HoleCourtney Loves Rückkehr mit Schunkel- und Balladen-Grunge.

Da haben wir ja alle so unheimlich ungeduldig und total gespannt drauf gewartet: Hole machen die Wiedervereinigung. So mit den Bandmitgliedern der späten Neunziger, aber auf jeden Fall mit Mitgründer/Gitarrist/(Neben-)Songwriter Eric Erlandson und Bassfrau Melissa Auf Der Maur. Und Courtney Love auch, wenn’s denn schon sein muss.

Ganz schön geschnitten haben wir uns da. Von der klassischen Besetzung bleibt nämlich nur die Cobain-Witwe, die sich mit Erlandson im vergangenen Jahr offenbar auch noch um die Namensrechte gestritten hat. Madame Love hat offensichtlich ihren Hitzkopf durchgesetzt.

Am Kompositionsbrett sitzen mit ihr nun drei neue Köpfe. Da wäre zum einen der 23-jährige Brite Micko Larkin, der Erlandson im Bandkontext an der Gitarre ersetzt. Außerdem hatten Pink-Songschreiberin Linda Perry und Smashing Pumpkin Billy Corgan bei einigen Tracks ihre Finger respektive Akkord- und Harmonie-Schemata im Spiel. Dem Comeback-Album hat die Unterstützung der beiden Langzeit-Profis durchaus gut getan. NOBODY’S DAUGHTER hat alles, was ein Hole-Album braucht: Bretter, Midtempo-Schwofer, Abgründiges, Balladen. Lieder wie ›Someone Else’s Bed‹ und ›For Once In Your Life‹ funktionieren bestimmt auch mit Pink als Interpretin.

Courtney Loves Qualität scheint allerdings ausgerechnet bei ›Letter To God‹, dem einzigen allein von Linda Perry verfassten Song, durch: Nichts transportiert Kaputtheit so gut wie Courtney Loves abschmierendes und übersteuertes Gröl-Organ (die 45-Jährige muss nach der Gesangsaufnahme mehrere Tage keine Stimme gehabt haben).

Von dieser Warte aus ist die vierte Hole-Platte durchaus zu begrüßen. Insgesamt ist jedoch zu viel Durchschnittsware aus dem Grunge-Versandhauskatalog dabei. Von daher: Nett, dass Courtney Love mit Hole zurück ist, aber mehr auch nicht.