Nikki Sixx 2011e @ Sixx A.M.
Mit Anfang 20 begann er seine Karriere bei Mötley Crüe, rund 30 Jahre später zählt er zu den Superstars der Rock-Szene. Und feiern kann er auch. Kein Wunder, dass Nikki Sixx etliche schillernde Rock-Persönlichkeiten kennengelernt hat – zumal Slash einer seiner besten Freunde ist und die Familie Osbourne direkt nebenan wohnt.

Wenn man den Terminkalender und die vielen Aktivitäten von Nikki Sixx ansieht, stellt man sich sofort zwei Fragen: Wie bewältigt der Mann all dies? Und woher nimmt er so viel Kreativität? Momentan reist er um die Welt, um sein Buch THIS IS GONNA HURT – MUSIC, PHOTOGRAPHY AND LIFE THROUGH THE DISTORTED LENS OF NIKKI SIXX vorzustellen. Nach dem 2008er-Bestseller THE HEROIN DIARIES: A YEAR IN THE LIFE OF A SHATTERED ROCK STAR sein zweites Werk, in dem Herr Sixx neben vielen Anekdoten auch seine Qualitäten als Fotograf unter Beweis stellt. Zusätzlich erschien mit dem Album THIS IS GONNA HURT Ende Mai der Soundtrack zum Buch, das er wiederum mit Sänger James Michael und Gitarrist DJ Asha als Sixx: A.M. aufgenommen hat. Seit Anfang Juni ist er mit Mötley Crüe, zusammen mit den New York Dolls und Poison, auf großer Nordamerika-Tournee. Und wenn er nicht gerade unterwegs ist, moderiert er jeden Abend seine Radiosendung „Sixx Sense“, in der er Gäste aus der Musik- und Show-Welt vorstellt und kleine Einblicke in das Leben als Rockstar gibt.

Bei so einem ereignisreichen Leben verwundert es nicht, dass Nikki Sixx im Laufe seiner Karrierejahre etliche Freundschaften geschlossen hat. Auch seine musikalischen Talente – vor allem seine Songwriting-Qualitäten – sind seit Jahrzehnten bei den Kollegen geschätzt. Er schrieb nicht nur die meisten Songs von Mötley Crüe, sondern komponierte unter anderem Lieder für Lita Ford oder Meat Loaf. Im CLASSIC ROCK-Interview plaudert er offen über seine Kumpels, seine Idole und ganz normale Nachbarn.

AEROSMITH

Ich bin mit den Mitgliedern von Aerosmith schon seit Jahrzehnten befreundet – ich weiß gar nicht mehr, wann wir uns genau kennen gelernt haben. Ich habe sie schon immer bewundert. 2006 waren wir endlich zusammen auf Tour – eine tolle Erfahrung! Wir haben viel Zeit gemeinsam im Tourbus verbracht. Die Jungs sind einfach fantastisch. Mit vielen Musikern kann man immer nur über Musik reden. Die wollen oder können sich gar nicht über andere Themen unterhalten. Aber bei Aerosmith ist das anders. Sie sind sehr offene und aufgeschlossene Menschen.

TRACII GUNS

Tracii und ich haben uns in den Achtzigern in Hollywood kennengelernt. Damals hingen alle Bands immer in denselben Clubs ab, Guns N’Roses, die L.A. Guns und eben auch wir. An dem Abend, an dem ich Tracii das erste Mal sah, erinnere ich mich gar nicht mehr so genau. Ich weiß nur, dass wir später zu mir nach Hause gefahren sind. Irgendwie endeten all diese Partys irgendwann bei mir daheim! (lacht)Tracii ist ein unglaublicher Gitarrist. Sein Stil hat mir schon immer gefallen, daher war klar: Mit ihm muss ich einfach irgendwann in einer Band spielen. Bei Brides Of Destruction hatten wir jedenfalls eine Wahnsinnszeit, und die Mischung aus rauem Punkrock und Heavy Metal-Härte war auch toll. Diese Zusammenarbeit war eine hervorragende Gelegenheit für mich, musikalisch etwas anderes zu machen und auch mal mit anderen Stilistiken zu experimentieren. Das hat mich sehr inspiriert.

OZZY OSBOURNE

Ich kenne Ozzy jetzt bereits seit 30 Jahren, und wir waren schon oft gemeinsam auf Tour. Vergangenes Jahr haben wir z.B. auf seinem Ozzfest gespielt. Außerdem ist er einer meiner direkten Nachbarn. Deswegen sehen wir uns zwangsläufig ziemlich häufig (lacht). Sharon und ich sind gute Freunde. Neulich kam sie zu mir herüber und meinte, dass sie gerne mal als Co-Moderatorin in meiner Radioshow auftreten möchte. Sie war ganz aufgeregt! Sharon hat mir verraten, dass sie in Zukunft weniger Zeit zu Hause verbringen möchte und aktiver sein will. Wir haben ein ganz normales Nachbarschaftsverhältnis – auch wenn man das vielleicht nicht glauben mag. Ich mag es, wenn mich Sharon oder meine anderen Nachbarn besuchen.

NEW YORK DOLLS

Wir sind gerade mit ihnen und Poison auf US-Tour. Man mag es kaum glauben, aber ich habe David Johanson erst vor kurzem das erste Mal getroffen, und von den anderen in der Band kannte ich bis zum Tourstart niemanden. Doch bisher waren alle sehr zuvorkommend und nett, daher freue mich schon sehr auf die vielen Aftershow-Gelage – wir werden sicher eine Menge Spaß haben.

