guns n rosesDas Stück „von der Front“ des Überlebenskampfes in L.A. zündete die Lunte und katapultierte GN‘R auf den Weg zum Superstarstatus – und zur grandiosesten Rock‘n‘Roll-Band ihrer Generation.

Als Guns N’ Roses Ende der 80er Jahre zur größten Hardrockband des Planeten wurden, hatte es niemand kommen sehen, schon gar nicht ihr Lead-Gitarrist Slash. Er war 22, als 1987 das Debütalbum APPETITE FOR DESTRUCTION erschien. Es wurde weltweit mehr als 30 Millionen mal abgesetzt und wurde zum meistverkauften Debüt der US-Geschichte. Doch wie Slash heute sagt: „Wenn mir jemand gesagt hätte, dass das so eine Riesenplatte werden würde, hätte ich ihm ins Gesicht gelacht.“

Anders als andere große Rockalben in jenem Jahr – HYSTERIA von Def Leppard oder Whitesnakes 1987 – hatte APPETITE… einen Sound, der einmal denkwürdig als „rauer als die Oberschenkel einer Hure“ be­­zeichnet wurde. Die ungestüme Kraft von AC/DC, die Dekadenz von Aerosmith zu ihren Drogenzeiten und die bedrohliche Energie der Sex Pistols trafen auf die „Fuck you“-Attitüde, die der dauerfluchende Frontmann Axl Rose so eloquent zum Ausdruck brachte.

„Wir passten uns nie den Erwartungen von irgendjemandem, irgendwelchen Konventionen oder kommerziellen Bedürfnissen an“, so Slash. „Keine fucking Gimmicks. Das war einfach nur Rock’n’Roll von der Straße – boom!“Und auf diesem Album, das Guns N‘ Roses als die größte Rockband ihrer Generation definierte, war kein Stück so prägend wie das eröffnende Statement: ›Welcome To The Jungle‹.

Es war einer der ersten Songs, die das klassische Line-up schrieb, das im Juni 1985 in Los Angeles zusammengefunden hatte und APPETITE FOR DESTRUCTION machte: Rose, Slash, Rhythmusgitarrist Izzy Stradlin, Bassist Duff McKagan und Schlagzeuger Steven Adler. 30 Jahre später ist nur noch Axl übrig, und die fast 20-jährige Funkstille zwischen ihm und Slash seit dessen Ausstieg ist erst kürzlich freundlicheren Tönen gewichen. Wenn der Gitarrist aber an 1985 zurückdenkt, erinnert er sich an eine Zeit, in der sie sich so nahe standen, dass Slashs Mutter Axl sogar in ihrem Keller wohnen ließ. Und genau dort nahm ›Welcome To The Jungle‹ einst Gestalt an.

„Ich hatte dieses Riff und weiß noch, wie ich es Axl auf einer akustischen Gitarre vorspielte. Ich sagte, ‚hör dir das mal an‘.“ Axl gefiel das, was er da hörte. Bei der nächsten Bandprobe wurde ein komplett strukturierter Song daraus geschmiedet. „Das war das erste Stück, an dem wir alle gemeinsam gearbeitet hatten. Es ist wirklich eine Kombination aus dem Input jedes einzelnen Mitglieds.“Der Song war wie ein Dampfwalze mit einem dreckigen, fiesen Groove, aber im Mittelteil wurde das Tempo etwas zurückgenommen. Dieser Break stammte aus einem Lied namens ›The Fake‹, das McKagan 1978 geschrieben hatte, als er bei der Punkband The Vains in Seattle war.

„Ich will nicht das Wort ‚bluesy‘ in den Mund nehmen“, sagt Slash, „aber es hatte diesen coolen, beseelten Vibe. Wir analysierten das Zeug nicht groß – die Songs entstanden völlig spontan. Aber in dieser ganzen Zeit von ’85 bis ’86, als wir ‚uns entdeckten‘, von der Hand in den Mund lebten und uns zum Jammen trafen, hatten wir etwas, das nicht viele hatten. Und bei diesem Stück gab es diesen natürlichen Vibe, der echt cool war.“