Die Sterne standen anfangs nicht günstig für The Hives: Mehrere Verletzungen und extreme Perfektionsansprüche warfen die Entstehung von LEX HIVES zurück. Doch jetzt wollen die Schweden wieder durchstarten – aber bitte im feinsten Zwirn!

Die Erleichterung ist ihnen anzumerken: Sänger Pelle Almqvist und Gitarrist Vigilante Carlstroem räkeln sich auf der Couch eines Stockholmer Luxushotels, schlürfen Kaffee und reden über das, woran sie fast drei Jahre gearbeitet haben: Ihr fünftes Album LEX HIVES, mit dem das Quintett nicht nur ein Comeback feiert, sondern auch die Rückkehr zum DIY-Gedanken der Anfangstage. Einerseits, weil ihr hoch dotierter Vertrag mit dem US-Multi Interscope ausgelaufen ist, andererseits aber auch, weil sie das Gefühl haben, alle Berei- che ihrer Karriere in Eigenregie meistern zu können. „Wir haben ein treues Publikum, das wir auch mit unserem eigenen Label und ohne großes Marke- ting erreichen“, so der spindeldürre Almqvist. „Wir lizenzieren das Ganze einfach an lokale Vertriebe, und fertig aus. Wobei es uns extrem wichtig war, alles in Eigenregie zu erledigen. Also von der Produktion bis zum Coverart- work. Leider sind wir solche Dickköpfe und Perfektionisten, dass wir uns an endlosen Diskussionen vergangen haben. Was einer der Gründe ist, warum das Album so lange gedauert hat.“

Ein weiterer, so fügt der 33-Jährige mit verschmitztem Lächeln hinzu, sei sein Verletzungspech der jüngsten Vergangenheit: „Erst habe ich mir eine Gehirnerschütterung zugezogen. Danach hatte ich eine Magen-Operation und anschließend habe ich mich beim Kochen mit einem Messer verletzt. Das sind Dinge, die wahnsinnig Zeit kosten und in den letzten zwei Jahren an der Tagesordnung waren.“

Doch damit sei jetzt Schluss. Man wolle so schnell wie möglich an alte Erfolge anknüpfen, ausgiebig touren und die Rockmusik vor dem Exitus bewahren. Einfach, weil die so bieder und brav sei und dringend einen Tritt in den Allerwertesten verdiene. Etwa mit den zwölf Songs auf LEX HIVES, die sich als Frischzellenkur für verklebte Gehörgänge und eingelullte Gehirnzellen erweisen: druckvoller, dynamischer Rawk `n` Roll, der auf starke RIffs, hymnische Melodien und exaltierten Gesang setzt, wie pures Adrenalin, wirkt und einfach Spaß macht.

Nicht zuletzt wegen zahlreicher Referenzen an 40 Jahren Musikgeschichte, die von Iggy & The Stooges über die Ramones, Cramps bis zu Queen und einer ungenierten Hommage an ELOs ›Don’t Bring Me Down‹ in ›Go Right Ahead‹ reichen. „Wir hatten diesen Song, den wir sehr mochten“, so Almqvist. „Leider stellten wir irgendwann fest, dass er nach ›Don’t Bring Me Down‹ klingt. Also haben wir Jeff Lynne kontaktiert: ‚Hey, wir haben hier etwas, das dir bekannt vorkommen dürfte. Sollen wir uns das Copyright teilen?‘ Und er hatte nichts dagegen. Was ziemlich cool ist.“

Genau wie diverse Bonus-Tracks und B-Seiten, die man in Los Angeles mit Busenkumpel Josh Homme (Queens Of The Stone Age) eingespielt hat. Aber auch die aktuellen Bühnenoutfits des Fünfers, die im wahrsten Sinne des Wortes „klassisch“ sind: „Es handelt sich um Frack und Zylinder, wie sie schon Fred Astaire getragen hat. Und das nur, weil wir dringend etwas Neu- es brauchten“, kichert der Sänger. „Wir mussten viele unserer alten Anzüge verbrennen. Denn wenn du zwei Jahre tourst und nie dazu kommst, sie zu reinigen, setzen sie halt Schimmel an und werden geradezu toxisch.“

Wohingegen ein Frack, so betont der ansonsten wortkarge Vigilante, einen entscheidenden hygienischen Vorteil biete: „Man kann ihn sich überall auf der Welt ausleihen und am nächsten Morgen zurückbringen – wie eine volle Windel. Das macht es für uns leichter – und für die Fans angenehmer. Sie müssen sich bei Konzerten nicht mehr mit diesem beißenden Geruch rumplagen.“ Ein sicheres Indiz für Verantwortung und Reife.