! Das war fucking unglaublich.“ Das ist es, was mir wichtig ist. Wenn ich ein Album veröffentliche, will ich, dass das Cover fucking großartig aussieht. Wenn du dein Geld für etwas ausgibst, das ich gemacht habe, soll es das wert sein.

Danzig wurden von der Metal-Gemeinde ins Herz geschlossen, dabei waren sie eigentlich keine Metal-Band.
Meiner Meinung gibt es ein Element, das alle großartige Musik verbindet, ob Klassik, Metal, Punk oder egal was, und Leute sprechen darauf an. Deswegen konnte man damals während der Misfits-Zeiten als Punker Judas Priest nicht gut finden, aber Venom schon. Bei den Metalheads war das sicher genauso, und so kam es wohl dazu.

Vermisst du es, im Grabenkampf der Punkszene an der Front zu stehen?
Die Leute labern viel nostalgisches Zeug über den Punk, aber ich nicht. Es war nicht leicht. Es war brutal. Es gab kein Geld, man war immer pleite, wir müssten da draußen wirklich kämpfen und den Boden bereiten für all die Indie-Acts, die folgen sollten. Und das verstehen viele Leute heutzutage nicht.

Gerade wird ein Film über den 70er-Pornostar Vanessa del Rio gedreht und du spielst darin einen Gangster. Ist das eine der Hauptfiguren?
Es ist nicht die Hauptrolle oder so, aber eine ziemlich große Rolle. Ein Freund von mir macht diesen Film und dachte, ich sei perfekt dafür.

Das ergibt Sinn. Sowohl die Misfits als auch Vanessa del Rio stehen für die dreckige Schattenwelt in der Kultur der späten 70er. Das waren ziemlich abgefuckte Zeiten.
Es war total verrückt. Wann immer ein Film über diese Zeit gemacht wird, machen sie es falsch, es kommt nie so schmutzig rüber, wie es tatsächlich war. Bei diesem Film, zumindest im Skript, ist das anders, und sie versuchen wirklich, dieses Times-Square-Feeling einzufangen. Die Leute gingen damals noch ins Kino, um Pornos anzusehen, oder sie kauften 8mm-Filmspulen und luden ihre Freunde ein, um sich diese dann im Keller anzuschauen oder so.

Hast du je einen Super-8-Film gedreht?
Na ja, ich besuchte das New York Institute Of Photography. Ich war also ein Jahr lang in Manhattan und lernte, wie man mit einer Kamera umgeht. Ich weiß noch, wie ich Zeug auf Super 8 drehte, yeah. Aber dann wurde ich von Bands abgelenkt. Ich führe aber immer noch bei vielen Musikvideos Regie.

Planst du immer noch ein Blues-Album mit Jerry Cantrell?
Wann immer wir uns sehen, sprechen wir darüber, aber unsere Terminpläne sind so voll, dass ich nicht weiß, wann das passieren wird. Wir werden sehen.

OK, Thema Religion…
Ich denke, Religion als solche ist eine gute Sache. Sie kann Menschen Hoffnung und Kraft geben. Aber dann kann es abgedreht werden. Die Leute, die an der Spitze einer Religion stehen, werden immer egoistischer, und dann kommt es zu dem verrückten Scheiß, der heute abgeht. Aber so war das schon immer. Organisierte Religion hat schon immer versucht, die Denkprozesse und das Handeln derer zu beherrschen, die ihr folgen.

Vielleicht hat deine Musik Leuten geholfen, kritischer über Religion zu denken.
Ich finde einfach, dass man gut darüber nachdenken sollte, bevor man sich auf etwas einlässt, wo Leute dir sagen wollen, was du tun und denken sollst. Wann immer dir jemand sagen will, dass du dieses tun oder jenes glauben solltest, denke einfach selber und richte dich nach dem, was für dich funktioniert.

Marilyn Manson hat mir mal gesagt, dass du ihm das Leben gerettet hast. Er sagte, ihr wart auf Tour und er wurde von pistolenschwingenden Rednecks bedroht, und dann kamst du aus dem Bus gestürmt, ohne Hemd, und hast sie mit Kendo-Stöcken vertrieben. Erinnerst du dich daran?
Yeah. Wir haben ihnen mehr als einmal den Arsch gerettet. Auf dieser Tour waren Danzig, Marilyn Manson und Korn. Diese Tour hat viel Spaß gemacht, aber Marilyn Manson war immer sehr streitlustig, also passierte sowas ständig.