glenn freyDer Mitgründer, Gitarrist und Sänger der Eagles prägte den Sound der 70er Jahre – und unser Bild von Kalifornien, dem Land, wo Milch und Honig fließen. Manchmal aber auch Tequila Sunrise …

Kalifornische Hippies erfreuten sich schon Ende der 60er Jahre an rustikalen Country-Klängen, gerne angereichert mit Rock’n’Roll und einem Hang zur Improvisation. Dann erschienen 1971 in Los Angeles die Eagles auf der Bildfläche, und der Country-Rock avancierte zu einem weltweiten Phänomen. Der Kunstgriff: Die Herren Glenn Frey, Don Henley, Bernie Leadon und Randy Meisner kombinierten knorrig bodenständige Country-Rock-Klänge mit geschmeidigem, elegantem Westcoast-Pop.

Das Er­­gebnis war lässige Cowboy-Musik, die allerdings nicht nach Pferdemist und durchgeschwitztem Ledersattel roch, sondern nach Sommerbrise vom Meer und den Ledersitzen eines offenen Mercedes. Ein Erfolgsrezept, das die Eagles im Laufe der 70er Jahre in höchste Höhen katapultierte, kommerziell spielte die Band alsbald in der gleichen Liga wie damalige Superseller der Sorte Led Zeppelin und Fleetwood Mac.

Immer dabei und als Texter, Komponist sowie kreativer Kopf eine der beiden zentralen Figuren: Glenn Frey. Geboren wurde er 1948 im klimatisch und atmosphärisch rauen Detroit, also denkbar weit entfernt von der malerisch-milden Pazifikküste. Ge­­meinsam mit Don Henley, aus Texas stammend, kreierte er jedoch Bilder, die wohl noch heute unsere – zweifellos idealisierten – Vorstellungen von Nordamerikas zentraler und südlicher Westküste prägen: ein gelobtes Land, ein Hort der Freiheit und des Unkonventionellen, bevölkert von Individualisten. Und ständig scheint die Sonne.

Frey sang ›Take It Easy‹, den ersten Song ihres Debütalbums, komponiert hatte er den späteren US-Top-20-Hit gemeinsam mit Kumpel Jackson Browne. Ab dem zweiten Werk kam das Autoren-Duo Henley/Frey dann richtig in Schwung, der Titelsong ›Desperado‹ und ›Tequila Sunrise‹ avancierten zu Klassikern. Ob mit oder ohne Don Henley: Als Co-Autor war Glenn Frey auch an Evergreens wie ›New Kid In Town‹ und ›Hotel California‹ beteiligt, Letzteres wohl die Eagles-Hymne schlechthin und vermutlich eines der populärsten Stücke der jüngeren Musikgeschichte.

Zunehmende Spannungen zwischen Frey und Henley, der Superstar-Wahnsinn der 70er Jahre, all das Geld und all das Nasenpuder besiegelten 1981 das vorläufige Ende der Eagles, Frey reüssierte fortan als Solist und verdingte sich bisweilen auch als Schauspieler. Als die Band 1994 wieder zusammenfand und ein Jahr später ein Konzert für MTV absolvierte, war es Glenn Frey, der die denkwürdigen Worte sprach: „Wir haben uns nie aufgelöst, sondern nur 14 Jahre lang Urlaub gemacht.“

Glenn Lewis Frey litt zuletzt unter Gelenkentzündungen, in deren Folge er sich eine Dickdarm- und Lungenentzündung einfing. Derart geschwächt, verstarb er am 18. Januar in New York. Er wurde 67 Jahre alt. Don Henley: „Ich weiß, dass es mein Leben für immer verändert hat, als ich 1970 Glenn Frey über den Weg lief. Ruhe in Frieden, mein Bruder.“

Foto: James Minchin