ALICE COOPER

Alice ist einer der höflichsten, nettesten, toll-sten Menschen der Welt. Wir saßen einmal zu-sammen im Auto und fuhren zu Mick Mars nach Hause. Alice sprach über Jim Morrison. Auf einmal drehte er sich zu mir um und sagte: „Ich weiß, ich habe dir das noch nie gesagt, aber du erinnerst mich ein bisschen an Jim Morrison.“ Ich war erst einmal total baff und brachte dann nur die Worte heraus: „Ich hoffe, nur in Bezug auf seine guten Eigenschaften.“ Da mussten wir beide lachen. Man kann einfach immer mit Alice lachen, ohne dass es peinlich ist. Er ist wirklich ein verdammt guter Kerl.

PAUL RODGERS

Er war zu Gast in meiner Radiosendung „Sixx Sense“. Noch nie zuvor hat mich ein Mensch dermaßen überrascht. Ich hatte ihn vorher ja noch nie getroffen, bin aber natürlich mit seiner Musik groß geworden. Ich mochte Bad Company, Free, The Firm und auch seine Soloalben – und nicht zu vergessen: Queen! Er war an herausragenden Alben beteiligt, und so war ich schon etwas an-gespannt, bevor er ins Studio kam. Schließlich ist er ein echter Star. Doch es stellte sich heraus, dass er einer der umgänglichsten und offensten Menschen ist, die man sich vorstellen kann. Puh, da war ich wirklich froh drüber!

SLASH

Ich kenne Slash schon eine halbe Ewigkeit. Er ist einer meiner besten Freunde. Ich liebe den Kerl! Wir haben zusammen schon eine Menge durchgemacht. Slash ist jemand, auf den man immer zählen kann. Er ist immer für mich da. Immer wenn ich persönliche Probleme habe, rufe ich ihn an, um mich auszuheulen oder ihn um Rat zu fragen. Und wenn er Probleme hat, wendet er sich an mich. Dass man mit ihm verdammt coole Partys feiern kann, muss ich nicht extra erwähnen (lacht). Ich kann jedem nur wünschen, dass er so einen Freund findet. Wenn du ein junger Künstler bis, gibst du dich immer so lässig wie möglich – wie ein Rockstar eben. Aber du brauchst auch jemanden, der dir immer zur Seite steht. Und dieser Jemand ist für mich Slash.

MEAT LOAF

Ich habe ein paar Songs für ihn geschrieben, zum Beispiel ›Couldn’t Have Said It Better‹ von dem gleichnamigen Album oder ›The Monster Is Loose‹ von BAT OUT OF HELL III: THE MON-STER IS LOOSE. Meat ist immer unglaublich freundlich, wenn man ihm zufällig begegnet. Wir haben meist über Musik beziehungsweise unsere Zusammenarbeit gesprochen oder gemeinsam komponiert. Er ist in dieser Hinsicht schon extrem professionell. Aber unsere Beziehung beschränkt sich eben auch nur darauf. Ich bin ihm sonst auch nicht allzu oft begegnet. Viele Dinge erledigt zudem seine Frau für ihn, also habe ich meistens mit ihr gesprochen. Ich glaube, ich kenne seine Frau inzwischen besser als Meat Loaf selbst (lacht).

LITA FORD

Ende der Achtziger komponierte ich den Song ›Falling In And Out Of Love‹ für ihr Album LITA. Ich nahm nämlich gerade mit Mötley Crüe im selben Studio auf wie sie, sodass wir uns dort öfter über den Weg gelaufen sind. Eines Tages kam sie schließlich auf mich zu und fragte, ob ich nicht eine Songidee für sie hätte. Daraufhin entstand dann das gemeinsame Stück. Es macht mir immer Freude, mit anderen Künstlern zu arbeiten.

ROB HALFORD

Ich habe Rob kennengelernt, als wir zusammen auf Tour waren. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden und sind daher oft zusammen rumgehangen. Jeder Mensch braucht andere Menschen, die er bewundert und zu denen er aufblicken kann. Rob ist so eine Person für mich. Bevor man solchen Ikonen das erste Mal begegnet, stellt man sie sich immer auf eine bestimmte Art und Weise vor, stilisiert sie zum Helden. Und wenn man sie schließlich trifft, ist man total nervös und hat Angst, dass dieser Mensch, der für einen so wichtig ist, vielleicht einen schlechten Charakter hat oder einfach völlig anders ist, als man denkt. Bei Rob war zum Glück das Gegenteil der Fall. Er ist ein wundervoller Mensch: freundlich und locker. Und auch einer der lustigsten Menschen, die ich kenne. Zudem besitzt er eine der grandiosesten Stimmen, die es in der Rock- und Metal-Welt gibt.

AIRBOURNE

Ich vergöttere diese Jungs einfach: ihre Musik, aber vor allem ihre unerschöpfliche Power. Sie sind authentisch, und so klingen auch ihre Lieder. Bisher hatte ich nur ganz kurz die Gelegenheit, mit ihnen zu quatschen, aber ich hoffe, dass ich die Jungs noch öfter treffen werde. Es macht einfach Spaß mit ihnen!

BLACKIE LAWLESS

Als ich mit etwa 17 Jahren nach L.A. kam, um professionell Musik zu machen, musste ich mich erst einmal mit diversen Jobs durchgeschlagen. Ich habe unter anderem in einem Schnapsladen gearbeitet und Staubsauger via Telefon verkauft. Eines Tages entdeckte ich eine Anzeige in einer Zeitung. Die Band Sister suchte einen Bassisten. Ich bekam den Job. Der Chef der Gruppe hieß Blackie Lawless. Wir haben damals viel zusammen gemacht, und ich finde, dass er ein herausragender Songwriter ist. Seine Stücken strahlen stets eine Menge Energie und Kraft aus.

Simone Bösch

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