The Gaslight Anthem - Portraits

THE GASLIGHT ANTHEM
Zenith, München
Wo geht’s hier zur nächsten Arena bitte?

Von ihnen wird viel erwartet: Die nächste Mega-Rockband zu werden zum Beispiel. Die Zeichen scheinen darauf zu deuten, dass diese Erwartung an The Gaslight Anthem durchaus erfüllt werden könnte. Spielten die New Jersey-Rocker vor zwei Jahren noch in mittelgroßen Clubs, verkaufen sie auf der diesjährigen Tour etliche Hallen aus. Nun ist das Zenith in München an der Reihe. Gut, die 6.000 Besucher fassende Venue ist auf zwei Drittel ihrer Größe abgetrennt worden, dennoch ist die Anziehungskraft von The Gaslight Anthem enorm gewachsen.
Bevor das Publikum zu seinem Hauptact kommt, darf es sich von Dave Hauses Ein-Mann-Show begrüßen lassen. Hause passt perfekt in den Abend. Leider müssen die TGA-Fans dann aber noch den enttäuschenden Auftritt von Blood Red Shoes vereinzelt sogar wort wörtlich absitzen.

In eines der besten Soundgewänder, das das diesbezüglich problematische Zenith je gehört haben dürfte, gehüllt, präsentiert sich Brian Falloausgesprochen gut gelaunt. Seine Scherze wollen nur nicht so recht ankommen, da die Leute seinem Arbeiterjargon nicht aufmerksam genug zu lauschen scheinen. Eigenartig, ist doch ›American Slang‹, bei dem Dave Hause mit auf die Bühne kommt, eines ihrer liebsten Stücke an diesem Abend. The Gaslight Anthem, die gelinde ausgedrückt früher etwas unsicher agierten, haben sich zu einer extrem guten Live-Band entwickelt. Zudem würden sich alle 24 Lieder an diesem Abend für große Stadion-Shows eignen. Spricht man von Arena-Hymnen und The Gaslight Anthem, darf am Ende ein Song nicht fehlen, damit der Abend so enden kann, wie er begonnen hat: Mit ›Great Expectations‹ nämlich, die – sollte es mit dieser Band so weiter gehen – nicht enttäuscht werden dürften.

Paul Schmitz

MOTÖRHEAD
Stadthalle, Offenbach
Zu voll, zu kurz aber wie immer.

Der Abend beginnt gleich mit einem Alptraum: viel zu wenig Parkplätze und eine völlig überfüllte Halle. Auch die Umbauspause zwischen Anthrax, die als Vorband agieren, und Motörhead wird zur Quetschtortur ersten Grades. Das Volk will Bier und pinkeln… Dann kann es endlich losgehen: Das Trio liefert einen grundsoliden Gig mit wenig Überraschungen ab, einzig die Thin Lizzy Coverversion ›Are You Ready‹ lässt aufhorchen. Lemmy ist gut drauf und kommuniziert oft mit dem Publikum zwischen den Songs, die gierig jeden Track aufsaugen und mit der entsprechenden Lautstärke quittieren. Nach 70 Minuten ist das Spektakel jedoch schon zu Ende: viel zu früh!

Jürgen Tschamler

OPETH
Sankt Peter, Frankfurt
Ein Schelm, der Growls vermisst…

Wow: Da wurde richtig Geld in die Hand genommen, um eine Kirche zu Frankfurts coolster Konzerthalle aller Zeiten umzubauen – ein mehr als perfektes Ambiente für die Zart- und Verhuschtheit von Anathema, aber sogar mehr noch für Opeth, die Prog Metal-Kings der Zwischentöne. Was Åkerfeldt & Co. für diese Tour aus fauchenden Death-Prog-Klassikern wie ›Heritage‹, ›Credence‹ und ›Benighted‹ gemacht haben, grenzt ans Genialische: ›Demons of the Fall‹ vibriert vor zwölfsaitiger Bosheit, Black Sabbaths ›Solitude‹ kommt fragil… und alles, wirklich alles weint vor Glück.