The AnimalsTHE ANIMALS & STEVE CROPPER
The Stables, Milton Keynes
Illustre Kombination

Auf den ersten Blick ist es schon eine reichlich seltsame Kombination: The Animals – minus Eric Burdon, Alan Price und Hilton Valentine (der Mann, dessen Arpeggio-Akkorde auf ›House Of The Rising Sun‹ für so viele angehende Gitarristen den Anfang markierten), dafür aber mit Steve Cropper. Ja, genau dem Steve Cropper. The Colonel. Booker T & The MGs, Stax Records, die Blues Brothers. Und das noch dazu in Milton Keynes, Englands womöglich langweiligster, gesichtslosester Stadt. Doch dann spielen sie und man beginnt, diese Verbindung zu verstehen: Die Animals sind ziemlich genau das fehlende Glied zwischen Booker T & The MGs und Deep Purple. John Steel am Schlagzeug ist zwar das einzige verbliebene Originalmitglied der Animals, aber an der Hammond-Orgel gesellt sich Mickey Gallagher zu ihm, der bereits 1965 Alan Price ersetzt hatte. Dass Mickey Gallagher später sowohl bei The Clash als auch bei den Blockheads spielte, ist einerseits zwar schwer zu glauben, macht andererseits aber auch absolut Sinn: Alle drei Bands waren schließlich auf knallharten Rhythm’n’Blues spezialisiert, dargeboten mit einem gehörigen Zähnefletschend.

Und diese raubeinige Haltung hat bis heute überlebt: ›We Gotta Get Out Of This Place‹ wird als alptraumhafter Garagen-Song dargebracht, der einst ganz sicher den Weg für die Doors ebnete. Steve Cropper kommt für MGs-Klassiker wie ›Time Is Tight‹ und ›Green Onions‹ auf die Bühne und singt (!) dann ein paar Liedchen, die er selbst verfasst hat – ›Soul Man‹, ›In The Midnight Hour‹, ›Sittin‘ At The Dock Of The Bay‹ –, während die donnernden Akkorde von ›Knock On Wood‹ die Vergleiche mit dem Deep-Purple-Überhit ›Smoke On The Water‹ einmal mehr heraufbeschwören. Eine sehr gelungene und willkommene Geschichtsstunde – selbst in Milton Keynes.

Scott Rowley

FAMILY
Shepherd’s Bush Empire, London
Überraschendes Familientreffen

Von all den Reunions, die wir in den letzten Jahren bezeugen durften, ist die von Family sicher eine der überraschendsten, und zwar aus zwei Gründen.

Erstens: Nachdem seit ihrer Abschiedstour tatsächlich schon 40 Jahre ins Land gezogen sind, wäre wohl nur ein Vollidiot auf die Idee gekommen, ins nächste Wettbüro zu laufen, um zu erfahren, wie die Chancen stehen, dass Family in nächster Zeit wieder auftreten würden. Und doch sind sie jetzt hier und haben zwei Abende im Shepherd’s Bush Empire komplett ausverkauft.

Zweitens: Sie sind, um es kurz und knapp auszudrücken, verdammt gut. Wo nur die Wenigsten erwartet hätten, dass es überhaupt je zu diesen Konzerten kommen wird, hätten noch viel weniger Menschen damit gerechnet, dass Family ein so ausladendes Set spielen würden. Denn das beinhaltet Stücke aus allen Alben (außer dem freakigen Debütwerk MUSIC IN A DOLL’S HOUSE – gleichermaßen traurig wie verständlich), reicht also von ihrer „Erkennungsmelodie” ›The Weaver’s Answer‹ über Hits wie ›In My Own Time‹ und ›Burlesque‹ bis hin zu Lieblingsstücken aus dem Spätwerk wie ›My Friend The Sun‹ und ›Top Of The Hill‹ sowie unerwartetem, aber besonders enthusiastisch begrüßtem Old-School-„Familiensilber” wie ›Drowned In Wine‹, ›Hung Up Down‹ und dem gemütlich-jazzigen ›Some Poor Soul‹.

Eine Tatsache kann man dabei natürlich nicht leugnen: Die einstigen Mitglieder der Band sind ganz sicher nicht jünger geworden, weswegen klugerweise auch Verstärkung an den Instrumenten ins Boot geholt wurde. Und auch wenn Roger Chapmans ledendäre Vibrato-Stimme hin und wieder mal umkippt, stört das nicht wirklich und ändert letztlich auch nichts an einer insgesamt äußerst bewundernswerten Darbietung.

Sollte sich herausstellen, dass diese zwei Konzerte auch schon wieder das Ende der wiedervereinten Family markieren, dann wäre das wirklich außerordentlich schade. Einerseits für die Band, die bewiesen hat, dass sie auch auf ihre alten Tage noch eine ganze Menge zu bieten hat, andererseits für zahlreiche Fans, die sich über weiterreichende Aktivitäten des Familienunternehmens ganz gewiss freuen würden.

Paul Henderson