Die Briten haben ein großes Ziel: Nicht nur ihre Fans, sondern auch deren Kinder und Kindeskinder sollen Heaven‘s Basement hören. Die Band für die ganze Familie?

Es war keine einfache Aufgabe, doch Heaven’s Basement meisterten sie mit Bravour. Das Publikum im Berliner C-Club war eigentlich gekommen, um den düsteren Grunge von Seether zu erleben, der pralle Partyrock der Vorband wirkte wie ein Kontrastprogramm. Dennoch schafften es Heaven’s Basement, einen großen Teil der versammelten Menge auf ihre Seite zu ziehen. Ohrwürmer wie ›Unbreakable‹ und ›Fire Fire‹ versetzten die Hauptstädter in Schwung, Frontmann Aaron Buchanan hatte keinerlei Probleme, genug Besucher für einen stimmgewaltigen Chor zu mobilisieren. Der Vierer erinnert stilistisch an die jungen Bon Jovi, frühe Mötley Crüe und The Darkness. Jedenfalls: Wo Heaven’s Basement auftreten, steigt die Stimmung.

Vokalist Buchanan ist eine echte Entdeckung, zählt allerdings nicht zu den Gründungsmitgliedern. 2008 war die Band mit einem anderen Sänger gestartet, hatte u.a. mit Papa Roach, D-A-D, Buckcherry, Shinedown, Thunder, Hardcore Superstar und vielen anderen gespielt. Plötzlich merkte der frühere Shouter, dass ihm die Arbeit mit der Band zu viel wurde, er warf das Handtuch. In einem höchst aufwendigen Auswahlverfahren pickten die übrigen Musiker 2011 Aaron aus 500 Bewerbern heraus. „Unser früherer Sänger war einfach nicht entschlossen genug, er hatte nicht den Biss, den die anderen Mitglieder zeigten“, kritisiert Trommler und Gründungsmitglied Chris Rivers. Für Gitarrist Sid Glover „ging es nicht nur um einen Sänger mit einer tollen Stimme. Wir waren schon in anderen Bands, die gute Vokalisten hatten, aber das waren einfach nicht die Richtigen für uns. Es geht um einen Typen, der zu uns passt. Wir brauchen jemanden, der wirklich in der Band ist, und keinen Mietsänger…“

Aaron Buchanan rechtfertigt das Vertrauen der übrigen Bandmitglieder nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf dem jüngst erschienenen Debütalbum FILTHY EMPIRE. „Das Album musste Material enthalten, das wir gerne live spielen und das beim Publikum gut ankommt“, meint Aaron nach dem Konzert, während er sich die schweißnassen Locken mit einem Handtuch trocken reibt: „Ich möchte, dass uns nicht nur Fans zuhören, sondern auch ihre Kinder und Kindeskinder.“ Hier spricht ein Entertainer mit erkennbaren Ambitionen – kein Wunder, dass er den großen Freddie Mercury als Vorbild nennt. Auch in seine Texte investiert Buchanan jede Menge Energie. „Sie behandeln verschiedene Themen. Hängt immer davon ab, was uns zusammen oder einzeln passiert ist. Der Albumtitel FILTHY EMPIRE sprach uns auf verschiedenen Ebenen an. Er hat eine politische Ebene, verweist aber auch auf die Musikbranche und die Pornoindustrie – er besitzt viele Deutungsmöglichkeiten. Wir sind keine politische Kapelle, aber unsere Texte sollen den Hörern die Freiheit lassen, sie in alle möglichen Richtungen zu interpretieren.“

Der Auftritt und das folgende Interview in der Garderobe zeigen eine Band, deren Entschlossenheit beeindruckt. Ihr Plattenlabel (eine weltbekannte Brausefirma, für die Sebastian Vettel Auto fährt) hält große Stücke auf Heaven’s Basement. Das Label hielt sogar an der Band fest, obwohl sie eine Zeitlang ohne Sänger dastand. Das nennt man wohl Vertrauensvorschuss. Sympathisch auch, dass die Gruppe nicht hierarchisch geführt wird, sondern demokratisch vorgeht. „Ich und Sid sind zwar stolze Gründungsmitglieder, aber die Band ist genauso unser Baby wie das von Rob und Aaron“, stellt Chris Rivers fest. „Wir diskutieren alle Entscheidungen. Nichts geschieht, bevor nicht alle vier von uns damit glücklich sind.“