Ronnie Wood (1)Eines ist sicher: Wenn ein Rock ’n‘ Roller weiß, wie man anständig einen draufmacht, dann Rolling Stones-Gitarrist Ronnie Wood. Kein Wunder, dass er sich stets in Gesellschaft anderer Party-Liebhaber befand: von Jeff Beck, Keith Richards oder Rod Stewart über Keith Moon bis hin zu Axl Rose und John Belushi – sie alle feierten mit ihm. Details? Aber sicher doch…

Er lebte in einer WG mit Jimi Hendrix und hat ein Adressbuch, das prall gefüllt ist mit den Kontaktdaten illustrer Musiker. Einige davon hat der Rolling Stones-Gitarrist jüngst gebeten, auf seinem neuen Soloalbum I FEEL LIKE PLAYING mitzuwirken. Mit anderen trifft er sich zwar nicht mehr regelmäßig, hat aber bis heute lebendige Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse im Zeichen des Rock’n’Roll. Dabei wären die Ereignisse, an die er sich nicht mehr erinnert, wahrscheinlich noch um einiges krasser. Doch der Reihe nach…

JIMI HENDRIX

Wir wohnten zusammen in einem Haus in Holland Park, das Pat Arnold gehörte. Jimi besaß einen Hund namens Snoopy. Der hatte die dumme Angewohnheit, ständig überall hinzukacken. Pat gefiel das gar nicht, daher stellte er Jimi vor die Wahl: „Entweder das Tier verschwindet hier – oder ihr verzieht euch beide!“ Hendrix meinte darauf nur: „Was hältst du davon, wenn ich gehe – und du meinen Hund behältst? Ich muss sowieso raus hier, weiterziehen, etwas Neues erleben.“ Und das war’s dann. Jimi eignete sich perfekt für eine Wohngemeinschaft: Er war ein überaus ruhiger, zurückhaltender Zeitgenosse. Kiffte viel und regte sich nie über irgendetwas auf. Stattdessen saß er herum und spielte Gitarre. Dabei wechselte er ständig die Position, denn er konnte alles beidhändig spielen, war also weder ein klassischer Rechts- noch Linkshänder. Ich konnte es kaum fassen – denn wenn ich versuchte, auf einer Linkshänder-Gitarre eine Melodie nachzuspielen, hörte es sich an, als würde ein Kleinkind in die Saiten hauen. Wir hocken oft zusammen und jammten auf unseren Akustikklampfen, da war viel klassisches Blues-Zeug dabei. Manchmal wärmte er sich bei diesen Sessions auch für eine Show auf. Dann mäkelte er immer an seiner Stimme herum: „Ich kann sie nicht leiden“, sagte er stets. Ich beruhigte ihn, indem ich ihm antwortete: „Mach dir keinen Kopf – dein Gitarrenspiel reißt ohnehin alles wieder raus!“ Jimi war ein wirklich netter Kerl, und zwar zu allen Leuten. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Er verließ das „Ronnie Scott’s“ – Arm in Arm mit einem Mädchen. Ich rief ihm noch „Gute Nacht!“ hinterher. Als ich am nächsten Morgen hörte, was passiert war, brach ich sofort in Tränen aus. Es war unbegreiflich…

RONNIE LANE

Er war ein Supertyp. Dann allerdings entschloss er sich, mit der Freundin seines besten Freundes durchzubrennen und sich auf einer abgelegenen Farm in Wales niederzulassen. Dabei hatte er doch Sue. Er, Sue und ihr Hund Molly, das war ein perfektes Gespann – zumindest in meinen Augen. Doch eines Tages kam er zu mir nach Hause und sagte: „Ich werde Sue verlassen. Und ich verlasse auch die Band.“ Ich konnte es nicht glauben und meinte nur: „Was? Guter Witz, haha…“ Denn immer wenn es Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppe gab, drohte irgendeiner von uns mit seinem Ausstieg. Das war normal – und hatte oft auch einen heilenden Effekt. Wir lachten darüber, und die Sache war gegessen. Diesmal jedoch war alles anderes – Ronnie meinte es ernst. „Ich gehe wirklich“, betonte er. Das war sein letzter Besuch. Danach ging es gesundheitlich rapide bergab mit ihm. Die Multiple Sklerose kommt in Schüben, es ging schneller und schneller. Wir versuchten, ihm zu helfen – Rod und ich erkundigten uns nach allen möglichen Therapien, Behandlungen mit Schlangengift, Sitzungen in Unterdruck-Tanks, alles Mögliche. Aber nach einer Weile war klar, dass wir im Grunde nichts tun konnten.